Pubertät

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 18.05.2009

Gehirn als Baustelle

Auch wenn der Körper eines Teenagers ausgewachsen und geschlechtsreif ist, sind die Jugendlichen noch keine Erwachsenen. Ihnen fehlt die emotionale und soziale Reife, weil sich ihr Gehirn noch voll im Umbau befindet. Es sind demnach nicht nur die Geschlechtshormone, die das Verhalten beeinflussen, sondern die massiven Veränderungen im "Oberstübchen".

Mehr graue Substanz

Der genaue Ablauf des Gehirnumbaus ist genetisch festgelegt. Wächst die Gehirnrinde bei Kindern kurz vor Beginn der Pubertät noch besonders intensiv, wird sie während der Pubertät zurechtgestutzt. Man nennt diesen Vorgang "Pruning". Das heißt, dass sich die Anzahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen verändert. Es entsteht ein großes Netzwerk von Neuronen (graue Substanz), das der Verarbeitung und Speicherung von Informationen dient. Gehirnfunktionen, die hingegen nicht benötigt werden, gehen verloren. Dadurch prägen sich bestimmte Verhaltensweisen ein, die Persönlichkeit und das Urteilsvermögen bilden sich aus. Die Jugendlichen lernen, abstrakt zu denken und ihre Impulse besser zu kontrollieren. Diese Umbauarbeiten dauern bei manchen Jugendlichen bis zum 20. Lebensjahr an.

Problematische Selbstwahrnehmung

Während der Pubertät fühlen sich viele Jugendliche in ihrer Haut nicht wohl. Ihre Selbstwahrnehmung spielt ihnen einen Streich. Mädchen sind besonders empfindlich, was ihr Äußeres betrifft. Aber auch Burschen wünschen sich einen wohlgeformten Körper und sind verschnupft, wenn die Eltern zu sehr über Frisur und Kleidung lästern. Diese emotionale Verwundbarkeit kann in Verbindung mit Unverständnis seitens der Erwachsenen dazu führen, dass massive Störungen wie Magersucht, Bulimie, Depressionen oder Selbstverletzungen auftreten.

Diplomsozialarbeiterin Bettina Weidinger sieht eine Ursache für die gestörte Selbstwahrnehmung in der Tatsache, dass Kindern nicht gelehrt werde, wie sie ihren Körper wahrnehmen und Emotionen richtig verarbeiten können. Auch streicht sie die besondere Rolle von Sport für den Umgang mit dem eigenen Körper heraus. Statt diesen Zugang zu fördern, werde der Turnunterricht an den Schulen immer mehr zurückgedrängt. Sie wünsche sich daher, dass diese emotionalen Fähigkeiten bei Kindern schon in der Volksschule gefördert würden. Sie sollen lernen: "Mein Körper ist etwas Wertvolles."

Sexualität erwacht

Eines der Hauptthemen während der Pubertät ist die erwachende Sexualität. Jugendliche informieren sich über Fernsehen und Internet über das "erste Mal". Die Aufregung und die Erwartungen könnten kaum größer sein. Da ihre Informationsquellen aber oft Stereotype vermitteln, sieht die Realität meist anders aus. Daher ist es umso wichtiger, dass es Anlaufstellen für Jugendliche gibt, von denen sie sich die gewünschten Informationen holen können. Die Themen, für die sich Jugendliche brennend interessieren reichen von Regelschmerzen über Verhütung bis Schwangerschaftsabbruch.

Ebenso wichtig ist es, Heranwachsende auf die Körperveränderungen vorzubereiten, die sie in der Pubertät durchmachen. Mädchen sind emotional oft nicht auf das Einsetzen der Menstruation vorbereitet. Ganz normale Phänomene wie schmerzende Brüste, Weißfluss oder unangenehmer Schweißgeruch könnten zu großer Verunsicherung führen, erklärt Weidinger. Eltern sollten diese Themen daher bewusst ansprechen.


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