Lachyoga

© Fotolia/Yuri Arcurs
Autorin: Mag. Sonja Tautermann
Aktualisiert am: 18.02.2011
Yoga und Lachen?
Wer glaubt, dass beim Lachyoga ständig Witze gerissen werden, irrt. Und auch, wer dabei an Körperverrenkungen denkt, die man zudem noch lustig finden soll, ist auf der falschen Spur. Es geht um das Lachen ohne Grund. Kann das funktionieren? Wecarelife hat Lachyoga getestet.
Bis zu 400 Mal am Tag lachen Kinder. Wir Erwachsene bringen es gerade einmal auf 15 Mal täglich. Warum das so ist? Kinder lachen grundlos, Erwachsene meist nur dann, wenn es auch einen äußeren Anlass dazu gibt. "Wenn wir lernen können, bedingungslos zu lachen, dann wird auch unser Glück nicht mehr an Bedingungen gebunden sein", sagt der indische Arzt Dr. Madan Kataria, der 1995 Lachyoga entwickelt hat. Das macht Sinn: denn so können wir auch dann lachen, wenn uns gerade nicht zum Lachen zumute ist. Doch ist es tatsächlich möglich, ohne äußeren Anlass zu lachen? Um das herauszufinden, habe ich selbst an einem Lachyoga-Workshop teilgenommen.
Was ist Lachyoga?
"Fake ist until you make it!", also: "Tu so, als ob du lachst, bis du wirklich lachst!", erläutert uns Lachyoga-Trainerin Renate Sattlegger das Motto von Dr. Kataria. Gekünsteltes Lachen also? Ja, denn der Körper erkenne keinen Unterschied, ob es sich um echtes oder vorgetäuschtes Lachen handle. Die positiven Effekte auf den Körper und die Psyche seien die gleichen. "Die Atmung wird angeregt, die Bauchmuskulatur gestärkt, Herz und Kreislauf aktiviert, Ängste und Spannungen werden abgebaut und vieles mehr. Lachen ist so gesund", erklärt Renate Sattlegger.
Dem Begründer der Methode zufolge soll eine Minute Lachen so wie zehn Minuten Joggen wirken. Denn dabei werden 17 Muskeln im Gesicht und 80 Muskeln im Körper aktiviert. Auch die Wissenschaft bestätigt inzwischen die positiven Auswirkungen des Lachens auf Körper, Geist und Seele. So soll Lachen positiv gegen negativen Stress wirken, unser Immunsystem stärken, das Herz-Kreislauf-System stimulieren, Schmerzen dämpfen, die Atemwege befreien, die Kondition verbessern, unser Selbstvertrauen stärken und uns obendrein jünger aussehen lassen.
Tu so, als ob du lachst?
Zugegeben, ich persönlich bin künstlichem Lachen erst einmal skeptisch gegenübergestanden. Lachen macht doch nur Sinn, wenn es echt ist! Ich scheine aber nicht die einzige in der Gruppe zu sein, die so denkt. Ausprobieren will ich es dann aber doch. Wir beginnen mit einfachen Atemübungen, verbunden mit Dehnungen und Streckungen, um den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Danach geht es weiter mit spielerischen und pantomimischen Lachübungen. Unsere Lachyoga-Trainerin demonstriert uns sehr gut, wie das Ganze funktionieren soll. Und ganz ehrlich: sie kann auf Knopfdruck lachen und das Ganze sieht nicht einmal gekünstelt aus!
Augen auf und durch!
Also Hemmungen überwinden, tief Luft holen und dem anderen beim Lachen in die Augen sehen. So lachen wir uns etwa gegenseitig mit schüchternem Lachen hinter vorgehaltener Hand ("Geisha-Lachen") oder mit tadelndem Lachen mit erhobenem Zeigefinger an. Ausgelacht wird im Lachyoga niemand – doch die Übungen animieren dazu, sich mal selbst auf die Schaufel zu nehmen und über die eigenen pantomimischen Darbietungen zu lachen.
Es zeigt sich: auf Kommando eine fremde Person anzulachen, nicht nur anzulächeln, ist gar nicht so einfach, wobei es extravertierten Menschen sichtlich leichter fällt. Oft fühlt es sich mehr nach künstlichem als nach echtem Lachen an, doch mit ein bisschen Übung wird es leichter. Anderen geht es aber ähnlich. Die meisten Menschen würden einfach etwas Zeit benötigen, bis das künstliche Lachen in ein echtes Lachen übergehe, macht uns Renate Sattlegger Mut, das sei ganz normal. Sie zeigt sich jedenfalls sichtlich erfreut über die Fortschritte ihrer Lachyoga-Teilnehmer.
Und schon sind zwei Stunden wie im Flug vergangen. Fazit: Der Bauch tut weh vom Lachen, ebenso die Gesichtsmuskeln, die so viel Lachen auf einmal nicht gewöhnt sind. Ich fühle mich entspannter und glücklicher - und Spaß gemacht hat es auf jeden Fall! Ausprobieren lohnt sich, finde ich.
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