Einzelsitzung der Grinberg-Methode

Selbstheilung mit dem Körper

Sich durch den Körper selbst spüren

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Wer immer wieder dasselbe tut, schränkt sich selbst ein – womöglich ohne es zu merken. Doch eingefahrene Routinen können zu körperlichen Symptomen, wie Verdauungsbeschwerden, Rücken- oder Kopfschmerzen führen, aber auch zu Frustration. Wie können wir das verändern? Mit der Grinberg-Methode kann man lernen, wieder auf den eigenen Körper zu hören und ihn als Instrument zur Selbstheilung zu nutzen.

Meine Füße verraten mich. "Sie sind sehr gutmütig?", fragt mich Inge Scheid, als sie meine Füße berührt. Ja, das kann gut sein. Während sie meine Zehen und den Fußballen untersucht, stellt sie mir weitere Fragen. Zum Beispiel, wie ich denn auf Druck von außen reagiere. Gute Frage. Während ich vor der Grinberg-Praktikerin und -Lehrerin sitze, fällt ihr Blick auch auf meinen Bauch. Die Sprache kommt auf die Verdauung und auf Probleme mit Nahrungsmitteln. Stimmt, eine Menge Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten machen mir zu schaffen.

Die Fußdiagnose nach Grinberg

"Ich schaue mir die Füße an, um zu sehen, wo ein Ungleichgewicht bei einem Menschen vorhanden ist", berichtet Inge Scheid von ihrer täglichen Arbeit mit Menschen. Dabei achtet sie auf die Beschaffenheit der Fußsohlen, die Beweglichkeit der Gelenke, den Geruch und die Temperatur der Füße. "Körperliche Symptome, wie chronische Krankheiten, Angstzustände, Nervosität oder Migräne, stehen in Zusammenhang mit dem Alltag. Wir zeigen dem Menschen, wie er diese Symptome kreiert. Dann können wir ihm beibringen, es nicht mehr zu tun. Die Fußanalyse ist wie ein Erstgespräch. Welches Thema steht in Zusammenhang mit dem Symptom, das er kreiert?"

Heilung ist immer Selbstheilung

Die Grinberg-Methode wurde in den 70er-Jahren von Avi Grinberg entwickelt, einem Israeli, der als Krankenpfleger in Heeresspitälern mit Kriegsverletzungen zu tun hatte. Irgendwann merkte er, dass nicht er heilt, sondern jeder nur sich selbst heilen kann und entwickelte seine eigene Methode.

Bei schweren Erkrankungen ist im Vorfeld immer eine ärztliche Diagnose notwendig. "Wir können nicht heilen, sondern wir sagen dem Menschen, was er tun soll, um sich besser zu spüren. Es ist eine Schulung der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit. Die Werkzeuge dafür sind Berührungen, verbale Anweisungen und Atmung", erklärt Inge Scheid, die als Leiterin der ersten österreichischen Grinberg-Schule auch neue Grinberg-PraktikerInnen ausbildet.

Schmerz als Zugang zum Menschen

Schmerz spielt eine wichtige Rolle bei der Grinberg-Methode. "Schmerz ist etwas, das jeder hat, aber keiner will", so die Grinberg-Lehrerin. Er hat aber eine wichtige Funktion. "Er sagt uns: etwas stimmt da nicht, wach auf! Wenn einem etwas weh tut, ist der Mensch voll da", sagt Inge Scheid. Ebenso verhält es sich mit der Angst. "Die meisten Menschen haben sich chronische Muster angeeignet, weil sie die Angst oder den chronischen Schmerz nicht spüren wollen." Doch ohne Angst und Schmerz sind wir wie tot. "Wir bringen den Menschen bei, Angst zu erlauben und sie zu nutzen."