Natürliche Verhütung

© Fotolia/Ewa Walicka
Autorin: Mag. Sonja Tautermann
Aktualisiert am: 08.11.2010
Teil 1: Natürlich verhüten: so sicher wie die Pille
Teil 2: So funktioniert NFP
Teil 3: Links und Buchtipps
Natürlich verhüten: so sicher wie die Pille
Wer natürlich verhüten möchte, wird schnell als naiv abgestempelt. Dabei hat die Verhütung mit der sogenannten symptothermalen Methode einen ähnlichen Pearl-Index wie die Pille und ist somit eine geeignete Alternative für Frauen, die nicht hormonell verhüten möchten.
Die meisten Frauen verhüten hormonell. Mit Pille, Verhütungspflaster und Verhütungsring stehen jede Menge Methoden zur Verfügung. In puncto Sicherheit wird der Pille am meisten vertraut. Wer allerdings Skrupel hat, seinen Körper mit Hormonen zu versorgen, hat es schon schwerer. Doch was die wenigsten wissen: mit einem Pearl-Index von 0,4 kann die symptothermale Methode als natürliche Verhütungsmethode locker mit der Pille mithalten und ist noch dazu frei von Nebenwirkungen. Über Wechselwirkungen mit Medikamenten oder ein Thromboserisiko für Raucherinnen brauchen sich die Anwenderinnen ebenfalls keine Sorgen machen.
Was ist natürliche Verhütung?
Wer natürlich verhütet, weiß anhand von Beobachtungen und Berechnungen über die eigenen fruchtbaren und unfruchtbaren Tage Bescheid. "Über Natürliche Familienplanung bzw. NFP und den weiblichen Zyklus existiert sehr viel Halbwissen in der Bevölkerung ", erzählt NFP- und Verhütungsberaterin Manuela Mertl. Wie viele Frauen aus eigener Erfahrung wissen, dauert der Zyklus in den seltensten Fällen genau 28 Tage – sofern man nicht hormonell verhütet – und auch der Eisprung findet nicht laut Plan am 14. Tag statt. "Man könnte sonst in der ersten Woche des Zyklus und ab dem 15. Zyklustag auf Verhütung verzichten. So einfach ist es aber nicht, wir sind alle keine Computer", ergänzt sie.
Unter den Überbegriff "Natürliche Familienplanung", meist kurz NFP genannt, fallen allerdings eine Reihe von Methoden. Die unsicherste davon ist die Kalendermethode nach Knaus und Ognio, die die fruchtbaren Tage errechnet und nicht durch Selbstbeobachtung im aktuellen Zyklus bestimmt. Sie hat einen sehr hohen Pearl-Index von bis zu 40 und ist wahrscheinlich für den schlechten Ruf der natürlichen Verhütung in der Bevölkerung verantwortlich.
Den besten Pearl-Index hat hingegen die symptothermale Methode (Pearl-Index von 0,4), die eine Kombination aus Temperaturmethode und Schleim-/Muttermundbeobachtung ist. Das bedeutet, dass die Anwenderinnen täglich ihre Köpertemperatur messen und gleichzeitig auch ihren Zervixschleim bzw. die Veränderung des Muttermundes beobachten. Die symptothermale Methode der Malteser Arbeitsgruppe NFP heißt seit neuestem "sensiplan". Ihr Regelwerk baut auf den Untersuchungen des österreichischen Arztes Josef Rötzer auf und wurde gemeinsam mit den Universitäten Düsseldorf und Heidelberg wissenschaftlich untersucht und überarbeitet. Die Methodensicherheit liegt bei 0,4 Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre (das sind 1.200 Zyklen), sofern die Frauen in der fruchtbaren Phase enthaltsam sind. Findet in der fruchtbaren Zeit geschützter Verkehr (etwa mit Kondom) statt, liegt die Schwangerschaftsrate bei 0,6. Die Gebrauchssicherheit bei Anwendung der Methode liegt bei 1,8. Schwanger werden die Frauen aber meist deshalb, weil sie trotz besseren Wissens in den fruchtbaren Phasen ungeschützten Sex hatten.
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