Handystrahlung

Sind Mobiltelefone schädlich?

Derzeitiger Wissensstand

Tipps für Umgang mit Handys

Die WHO stufte Handystrahlung vor kurzem als "möglicherweise krebserregend" ein. Dass Handys definitiv gefährlich sind, ist damit zwar nicht bewiesen. Der Europarat zieht aber Vergleiche zu Asbest und Tabak und rät zur Vorsorge - vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

In Österreich gibt es bereits mehr Mobiltelefone als Menschen. Weil viele Menschen bereits Zweit- und Dritthandys besitzen, ist die Durchdringungsrate über 100 Prozent. Dabei steigt gerade die Zahl jugendlicher Mobiltelefonierer stetig weiter an. Gleichzeitig gibt es immer wieder Diskussionen über die gesundheitlichen Auswirkungen der Handystrahlung. Vor allem die Frage, ob Kinder und Jugendliche besonders geschützt werden müssen, wird immer häufiger gestellt. Der Europarat hat die europäischen Regierungen kürzlich aufgefordert, Kinder und Jugendliche besser vor elektromagnetischer Strahlung zu schützen. Der Gebrauch von Handys an Schulen soll eingeschränkt werden, zudem sollen statt WLAN-Netzwerken Internet-Kabelverbindungen eingesetzt werden.

WHO: "möglicherweise krebserregend"

Die internationale Krebsforschungsagentur IARC der WHO stufte Mobilfunk vor kurzem als "möglicherweise krebserregend" ein. So zeigte eine Studie, dass Menschen, die Mobiltelefone intensiv nutzen (durchschnittlich täglich 30 Minuten über zehn Jahre), ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko haben, an einem Gliom (einer sehr seltenen Art von Gehirntumor) zu erkranken. Es könne ein Risiko geben, sagte Dr. Jonathan Samet von der Universität Südkalifornien, Vorsitzender der Arbeitsgruppe, daher müsse man die Verbindung zwischen Mobiltelefongebrauch und Krebsrisiko genau beobachten. Langzeit-Studien sind notwendig, darüber sind sich Experten einig. Bis das tatsächliche Risiko endgültig geklärt ist, machen Vorsorgemaßnahmen Sinn.

Auch der Europarat rät gerade in Hinblick auf die zunehmende Exposition der Bevölkerung zur Vorsorge. Denn ein Warten auf klinische Beweise könne zu sehr hohen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten führen, wie es etwa bei Asbest oder Tabak der Fall gewesen war, liest man im Bericht des Europarats von Jean Huss (Englisch, deutsche Übersetzung von Diagnose Funk). Eine wachsende Anzahl wissenschaftlicher Studien von hervorragenden akademischen Forschern zeige aber die Existenz potenziell oder definitiv pathologischer Effekte von elektromagnetischen Feldern.

Handys: gefährlich oder nicht?

Bis heute ist also nicht definitiv geklärt, ob Handys nun gefählich sind oder nicht. Europarat-Berichterstatter Jean Huss spricht einige Gründe dafür in seinem Bericht an. So gebe es Hinweise auf Interessenskonflikte, welche die echte Unabhängigkeit und Objektivität wissenschaftlicher Forschungen auf diesem Gebiet untergraben würden. Schweizer Forscher haben beispielsweise Forschungsergebnisse analysiert, die sich mit den möglichen Gesundheitsgefahren von Mobilfunkfrequenzen beschäftigt haben. Es zeigte sich, dass die Forschungsergebnisse in diesem Bereich stark davon beeinträchtigt wurden, ob die Finanzierung von privaten oder öffentlichen Stellen kam. 33 Prozent der Studien, die von Industrieunternehmen finanziert wurden, bestätigten, dass die Strahlungsaufnahmen einen Einfluss auf den Organismus haben. Bei Studien, die aus öffentlichen Geldmitteln finanziert wurden, waren es 80 Prozent.