Pubertät

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 18.05.2009

Entfaltung der Persönlichkeit

Seit Jahrhunderten beklagen sich Eltern darüber, dass ihre Kinder immer respektloser und mühsamer werden. Schon Sokrates wird ein Zitat in den Mund gelegt, das in diese Richtung zielt: "Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer." Sokrates lebte 400 Jahre vor Christi Geburt. Manche Dinge ändern sich also nie.

Der Eindruck, dass besonders die heutige Jugend verdorben sei, lässt sich darauf zurückführen, dass sich die Welt immer schneller verändert. Die Jugendlichen sind nicht von Umwelteinflüssen loszulösen. Da sich die Erwachsenen heute allgemein anders verhalten, werden auch andere Akzente aufgegriffen. "Die heutige Jugend nimmt an, was die heutigen Erwachsenen ihnen bieten", meint Diplomsozialarbeiterin Bettina Weidinger. Das war immer schon so, nur war das Tempo bei gesellschaftlichen Veränderungen früher vielleicht langsamer.

Grenzüberschreitungen

In der Pubertät begreifen sich die Jugendlichen oft selbst nicht mehr. Grenzüberschreitungen sind dann scheinbar das einzige Mittel für einen Pubertierenden, um sich wieder spüren zu können. "Es ist eine Überforderung auf beiden Seiten zu beobachten", sagt Weidinger. Für die Eltern bedeutet es, dass sie trotz Konflikten und Entfremdung, die Kommunikation nicht abreißen lassen. Auch wenn es frustrierend sein kann, dass sich der Nachwuchs scheinbar nichts merken kann, immer widerspricht und die Auseinandersetzung sucht. Für Pubertierende ist es besonders die Machtasymmetrie, die sie in Aufregung versetzt und Autoritäten hinterfragen lässt. Was Erwachsene, die als uncool und peinlich eingestuft werden, sagen, zählt nicht mehr. Die Jugendlichen orientieren sich lieber an Gleichaltrigen. Weidinger hat aber beobachtet, dass den Jugendlichen oft nicht klar ist, was das Erwachsensein wirklich bedeute: "nämlich selbst Verantwortung zu tragen".

Respekt

Ein pubertierender Jugendlicher hat es nicht leicht. Er fühlt sich bereits als Erwachsener, will auch als solcher behandelt werden, aber die Eltern schalten auf stur. Obwohl schon kleine Kinder als Erwachsene im Miniformat behandelt würden, meint Weidinger, werde Jugendlichen die Anerkennung verwehrt. Weidinger bringt diesen Widerspruch auf den Punkt: "Kindern wird vermittelt, dass sie groß sind. Werden sie groß, vermitteln ihnen die Erwachsenen, dass sie klein sind." Für die Eltern ist man lange noch zu jung, um ernst genommen zu werden. Wenn man aber in die Vergangenheit zurückgeht, zeigt sich, dass das Heiratsalter schon einmal bei 14 Jahren lag. Heute wird ein Zwanzigjähriger mitunter noch als Kind eingestuft.

Für die Eltern hat Weidinger einen ganz wichtigen Rat für den Umgang mit Pubertierenden: "Sie brauchen Respekt, einen ruhigen Umgang und die Gewissheit, dass man sie liebt." Das bedeutet vor allem, dass Eltern keine Laisser-faire-Politik betreiben sollten. Den Kindern solle man ständige Rückmeldung und damit Sicherheit geben, meint Weidinger. Das bedeute gleichzeitig, dass Eltern die Fehler ihrer Sprösslinge akzeptieren lernen. Weidinger gibt zu, dass sich die Eltern in keiner einfachen Position befinden würden und unter Umständen viel aushalten müssten. Wenn das sogar Lehrkräften mit pädagogischer Ausbildung nicht gelingt, zeigt sich, wie schmal dieser Grat ist.


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