Distanz kann helfen, die Dinge klarer zu sehen und den Expartner allmählich loszulassen.

Wenn eine Beziehung zerbricht

Strategien zur Überwindung von Trennungskrisen und Liebeskummer

Entgegen den Horrormeldungen der vergangenen Jahre sank die Scheidungsrate laut Bericht der Statistik Austria 2012* im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 %. Eigentlich geben diese Daten Hoffnung. Und dann passiert es doch: Auf einmal steht man vor dem Scherbenhaufen einer zerbrochenen Beziehung und versucht verzweifelt, sich aus dem tiefen Loch, in dem man landet, wieder herauszuziehen. Guter Rat ist in dieser Situation teuer und Hilfe wertvoll.

Jeder von uns hat das Bedürfnis nach einem liebevollen unterstützenden Partner, immerwährender Liebe, Geborgenheit und Stabilität. So trifft es uns umso mehr, wenn eine Beziehung, ob Ehe oder Lebensgemeinschaft, in der man diese Eigenschaften verwirklicht glaubte, plötzlich zerbricht. Wir fühlen uns entmutigt, depressiv, sind gar wütend oder verletzt, kommen mit der Situation schwer zurecht und schlittern so in Teufelskreise von negativen Gedanken, Minderwertigkeitsgefühlen bis hin zu Existenzängsten. Zusätzlich zur psychischen Belastung leidet auch der Körper: Gefühle wie Trauer, Enttäuschung und Wut äußern sich durch gesundheitliche Probleme wie Schlafstörungen, Gewichts- und Appetitverlust, Magenbeschwerden oder Teilnahmslosigkeit.

Mut zur Veränderung!

Wer sich in einer solchen Situation befindet, hat oft das Gefühl, nie wieder aus ihr herauszukommen. Das Glück einer neuen Partnerschaft erscheint einem unendlich weit entfernt und  nicht greifbar. Dabei betonen Psychologen, dass eine Trennung nicht nur negative Folgen nach sich zieht, sondern in erster Linie als Anfang eines neuen Lebensabschnittes gesehen werden sollte. Auch wenn der Weg bis dahin beschwerlich erscheint, viel Geduld mit sich selbst und vor allem Zeit erfordert.

Die vier Phasen der Trennung

Psychotherapeutin und selbst Betroffene Dr. Doris Wolf beschreibt den Ablauf von Trennungen in vier Phasen. Diese Phasen macht jeder Mensch durch, nämlich sowohl derjenige, der den Wunsch zur Trennung ausspricht, als auch jener, der verlassen wurde:

  • Die Phase der Verleugnung: Man will die Trennung nicht wahrhaben, verfällt in eine Art Schock, idealisiert oder entschuldigt den Partner und beschwichtigt die Trennungsgründe. "Ich werde mich für sie/ihn ändern" oder "Gib mir noch einmal eine Chance" sind die Sätze, mit denen wir versuchen, verzweifelt den Partner noch an uns zu binden.
  • Die Phase aufbrechender Gefühle: Hat man die Situation erst einmal akzeptiert, brechen die Gefühle wie ein Wirbelsturm über einen herein. Hass, Wut, Enttäuschung, Desillusionierung, Verzweiflung, Selbstzweifel, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit wechseln sich stetig ab und wir glauben in diesem Chaos von Gefühlen zu versinken.
  • Die Phase der Neuorientierung: Allmählich lösen wir uns von dem Expartner und Wunden, die durch verletzte Gefühle entstanden sind, heilen ab. Das Leben geht weiter, wir trauen uns wieder auszugehen, neue Menschen kennen zu lernen, bauen ein neues Selbstwertgefühl auf und sind bereit, etwaige Fehler einzugestehen bzw. uns selbst sowie dem Expartner zu verzeihen.
  • Die Phase des neuen Lebenskonzepts: Im letzten Abschnitt ist die Verarbeitung der Ex-Partnerschaft zum Großteil abgeschlossen. Wir ziehen unsere Eindrücke und lernen aus vergangenen Fehlern, sodass wir unsere Wünsche für einen zukünftigen Partner neu definieren können und uns bereit fühlen eine neue Beziehung einzugehen.