Inkontinenz

© Fotolia/George Bailey
Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 25.01.2010
Inkontinenz - Toilette gesucht
Die ständige Suche nach einer Toilette und die Angst vor unangenehmen Situationen prägen den Alltag von Menschen mit Harninkontinenz. Die gute Nachricht ist, dass sich Blasenschwäche oft heilen oder zumindest lindern lässt. Wäre da nicht die Scheu der Betroffenen, über die Erkrankung zu sprechen und einen Arzt aufzusuchen. Stattdessen bedeutet die Krankheit oft den sozialen Rückzug.
"Von Inkontinenz spricht man, wenn es zu unwillkürlichem Harnverlust kommt, der in Verbindung mit einem Leidensdruck steht", erklärt Dr. Mons Fischer. Der Urologe und Vorsitzende der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) nimmt an, dass rund 850.000 Frauen und 150.000 Männer in Österreich (zumindest zeitweise) von Inkontinenz betroffen sind. Genau lasse sich die Zahl aber nicht schätzen, da der Leidensdruck schwer messbar sei. "Leider handelt es sich um ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird", so der Arzt. Viele Betroffene würden sogar innerhalb der Familie ein Geheimnis daraus machen und nicht zum Arzt gehen. Wenn die Angst, jemand anderen mit unangenehmem Geruch zu belästigen, zu groß werde, bedeute das oft soziale Isolation und Vereinsamung.
Alle Altersklassen betroffen
Die Wahrscheinlichkeit, Inkontinenz zu entwickeln, steige zwar mit dem Alter. Aber nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder (großteils Bettnässen) oder junge Mütter können darunter leiden, stellt Dr. Fischer klar. Inkontinenz könne auch eine Unfallfolge sein und bei einer Querschnittslähmung auftreten. "Bei Frauen nimmt Harninkontinenz nach der Menopause zu. Bei Männern wird die Reizsymptomatik der Blase ca. ab dem 60. Lebensjahr wegen einer Vergrößerung der Prostata häufiger. Später kommen dann zerebrale Abbauprozesse hinzu, sodass ab dem 75. Lebensjahr mehr Männer als Frauen betroffen sind", sagt der Urologe. Der geistige Zustand spielt eine Rolle, weil die Blasenfunktionen zentral vom Gehirn gesteuert werden. Probleme mit den Nervenbahnen bedeuten auch Probleme mit der Blase. Das erklärt auch, warum mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Parkinson und Schlaganfällen oft Inkontinenz einhergeht.
Verschiedene Formen
Die Ärzte unterscheiden verschiedene Formen von Inkontinenz. Die zwei häufigsten sind die Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz) und die Dranginkontinenz. Treten Symptomen von beiden Formen gleichzeitig auf, spricht man von Mischinkontinenz. "Bei der Dranginkontinenz kommt es zu Harnverlust aufgrund einer Überaktivität der Blase", erklärt Dr. Fischer. Der Patient verspürt einen plötzlichen, übermäßig starken Drang und kann den Harn nicht zurückhalten. Betroffene erreichen manchmal nicht mehr rechtzeitig die Toilette.
"Bei der Belastungsinkontinenz liegt das Problem beim Blasenschließmuskel", sagt Dr. Fischer. Beim Lachen, Husten oder Niesen, wenn sich also der Druck im Bauchraum erhöht, geht unbemerkt Harn ab. Vor allem Frauen sind von dieser Variante betroffen. Die Hauptgründe sind vaginale Geburten, Hormonumstellungen, Übergewicht, genetische Veranlagung und starke körperliche Anstrengung. Bei Männern besteht nach Operationen wegen Prostatakrebs die Gefahr einer Belastungsinkontinenz. Für das Auftreten von Dranginkontinenz hingegen findet man in der Mehrheit der Fälle keine genaue Ursache bzw. kann eine familiäre Veranlagung das Risiko erhöhen.
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