Passivrauchen

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Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 12.04.2010
Rauch aus zweiter Hand
Viele Nichtraucher reagieren empfindlich auf Tabakrauch. Nicht umsonst, denn der blaue Dunst stellt eine große Gesundheitsgefährdung dar. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Passivrauchen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko in Zusammenhang steht. Schon geringe Mengen reichen. Trotzdem ist die Gesundheitsbelastung für Passivraucher immer noch geringer als für jene, die selbst an der Zigarette ziehen.
Von den über 4.800 Substanzen, die im Tabakrauch enthaltenen sind, gelten rund 70 als nachweislich krebserregend. Gifte wie Kohlenmonoxid, Formaldehyd, Arsen, Blausäure und das radioaktive Isotop Polonium 210 bewirken, dass nahezu jedes Organ im Körper geschädigt wird. Vor den gesundheitsgefährdenden Auswirkungen warnt besonders das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und verweist auf eine Vielzahl toxologischer und klinischer Studien. Auch für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Tabak zu den wichtigsten vermeidbaren Todesursachen. So schätzt die WHO, dass jährlich rund fünf Millionen Menschen weltweit durch aktives und passives Rauchen sterben. Die Organisation setzt sich für die Eindämmung des Tabakgebrauchs ein und betreibt vor allem Aufklärungsarbeit. Eine dieser Iniativen - in Zusammenarbeit mit dem DKFZ - ist das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle, das fundierte Informationen zum Thema Tabakkonsum und Passivrauchen bietet. In Österreich kümmert sich die Initiative "Ärzte gegen Raucherschäden" um die Aufklärung der Bevölkerung.
Mitgehangen – mitgefangen
Unter Passivrauchen (engl. second-hand smoking) versteht man das Einatmen von Tabakrauch aus der Raumluft. Der blaue Dunst gilt mit seinen krebserregenden Substanzen (Kanzerogene) als der bedeutendste und gefährlichste vermeidbare Innenraumschadstoff. Daher gibt es keine Grenze, unterhalb derer Passivrauchen unbedenklich wäre. Passivrauch besteht zu 20 Prozent aus dem Hauptstromrauch, der vom Raucher eingezogen und wieder ausgeatmet wird, und zu 80 Prozent aus dem Nebenstromrauch der glühenden Zigarette. Letzterer ist deshalb so gefährlich, weil er die gleichen Schadstoffe wie der Hauptstromrauch enthält, aber in hundertfacher Konzentration. Laut Statistik Austria rauchten im Jahr 2006 in Österreich ca. 27 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen täglich. Rund 11.000 Personen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens und mehr als 1.000 durch Passivrauchen.
Kurzfristige bis dauerhafte Schäden
Schon kurzes Passivrauchen reizt die Atemwege, Augen und Schleimhäute. Wer regelmäßig Tabakrauch ausgesetzt ist, weil er mit einem Raucher zusammenlebt oder bei der Arbeit mitraucht, läuft Gefahr, die gleichen akuten und chronischen Erkrankungen wie Aktivraucher zu erleiden – wenn auch in geringerem Ausmaß und geringerer Häufigkeit. Besonders betroffen sind die Atemwege (z.B. Asthma, Bronchitis, COPD) und das Herz-Kreislaufsystem (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose)
Weiters kann Rauchen mit einer Reihe von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden, da bereits geringe Mengen krebserregender Stoffe die DNA schädigen. Es entsteht zwar nicht sofort ein Tumor, aber die Schäden sind irreversibel – das geschädigte Erbgut der Zellen wird kopiert – und werden bei wiederholter Einwirkung aufaddiert. So warnt die Österreichische Krebshilfe Passivraucher vor einem um 20 bis 30 Prozent erhöhten Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.
Die individuellen gesundheitlichen Auswirkungen sind abhängig von der Zahl der gerauchten Zigaretten, der Beschaffenheit des Raumes (Größe, Temperatur, Belüftung), der räumlichen Distanz zum Rauchenden und der Aufenthaltsdauer. Eine weitere Rolle spielt die persönliche Konstitution des Passivrauchenden.
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