Morbus Crohn

Kein Toilettenpapier mehr

Autorin: Mag. Sonja Tautermann

Aktualisiert am: 12.01.2010

Wenn der Weg zur Toilette zu lang wird

Morbus Crohn: etwa 30.000 bis 40.000 Menschen in Österreich leiden an der chronisch- entzündlichen Darmerkrankung. Immer wieder auftretende Schübe mit Durchfällen, Bauchkrämpfen und Gewichtsverlust gehören zu dieser lebenslangen Erkrankung. Was sich die Betroffenen wünschen, ist Verständnis. Denn obwohl Morbus Crohn nicht ansteckend ist, existieren zahlreiche Vorurteile.

Mehrmals am Tag wässriger Durchfall, Krämpfe oder Schmerzen im Unterbauch, Müdigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust, aber auch Beschwerden wie Gelenksentzündungen gehören zu den möglichen Anzeichen von Morbus Crohn. "Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche, unheilbare Erkrankung des Verdauungstraktes, zumeist des Darms. Wenn sie nicht behandelt wird, schreitet die Krankheit voran und kann zu einem unwiederbringlichen Verlust von Darmgewebe führen", erklärt Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch von der Universitätsklinik für Innere Medizin Wien.

Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre

Die Krankheit tritt meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf. Bei manchen Betroffenen beginnt Morbus Crohn schleichend, bei anderen von heute auf morgen. Da die Beschwerden anderen Krankheitsbildern ähneln können, ist die Diagnose häufig nicht ganz einfach. "Jeder Crohn-Patient ist anders. Durchschnittlich vergehen drei Jahre bis zur Diagnose", sagt Dr. Reingard Platzer, Leiterin der Spezialambulanz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen am Landesklinikum Wr. Neustadt. Eine rechtzeitige Diagnose sei wichtig, um Komplikationen vorzubeugen, so Reinisch. Viele hätten bei der Diagnosestellung aber bereits Komplikationen wie Darmverengungen, Abszesse oder Fisteln.

"Morbus Crohn ist keine Schuld, sondern ein Schicksal", verdeutlicht Platzer. Zwar weiß man, dass genetische Muster, Umweltfaktoren und das Immunsystem eine Rolle spielen. Patienten, die rauchen, erkranken etwa früher. Der konkrete Auslöser für die Krankheit wurde allerdings noch nicht gefunden. "Die Psyche spielt zwar eine Rolle, die Ursache der Erkrankung liegt aber nicht in der Psychosomatik", so Reinisch.

In manchen Familien tritt Morbus Crohn gehäuft auf. "Bei einer Schwangerschaft besteht ein etwa dreifach erhöhtes Risiko, dass das Kind ebenfalls Morbus Crohn bekommt", sagt Platzer. Was man allerdings weiß: TNF-alpha, ein zentraler Botenstoff des Immunsystems, wird bei Morbus Crohn vermehrt gebildet. Eine Überproduktion dieses Botenstoffes verursacht Entzündungen des Verdauungstraktes.

Behandlung

"Das Hauptziel der Behandlung ist es, die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern", erklärt die Ärztin. Die Patienten müssen sehr individuell entsprechend ihrer Beschwerden behandelt werden. Ein Medikament, das das Immunsystem moduliert, sei normalerweise notwendig, so Reinisch. Seltener kämen Biologika (TNF-alpha-Blocker) zum Einsatz. Diese unterdrücken nicht das gesamte Immunsystem, sondern nur jene Stoffe, die eine Entzündung auslösen. Während es vor zehn Jahren Biologika nur als Infusion gab, sind diese mittlerweile auch als PEN erhältlich, die sich die Patienten selbst spritzen können. Forschungen haben gezeigt, dass eine einjährige Therapie mit TNF-alpha-Blockern 93 Prozent weniger Operationen bei Morbus-Crohn-Erkrankten notwendig macht. Daher sind diese für Reinisch "derzeit die wirksamste Therapie bei schwergradigem Morbus Crohn. Ihr frühzeitiger Einsatz kann die Krankheitsprogression nachweislich verzögern."


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