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Wer hat Angst vor Plastik?

Bisphenol A imitiert Hormone

Neue Untersuchungen

Synthetisch hergestellte Stoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Manche Inhaltsstoffe von Plastik werden aber als problematisch eingestuft. Und so wird seit Jahren darüber gestritten, welche Auswirkungen diese Chemikalien auf unsere Gesundheit haben. Im Blickpunkt steht besonders der Stoff Bisphenol A. Auch Phthalate, die als Weichmacher für Kunststoff dienen, gelten als bedenklich.

Bis vor einiger Zeit hieß es: Auch wenn Plastikprodukte Chemikalien abgeben, ist die Dosis für den menschlichen Organismus zu gering, um schädlich zu sein. Die Forschung hat inzwischen große Fortschritte gemacht und kann Stoffe in niedrigster Konzentration nachweisen. In diese Kategorie fällt die Chemikalie Bisphenol A (BPA), die seit rund zehn Jahren besondere wissenschaftliche und mediale Aufmerksamkeit genießt. Zwischen Kritikern und Befürwortern von BPA herrscht eine Kontroverse über die Gefährlichkeit der Substanz, die von Plastikprodukten unter gewissen Umständen abgegeben wird und über die Nahrung oder die Atmung (Hausstaub) in den menschlichen Organismus gelangt.

Große Verunsicherung

Obwohl sie mittlerweile zu den bestuntersuchten Chemikalien gehört, lassen die Forschungsergebnisse keine eindeutigen Schlüsse zu – sind sogar widersprüchlich. Besonders bei (zukünftigen) Eltern hat dies zu großer Verunsicherung geführt, da BPA schwerwiegende Wirkungen bei Föten und Neugeborenen haben könnte. Als ähnlich "zwielichtig" gelten so genannte Phthalate, die in vielen Kunststoffprodukten als Weichmacher fungieren. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und das Erbgut zu schädigen. Wer Kinder keinen Weichmachern aussetzen möchte, verzichtet lieber auf billiges Spielzeug und setzt auf Gütezeichen.

Was ist Bisphenol A?

Bisphenol A (BPA) wurde 1891 erfunden und wird seit den 1940ern als Ausgangssubstanz für Polycarbonate und Kunststoffbeschichtungen (Expoxidharze) verwendet. Weltweit werden jährlich mehr als drei Millionen Tonnen produziert – Tendenz steigend. Die Chemikalie findet sich in unzähligen Alltagsgegenständen wie Flaschen, Plastikgeschirr, Milchpackungen, Konservendosen oder Thermoskannen – auch in Babyflaschen und Schnullern aus Kunststoff. Plastik aus BPA lässt sich manchmal an der Bezeichnung PC oder 7 im Code erkennen.