Hände

Würdevolles Ableben

In Würde Gehen

Medizinische Möglichkeiten und Menschenwürde sind nicht immer deckungsgleich, speziell, wenn es ums Sterben geht. Eine Patientenverfügung stärkt Ihre Mitsprache. Was Sie über dieses todernste Thema wissen sollten.

"So möchte ich nicht leben", denken sich viele, wenn sie mit langjährigen Komapatienten konfrontiert sind, ob privat oder über die Medien. Immer wieder hört man auch von Mammutprozessen, bei denen es darum geht, dass ein auf Kindergewicht abgemagerter, seit Ewigkeiten bewusstloser Angehöriger sterben darf.

Was ist eine Patientenverfügung?

Schneller geht es mit einer Patientenverfügung (PV), auch Patiententestament genannt. Das Papier dient dazu, vorweg zu klären, welche medizinischen Maßnahmen zu treffen sind, sollten Sie im Fall einer an sich tödlichen Erkrankung Ihren freien Willen nicht mehr äußern können. Sei es, weil Sie nicht mehr kommunizieren können, sei es weil die nötigen geistigen Fähigkeiten nicht mehr da sind. Die Rede ist hier nicht etwa von einer Giftspritze oder einer tödlichen Dosis Morphium, dies ist in Österreich verboten. Im Falle des Komas könnte eine Patientenverfügung jedoch bedeuten, dass lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt werden.

Wann greift eine Patientenverfügung?

Beruhigend zu wissen: Die meisten sind zumindest bis ein paar Tage vor dem Tod bei vollem Bewusstsein. Bei immerhin jeder zehnten Person verhält es sich jedoch anders. Schicksale wie jenes des holländischen Prinzen Friso, der aufgrund einer Lawine seit Februar 2012 in Koma liegt oder des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, der bereits sieben Jahren Komapatient ist, sind gar nicht so selten. Neben einem Unfall kann etwa ein Schlaganfall oder ein Herzstillstand zu einem Koma führen. Bei Demenzkranken, etwa im Zuge einer Alzheimer-Krankheit, erlischt die Funktion des Gehirns im fortgeschrittenen Stadium fast völlig. Geistig schwer beeinträchtigt sind auch Parkinson-Patienten und viele Krebskranke im letzten Stadium. In all diesen Fällen kann eine Patientenverfügung greifen.

Tabuthema Tod

Seriösen Schätzungen des Instituts für Ethik und Recht zufolge haben bisher aber nur vier Prozent der Österreicher eine solche. Im Vergleich zu Deutschland ist das wenig. "Der Tod ist in Österreich noch immer ein großes Tabuthema", betont Gerald Bachinger, Leiter der Niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwaltschaft, einer Einrichtung, die auch bezüglich PV berät. Erleben Menschen allerdings mit, dass alte Verwandte und Bekannte "drei Monate mit Schläuchen auf der Intensivstation liegen und nicht sterben dürfen", steigt das Interesse laut Bachinger rasant. Auch Patienten mit Krankheiten, deren Verlauf absehbar ist, errichten verstärkt PV. Eine dritte Gruppe mit besonderem Interesse sind die Zeugen Jehovas, die aus religiösen Gründen keine Blutkonserven annehmen.