Bub beim Nägelbeißen

Nägelbeißen - was tun?

Nägelkauen bei Erwachsenen

Der Blick auf die Hände verrät jeden Nägelbeißer: abgekaute Fingernägel, eingerissene Nagelbetten und rötlich verfärbte Fingerkuppen. Zwar kauen Kinder häufiger an ihren Nägeln, doch auch Erwachsene können manchmal nicht mit dieser Angewohnheit aufhören. Wir verraten Ihnen, was dahinter steckt und was man dagegen tun kann.

Schätzungen zufolge tun es ca. 10 bis 30 Prozent der Menschen: Nägelkauen. An den Nägeln zu knabbern kann eine ganz harmlose Sache sein. Eine neue Umgebung oder eine veränderte Situation kann jeden leicht aus dem Tritt bringen. Der eine wippt dann vielleicht mit dem Fuß, der zweite zündet sich eine Zigarette an, der dritte nimmt die Finger in den Mund. Hält das Nägelbeißen länger an oder ist es sehr exzessiv ausgeprägt, macht es Sinn, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Nägelkauen bei Kindern

Nägelbeißen tritt häufig erstmals im Kindesalter auf. Die erste Schulwoche kann eine typische große Herausforderung sein. Neue Kinder kennenlernen, den ganzen Tag still sitzen und zuhören, das kann schon mal nervös machen. Um Spannung abzubauen, kauen manche Kinder an ihren Nägeln. Eine an sich harmlose Reaktion auf ungewohnte Belastungen, die sich häufig wieder legt, wenn sich die Betroffenen an die neue Situation gewöhnt haben.

"Wenn das Kind aber so intensiv an den Nägeln beißt, dass die Fingerkuppen blutig werden oder das Kind dabei ist, sein Nagelbett zu zerstören, kann es Ausdruck einer zugrundeliegenden Stressbelastung oder Nervosität sein", meint der Kinderarzt Dr. Peter Voitl. Er rät den Eltern, mit den Kindern über eventuelle schulische Probleme zu reden und zu versuchen herauszufinden, wo die Ursachen für den Stress liegen. In der Kinderpsychiatrie gilt Nägelbeißen als Ausdruck von inneren Spannungen. Erst wenn die Eltern herausfinden, was dahinter steckt, werden sie das Symptom in den Griff bekommen.

Ursache Stress

Es kann viele Ursachen für die psychische Belastung geben: schulische Überforderung, Probleme in der Familie, aufgestaute Aggressionen oder traumatische Erlebnisse. Nägelbeißen ist dann nur ein Symptom am Ende der Kette. Es macht daher auch aus der Sicht des Mediziners keinen Sinn, lediglich das Symptom zu bekämpfen und den Kindern etwa eine übel schmeckende Tinktur auf die Nägel zu streichen: "Der Erfolg dieser Maßnahme ist meistens sehr gering", weiß Voitl. "Eher wird das Kind eine andere Technik finden, um sich zu beruhigen – wie zum Beispiel Nasenbohren." Auch Bestrafungen sind fehl am Platz und würden die Nervosität nur woanders hin verlagern.

Eine Gruppe, bei der diese Probleme häufig auftreten, sind linkshändige Kinder, die umgelernt werden. Viele sind der zwanghaften Umschulung nicht gewachsen. Zum Glück werden Linkshänder heute kaum noch "bekehrt". Wenn die Eltern den Ursachen des Nägelbeißens nicht selbst auf die Schliche kommen, kann psychologische Betreuung sinnvoll sein. Manchmal können Entspannungsübungen helfen. Ärztlicher Rat ist unbedingt notwendig, wenn mehrere Symptome zugleich auftreten. Wenn etwa zum Nägelbeißen noch andere Verhaltensauffälligkeiten wie Haarereißen oder Bettnässen hinzukommen.

Tipps:

  • Nehmen Sie das Nägelbeißen Ernst, wenn es sehr stark ausgeprägt ist und sich das Kind dabei verletzt.
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind und versuchen Sie herauszufinden, wo die Probleme liegen.
  • Schimpfen Sie nicht und bestrafen Sie Ihr Kind nicht.
  • Bepinseln Sie die Nägel nicht mit schlecht schmeckenden Tinkturen.
  • Loben Sie Ihr Kind bei der kleinsten Besserung.