Künstliche Befruchtung
Aktualisiert am: 30.05.2006
Wer durch den Rost fällt
Was nicht belegbar ist, wird auch nicht bezahlt. "Meiner Meinung nach fallen 50 Prozent der unfruchtbaren Paare raus", meint Univ.-Doz. Dr. Peter Kemeter, Repromediziner in Wien. Seit Einführung des Gesetzes gibt es freilich mehr Andrang in seinem Institut, doch er muss einigen Paaren auch erklären, warum sie keinen Anspruch haben.
Die Psyche ist kein Grund
Vor allem der Bereich der unerklärbaren Unfruchtbarkeit bleibt vom neuen Gesetz unberührt. Gerade Kemeter, der sich auf die Psychosomatik der Unfruchtbarkeit spezialisiert hat, weiß, dass bei mindestens 20 Prozent der Paaren, die ungewollt kinderlos sind, keine organischen Ursachen gefunden werden. Die Störungen liegen dann entweder im psychischen Bereich oder in wissenschaftlich unerforschten Gefilden.
Eine Frage der Einstellung
Trotzdem sind in diesen Fällen die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung gut; durch die intensive psychologische Betreuung kommt es sogar immer wieder zu Spontanschwangerschaften ohne repromedizinische Hilfe.
"Die besten Chancen haben Menschen, die ihre Einstellung ändern", schildert Kemeter seine Erfahrungen. Man müsse sich in erster Linie vom Zwang befreien, unter allen Umständen ein Kind zu bekommen und mit etwas mehr Gelassenheit an die Sache herangehen. "Die Chancen bei der IVF sind die gleichen wie in der Natur. Pro Monat werden von 100 Frauen auch nur 15 schwanger", beruhigt der Spezialist.
Damit Gelassenheit überhaupt stattfinden kann, versuchen viele repromedizinische Institute weg vom sterilen Klinikimage zu kommen. Die Atmosphäre soll angenehm und vertraut sein, mehr wie im eigenen Wohnzimmer als in einer Klinik. Denn viele Paare haben nicht nur einen Hürdenlauf durch Arztpraxen und Labors hinter sich, sondern benötigen Ruhe und Entspannung auch ganz dringend für den Erfolg der IVF-Versuche. Untersuchungen haben ergeben, dass die Samenqualität des Mannes unter stressigen Laborbedingungen leidet. Doch gerade dieser Samen soll oft für die Befruchtung herangezogen werden oder aber Aussagen über die Fruchtbarkeit liefern. Inzwischen gibt es Spezialkondome, die dem Mann das Samensammeln zu Hause ermöglichen und die Befunde zeigen, dass sich das positiv auf die Spermienqualität auswirkt.
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