Pubertät

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 18.05.2009

Erwachsenwerden ist nicht leicht

Die Pubertät ist jene Zeit, in der aus einem Kind ein Erwachsener wird. Für die Jugendlichen kommt sie einer Fahrt mit der Achterbahn gleich. Dabei sind es nicht nur die Hormone, die sie aus dem Gleichgewicht bringen. Die Pubertät ist ein komplexer Umbauprozess, der den Körper und in besonderem Ausmaß das Gehirn betrifft.

Für Jugendliche ist die Pubertät eine Zeit der großen Umwälzungen. Aber nicht nur für sie. Die Eltern stehen vor der Herausforderung, den Draht zum Kind nicht zu verlieren. Für alle kann es ganz schön kompliziert werden. "Die Jugendzeit ist eine sehr intensive Entwicklungsphase", weiß auch die Diplomsozialarbeiterin Bettina Weidinger aus ihrer beruflichen Erfahrung. Sie ist am Institut für Sexualpädagogik tätig und berät Jugendliche wie Eltern.

Dass das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen während der Pubertät gespannt ist, ist kein Geheimnis. Ein großes Problem sieht Weidinger darin, dass viele Erwachsene zu wissen meinen, was in einem Pubertierenden vorgehe. Aber genau das Gegenteil sei der Fall, meint Weidinger. Die Erinnerung an die eigene Pubertät sei von den heutigen Erfahrungen überlagert und eine Rekonstruktion kaum möglich. Welche körperlichen Veränderungen sind das genau, die die Pubertät so schwierig machen, und warum rebellieren die Jugendlichen in diesem Ausmaß gegen Eltern und Umwelt?

Vom Kind zum Erwachsenen

Bei Mädchen beginnt der Reifungsprozess zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr, bei Burschen zwischen dem zehnten und 13. Geburtstag. Die größte Herausforderung während der Pubertät ist, dass sich körperliche und geistige Entwicklung überschneiden. Als ob eines allein nicht schon genug wäre. Die typische körperliche Entwicklung wird von den Geschlechtshormonen gesteuert. In den Eierstöcken wird Östrogen, in den Hoden Testosteron produziert. Besonders aktiv bei der Hormonproduktion ist die Nebennierenrinde. Das führt zu deutlichen Veränderungen an den Sexualorganen, lässt aber auch die Pickel sprießen. Bei den Mädchen entwickeln sich die Brüste, die Hüften werden breiter, Schamlippen und Schambehaarung wachsen. Die erste Regel (Menarche) setzt ein, wenn der Körper in der theoretischen Lage ist, eine Schwangerschaft zu bewältigen. Heute ist das mit zwölf oder 13 Jahren der Fall – vor 150 Jahren waren es zirka 17 Jahre. Erklären lässt sich das mit den Lebensbedingungen, die heute in Hinblick auf ausgewogene Ernährung um vieles besser sind.

Im Unterschied zu den Burschen, auch wenn ein Vergleich wegen der geschlechtstypisch unterschiedlichen Entwicklung keinen Sinn macht, haben die Mädchen einen körperlichen Entwicklungsvorsprung von etwa zwei Jahren. Ihre männlichen Pendants machen erst mit zwölf Jahren einen großen Wachstumsschub durch. Ihre Verwandlung zeigt sich in breiteren Schultern, die Körperbehaarung nimmt zu, die Stimme wird tiefer und Hoden sowie Penis wachsen. Im Schnitt kommt es mit 14 oder 15 Jahren zum ersten Samenerguss (Spermache).

Nachtaktive Teenager

Nicht nur die Sexualhormone beeinflussen die Teenager. Da das schlaffördernde Hormon Melatonin bei ihnen in geringerer Konzentration als bei Kindern und Erwachsenen vorhanden ist bzw. ein bis zwei Stunden später ausgeschüttet wird, bleiben sie gerne länger auf. Das heißt aber auch, dass den nachtaktiven Heranwachsenden der Schlaf am nächsten Tag fehlt. Beim Frühstück muss man sich also auf ein übel gelauntes Kind einstellen. Konzentrationsstörungen und länger andauernde Stimmungstiefs können sich mitunter auf die schulischen Erfolge auswirken.


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