Nägelbeißen

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Aktualisiert am: 26.07.2010
Nägelkauen bei Erwachsenen
Sigmund Freud nannte es "die Wendung gegen das Selbst". Tritt Nägelbeißen erst im Erwachsenenalter auf, handelt es sich um eine Art "Selbstverletzung" als Antwort Lebensumstände, die als druck- oder schmerzvoll erlebt werden, weiß die psychologische Beraterin und Wecarelife-Expertin Susann Sontag. "Es ist sehr schwer, etwas 'gegen' das Nägelbeißen bei Erwachsenen zu tun, da sich dahinter tief verdrängte Ängste, Traumata, Engheiten oder Zwänge verbergen können."
Unbewusste Abwehrreaktion
An den Nägeln zu kauen, sei kein bewusster, sondern ein unbewusster Vorgang, eine Abwehrreaktion des Unterbewusstseins. "Das heißt, das Leben und die Umgebung, in der man lebt, wird als so 'gefährlich' angesehen, dass der Betroffene es vorzieht, eher sich selbst zu verletzen, als dass er sich verletzen lässt", sagt die psychologische Beraterin.
Viele Betroffene kennen Phasen, in denen sie nicht an ihren Nägeln kauen. Sie sind entspannt und die Fingernägel wachsen wieder. "Doch von einer Sekunde auf den anderen tritt wieder eine Situation auf, die Druck erzeugt und das alte Muster der Selbstverletzung schlägt wieder zu", erklärt Susann Sontag. "Und zwar schneller, als es der Betroffene registrieren oder gar kontrollieren kann! Der Betroffene nimmt sich selbst und seine Bedürfnisse in dem Moment, in dem Druck erlebt wird, nicht mehr wahr. Erst die Selbstverletzung führt dazu, dass er sich selbst wieder wahrnimmt." Kein Wunder also, dass das Auftragen bitterer Tinkturen auf die Nägel hier nicht hilft.
Die eigenen Bedürfnisse wieder spüren
Die Expertin nennt ein Beispiel. Ein Freund fragt: "Kommst du heute Abend mit ins Kino?" Ein Nicht-Nägelbeißer reagiert etwa so: "Lass mich nachdenken, ich weiß nicht, ob ich Lust habe." Ein Nägelbeißer sagt hingegen beispielsweise: "Klar, ich komme mit!" und spürt sein inneres Bedürfnis nicht, dass er keine Lust hat. Seine eigene Stimme wird nicht gehört, der abgerissene Nagel ist ein Zeichen seiner Selbstverletzung, denn er hat durch die Zusage seine eigenen Bedürfnisse igoniert.
"Im Verlauf so einer Nägelbeiß-Karriere können dann auch Alkohol, Tabletten, Drogen oder auch chronisch-entzündliche Krankheiten hinzukommen, meistens im Magen-Darmbereich", ergänzt Sontag. Denn: "Die Selbstverletzung wird immer 'flächendeckender', wenn nicht gelernt wird, mit dem 'Druck' anders umzugehen."
Eine Therapie kann helfen
In leichten Fällen können Entspannungsübungen helfen (Tipp von Susann Sontag: die CD "Angst verwandeln in Gelassenheit" von Werner Eberwein). Sonst kann eine Psychotherapie das Mittel der Wahl sein, um das Problem an der Wurzel zu packen. "Es geht eben nicht nur um die Nägel, sondern um Selbstliebe und Selbstakzeptanz, um eine gesundes Selbst-Bewusstsein", macht Sontag deutlich. Eine Therapie kann hilfreich sein, um die eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren und die "Selbstverletzung" als Signal des Körpers nicht mehr zu benötigen.
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