Kuschelparty

Kuscheln gegen den Alltagsstress

Kuscheln mit Regeln

Jetzt wird's kuschlig! Der Trend zum Knuddeln mit Fremden, auch "Cuddeling Party" genannt, setzt sich auch bei uns immer mehr durch. Gemeinsames Kuscheln ermöglicht den Partyteilnehmern, das menschliche Grundbedürfnis nach Körperkontakt in einem geschützten Umfeld zu stillen. Die Berührungen sollen innerer Vereinsamung und sozialer Isolation entgegenwirken.

Egal ob Mann oder Frau, Student oder Doktor, Koch oder Versicherungsangestellter: Kuscheln tut jedem gut. Schon 20 Minuten Kuscheln am Tag sollen sowohl das Wohlbefinden als auch die Gesundheit wesentlich fördern. Aber nicht jeder hat im Alltag seinen Kuschelpartner parat: Wer alleine lebt, leidet oft an Berührungslosigkeit. Ein Mangel an Körperkontakt lässt den Menschen vereinsamen. Um dem entgegenzuwirken, hat Erwachsenentrainerin und Seminarleiterin Andrea Kiss in Wien die Kuschelpartys ins Leben gerufen. Für 18 Euro pro Abend kommen die Teilnehmer zu ihren Kuschelseminaren und haben die Gelegenheit, sich drei Stunden lang mit ihrem eigenen Körper, Nähebedürfnis und auch ihren eigenen Grenzen zu beschäftigen. Ein Konzept, das aufgeht: Die Partys kommen gut an, die Teilnehmerzahl nimmt zu.

Die Idee

Woher kommt aber der Wunsch nach Kuscheln mit Fremden? Frau Kiss erklärt sich das Phänomen mit der zunehmenden Vereinsamung des Einzelnen in der Single-Gesellschaft: "Über 50% der Haushalte in Wien sind Single-Haushalte. Wenn man die Weltbevölkerung betrachtet, leben mehr Menschen in den Städten als auf dem Land. Gerade in der Stadt passiert es deshalb schnell, dass man sozial isoliert ist und sein Kuschelpensum nicht mehr auftanken kann. Jeder Mensch sehnt sich nach mütterlicher, liebevoller Berührung. Bei uns ist die Berührung aber oftmals sexualisiert." Zudem sei der "absichtslose" Körperkontakt in unserer Gesellschaft durch Rituale und Regeln streng vorgegeben. In südlichen Gegenden Europas ginge man beispielsweise viel freizügiger mit Umarmungen und körperlichen Berührungen um, so Kiss.

Lebensqualität

Durch die regelmäßigen Kuschelpartys sollen die Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, im geschützten Raum positive Nah-Erfahrungen zu machen, aber auch lernen, "Nein" sagen zu können. Die Organisatorin der Kuschelparties ist der Überzeugung, dass die Lebensqualität der Teilnehmer durch den liebevollen Kontakt in der Gruppe beträchtlich gesteigert wird: "Es wird generell zu wenig gekuschelt. Dabei haben freundschaftliche Umarmungen nachweislich eine heilende Wirkung. Durch schöne Umarmungserfahrungen entspannt sich der Körper und baut Stresshormone ab. Die Gesundheit wird dadurch gefördert, ebenso das subjektive Wohlbefinden."