Irrtümer über Venen

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Autorin: Mag. Sonja Tautermann
Aktualisiert am: 15.02.2010
Venen-Mythen
Die meisten von uns glauben, genau zu wissen, was für unsere Venen gut ist und was nicht. Doch ist es tatsächlich schädlich, die Beine übereinander- zuschlagen? Und bekommt man vom Saunagang bzw. von großer Hitze tatsächlich Krampfadern?
"Aus der Praxis weiß ich, dass Vorurteile und Mythen über die Entstehung von Venenerkrankungen nach wie vor weit verbreitet sind", sagt Venen-Experte Dr. Edgar Raschenberger. Tatsächlich gäbe es zu dem Thema erst sehr wenige Studien. Die meisten würden zudem Informationen weitergeben, die nirgendwo belegt sind. In seinem neuen Werk ("Was gesunde Beine brauchen") will er unter anderem mit gängigen Vorurteilen aufräumen.
Mythos 1: Krampfadern sind nur ein kosmetisches Problem
Venenerkrankungen beginnen schleichend. Schwere, geschwollene und müde Beine bis hin zu Schmerzen nach längerem Stehen werden von den Betroffenen häufig nicht wahr- bzw. ernstgenommen. Doch kleine Besenreiser sind mehr als nur ein kleiner Schönheitsfehler. "Bei Besenreisern sollte man sofort etwas tun! Sie sind vielfach die Spitze des Eisbergs, den man noch nicht sieht", sagt Raschenberger.
Langes Sitzen oder Stehen belastet unsere Beine, da das Blut gegen die Erdanziehungskraft zurück zum Herzen fließen muss. Krampfadern entstehen, wenn die Venenklappen nicht mehr vollständig schließen. Die Venenklappen sollen eigentlich verhindern, dass das Blut zurückfließt. So kommt es aber zu einem Rückstau, bei dem das Blut nicht zum Herzen zurückgepumpt wird, sondern ins Bein zurückströmt. Die oberflächlichen Venen erweitern sich unschön und schwellen an. Unterbricht man den verkehrten Blutstrom wieder (z.B. durch Verödung), kann man damit die überbeanspruchten, (noch) gesunden Venen entlasten. "Die meisten offenen Beine entstehen über Jahre aus dem Denken heraus, Krampfadern seien ein Schönheitsfehler und da brauche man nichts zu tun!", weiß der Chirurg. "Wer im Frühstadium zur Behandlung geht, ist am schnellsten wieder makellos", sagt der Arzt, der auch schon 15-Jährige behandelt hat.
Mythos 2: Das Übereinanderschlagen der Beine ist ungesund
Raschenberger kann sich nicht vorstellen, dass es eine Kultur der Erde gibt, in der die Menschen ihre Beine nicht übereinanderschlagen und nennt als Beispiel den Yogasitz. "Auch für die Behauptung, Blutgefäße würden abgedrückt und der Blutstrom in den Beinen behindert, konnte ich keinen nachprüfbaren Beweis finden." Im Gegenteil, das Überschlagen der Beine sei die logische Konsequenz des Problems, nicht aber das Problem selbst. Denn wir schlagen unsere Beine gerne übereinander, weil langes Sitzen oder Stehen unsere Beine belastet. "Also verkürzen wir Menschen diese Wegstrecke, um unseren Beinen die Arbeit zu erleichtern."
Mythos 3: Krampfadern entstehen durch Wärme
Wenn Krampfadern durch Wärme entstehen, müsste das bedeuten, dass Menschen in heißeren Regionen viel öfter davon betroffen sind, folgert Raschenberger. "Doch tatsächlich ist die Häufigkeit bei uns viel größer. Es ist auch wissenschaftlich nicht belegt, dass Krampfadern durch Sonne, Hitze, häufige heiße bzw. Thermalbäder, Sauna, Fangoanwendungen oder Fußbodenheizung entstehen", sagt der Venen-Experte. "Wärme ist gesund, davon bekommen wir keine Krampfadern!"
Zwar würden die Beine bei höheren Temperaturen mehr anschwellen und sich schwerer anfühlen. Zur Regulierung der Körpertemperatur fließe nämlich mehr Blut ein, das gegen die Erdanziehungskraft zurück zum Herzen müsse. Doch tatsächlich habe unser Organismus die Fähigkeit, sich innerhalb von wenigen Wochen an hohe Temperaturen zu gewöhnen.
Mythos 4: Beine hochlagern beugt Venenproblemen vor
Wer sich hinlegt oder seine Beine hochlagert, fühlt sich dann zwar wohler, weil er seinen Beinen die Arbeit erleichtert. Venenleiden kann man damit allerdings nicht vorbeugen. Viel besser geeignet ist Bewegung: "Dass die wirksamste Prävention darin besteht, mehr gesunde Bewegung in den Alltag zu integrieren, löst häufig ungläubiges Staunen aus." Unser Lebensstil – geprägt durch stundenlanges Sitzen und passives Stehen, häufig noch dazu in festem Schuhwerk und auf unnatürlich hartem Untergrund – bedeute eine maßgebliche Beeinträchtigung der venösen Pumpmechanismen.
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