Hämorrhoiden

© Dreamstime/Martin Fischer
Autorin: Mag. Sonja Tautermann
Aktualisiert am: 19.10.2009
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapieplanung von Hämorrhoidalleiden erfolgt in Absprache mit dem Patienten in mehreren Schritten. "Man sollte immer zuerst versuchen, konservativ vorzugehen, also mit Zäpfchen, Salben oder Tabletten", rät Wunderlich. So empfiehlt er seinen Patienten für vier bis sechs Wochen Diosmine: "Diese wirken abschwellend, stärken den Tonus der Blutgefäße, fördern den Lymphabfluss und wirken entzündungsreduzierend. Auch größere Hämorrhoiden machen dann in vielen Fällen keine bzw. keine operationswürdigen Probleme."
Ist nach sechs Wochen immer noch keine Besserung eingetreten, kann der Arzt bei Hämorrhoiden des I. und II. Grades als nächstes kleinere Interventionen mit dem Proktoskop vornehmen. Bei einer Sklerosierung werden jene Gefäße verödet, die zu den Hämorrhoiden führen (Arterien), so dass die Blutzufuhr durch zarte Narbenbildung gedrosselt wird. Eine Infrarot-Sklerosierung ist als Methode der Verödung ebenfalls möglich. Weiters können die Gefäße auch mit einer Gummibandligatur abgebunden werden. All diese Methoden können nach einfacher Darmvorbereitung mittels Abführzäpfchen ambulant durchgeführt werden und sind in kundiger Hand völlig schmerzlos.
Wenn operiert werden muss
"Bevor man operiert, muss man sich davon überzeugen, dass der Schließmuskel auch nach einem Eingriff höchstwahrscheinlich klaglos funktionieren wird, vor allem bei Frauen, die geboren haben", erklärt Wunderlich. "Es kann sein, dass der Schließmuskel nach einer Schwangerschaft defekt ist, ohne dass dies bemerkt wurde. Dann kann es passieren, dass eine Frau nach einer analen Operation plötzlich inkontinent wird. Der Schließmuskel war bereits defekt, aber das Hämorrhoidalkissen hat das bis zum Tag des Eingriffs kompensiert."
Der neue Hoffnungsträger ist eine Kombination aus HAL (Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur) und RAR (Rektoanale Reparation). Mit einem Ultraschall-Proktoskop können Gefäße gezielt geortet und die Arterienzufuhr abgebunden werden (HAL). "RAR ist wie ein Lifting im Analkanal – es entsteht eine Narbe und die Hämorrhoiden bleiben zu 92 Prozent drinnen", so Satzinger. HAL ist für Hämorrhoiden des II. Grades, RAR für die Grade III und IV geeignet.
Für Hämorrhoiden des III. und IV. Grades gibt es auch noch aufwändigere Verfahren, wie z. B. die Operation nach Milligan-Morgan-Verfahren, bei denen man das überschüssige Gewebe entfernt. "Früher hat man häufig nach dieser Methode operiert, manche Patienten hatten danach allerdings teilweise ein paar Tage, seltener Wochen, Schmerzen", so die Chirurgin. Weiters gibt es noch die Methode nach Longo, bei der die Schleimhaut mit einem Klammerapparat durchgezwickt und die Blutzufuhr zu den Hämorrhoiden durchtrennt wird. "Dieses Verfahren ist nicht immer schmerzlos und zusätzliche Probleme sind unerwartet auftretende Komplikationen. Da deren Häufigkeit bei dieser Methode noch ungeklärt ist, wird diese Methode von mir nicht empfohlen", so Wunderlich.
Jede Operation birgt auch Risiken
Bei jedem Hämorrhoidaleingriff sind Komplikationen wie Nachblutungen, Inkontinenz, Fisteln oder Schmerzen möglich. "Komplikationen und wiederauftretende Hämorrhoidalbeschwerden können bei keiner Intervention ausgeschlossen werden. Daher ist eine seriöse Aufklärung über die Folgen und Risiken aller Verfahren notwendig", sagt Wunderlich. "Ausschließlich in Fällen, bei denen alle konservativen Behandlungsversuche nachweislich fehlschlagen, sind operative Verfahren – nach gründlicher Aufklärung – angezeigt", ergänzt der Proktologe.
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