Warum Pflanzen glücklich machen.

Gartentherapie: Heilung durch Gartenarbeit

Gartentherapie: Kliniken und Anwendungsgebiete

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Einer der bemerkenswertesten Blindengärten in Deutschland ist an die Villa Storchennest angeschlossen, einer Begegnungsstätte für taubblinde und mehrfachbehinderte blinde Menschen in Radeberg bei Dresden. Duftpfade mit Römischer Kamille, Duftlauben mit Geißblatt und Blauregen, Berührungsdufter und viele andere Pflanzen eröffnen über ihren Geruch und ihre taktilen Reize einen Zugang zu Menschen, die sich aufgrund ihrer Mehrfachbehinderung oft in extremer Isolation befinden. Sensorische Impulse helfen auch Wachkoma-Patienten, die oft durch jahrelanges Liegen in der reizarmen Umgebung eines Krankenzimmers viele ihrer Fähigkeiten abbauen. Deshalb wurde in der Rehabilitations- und Pflegeeinrichtung Friedehorst in Bremen ein Therapiegarten eingerichtet, der bei der Remobilisierung von Wachkoma-Patienten helfen soll.

Gartentherapie in Österreich

Auch in Österreich gibt es bereits eine Reihe von Therapiegärten, die an soziale Einrichtungen, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime angeschlossen sind. Das Geriatriezentrum Am Wienerwald war eine der ersten Einrichtungen in Europa, die Gartentherapie unter der Leitung von Dr. Fritz Neuhauser professionell angewandt und den Erfolg evaluiert haben.

Anwendungsgebiete der Garten-Therapie

Im Rahmen der Gartentherapie werden nicht nur Lebensfreude, Selbstwertgefühl und Kreativität gefördert, sondern auch Mobilität, Geschicklichkeit und mentale Funktionen der Patienten erhalten und verbessert. "Die Gartentherapie umfasst den zielgerichteten Einsatz der Natur zur Steigerung des psychischen und physischen Wohlbefindens des Menschen", lautet die Definition der Internationalen Gesellschaft für Gartentherapie. Aber wobei oder wogegen die Gartentherapie hilft, ist nicht so leicht zu umfassen, so vielfältig sind die Anwendungsgebiete.

Gartentherapie bei Demenz: Brückenschlag zur Vergangenheit

Die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und die vielfältigen gärtnerischen Tätigkeiten wie Graben, Rechen, Unkraut jäten, Aussäen und Pflänzchen pikieren sind bei der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten ebenso heilsam wie für Unfall-Patienten oder stark Übergewichtige. Motorische Fähigkeiten und Koordination werden verbessert, das Herzkreislauf-System gestärkt. Patienten mit Demenz oder Alzheimer machen beim Gärtnern oft erstaunliche Fortschritte und erlangen längst verloren geglaubte Fertigkeiten und mentale Fähigkeiten zurück. Die Pflanzen, so scheint es, können eine Brücke zur Vergangenheit der Patienten legen. 

Gartentherapie heilt die Psyche

Alten und in zunehmendem Maße auch Menschen mit gesellschaftlichen oder sozial bedingten Krankheitsbildern wie Traumatisierungen, Depressionen, Burn-out sowie Suchterkrankungen hilft die Beschäftigung mit Pflanzen, Zeitabläufe wieder bewusst wahrzunehmen und auf diese Weise ihren Alltag zu strukturieren. Kinder mit Entwicklungsstörungen, Hyperaktivität (ADS, ADHS) oder Lernschwächen kommen im Rahmen einer Gartentherapie zur Ruhe, lernen sich zu konzentrieren, begonnene Tätigkeiten zu Ende zu führen und Verantwortung zu übernehmen.

Weniger Medikamente, mehr Zufriedenheit des Pflegepersonals

Ein wichtiger Punkt ist schließlich, dass Gartentherapie nicht nur die Patienten in Kranken- und Pflegeheimen glücklicher macht. Sie hilft den Kranken- und Pflegeanstalten auch Kosten zu sparen, indem weniger Medikamente eingesetzt werden müssen und das Pflegepersonal motivierter ist. Die traditionell hohe Personalfluktuation im Pflegebereich kann erheblich gesenkt werden, berichten Einrichtungen, welche die Gartentherapie anwenden. Auch Angehörige der Patienten schätzen den Garten als Ort der Begegnung. Bleibt zu hoffen, dass die derzeit noch raren Krankenhäuser und Pflegestätten, in denen Garten-Therapie angeboten werden, rasch Schule machen werden.