Inkontinenz

© Fotolia/George Bailey
Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 25.01.2010
Behandlungsformen
Als Vorsitzender der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) ist es Dr. Mons Fischer ein besonderes Anliegen, mit Vorurteilen aufzuräumen und Aufklärungsarbeit zu leisten. "Inkontinenz ist kein Schicksal, gegen das man nichts unternehmen kann", macht der Urologe Betroffenen Mut. Die Therapiemöglichkeiten seien vielfältig und je früher etwas unternommen werde, desto besser. Um Betroffene und Interessierte zu informieren, bietet die MKÖ unter der Nummer 0810/100 455 ein Beratungshotline für Fragen zum Thema Inkontinenz an. Die Gesellschaft hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, praktische Ärzte in Hinblick auf Inkontinenz bei ihren Patienten zu sensibilisieren.
Vielfalt an Therapien
Vor allem nach einer vaginalen Geburt steige das Risiko, eine Belastungsinkontinenz zu entwickeln. Dr. Fischer betont daher, keinesfalls auf Training und Kräftigung des Beckenbodens zu vergessen. Das Erlernen der Übungen sollte idealerweise im Rahmen einer Physiotherapie stattfinden, um Fehler zu minimieren. Auch Biofeedback eigne sich gut, da man selbst den Fortschritt beobachten könne.
"Bei der Therapie der Dranginkontinenz ist das Blasen- und Toilettentraining als wichtige Basis zu sehen", sagt Dr. Fischer. Die Betroffenen lernen unter anderem, auf die Toilette zu gehen, bevor die Blase übervoll ist. Dass diese Therapieform zeit- und pflegeintensiv sei, zeige sich in der Compliance, also der Therapietreue, räumt der Urologe ein. Eine weitere Behandlungsart sei die Stromtherapie, bei der über transvaginale Sonden Elektroimpulse gesendet werden. Erst wenn alle nicht-operativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sollten operative Eingriffe erwogen werden. "Das Spektrum reicht von minimal-invasiven Eingriffen bis hin zu großen Operationen, bei denen die Blase komplett ausgeschaltet wird", erklärt der Urologe die Behandlungsmöglichkeiten für schwierigere Fälle.
Medikamentöse Therapie
Die Hauptsäule in der Therapie von Inkontinenz seien aber weiterhin Medikamente. Es würden laufend neue Substanzen auf den Markt kommen. "Die Wirkung neuer Substanzen ist nicht besser, aber die Nebenwirkungen sind geringer", erklärt Dr. Fischer den Fortschritt. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten ein trockener Mund, Verstopfung oder Gesichtsrötungen. Durch Verbesserungen bei der Dosierung der Medikamente, wie z.B. mit Hautpflastern oder sog. Retard-Medikamenten, könnten die Nebenwirkungen im Rahmen gehalten werden. Dr. Fischer hat noch einen wichtigen Hinweis zum Thema Medikamente. Gewisse Mittel gegen Blutdruckprobleme und Depressionen, Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie Diuretika (ausschwemmende Mittel) können zu Inkontinenz führen.
Zum Schluss gibt Dr. Fischer noch Tipps für eine gesunde Blase: "Auf eine ausgewogene Trinkmenge achten, die der Temperatur und Tätigkeit angepasst ist. Zweieinhalb Liter am Tag und eineinhalb Liter im Alter reichen im Normalfall aus". Weiters empfiehlt er, die Blase regelmäßig zu entleeren. Extrem langes Zurückhalten könne negative Folgen haben. Außerdem empfiehlt er Männern ab 45 Jahren den jährlichen Besuch beim Urologen. Je früher die Kontrolle, umso früher könne Inkontinenz erkannt und behandelt werden.
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