Schlaganfall

Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger

Aktualisiert am: 10.10.2011

Schlaganfall: Keine Minute zögern

Der Schlaganfall zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen neben Herzerkrankungen und Krebs. Er ist auch der häufigste Grund für eine schwere Behinderung im Erwachsenenalter. Sein Hauptkennzeichen ist eine "schlagartige" Durchblutungsstörung des Gehirns. Selten kommt ein Schlaganfall aber aus dem Nichts. Eine Reihe von Risikofaktoren begünstigen sein Auftreten, das mit schlimmen Folgen für die Patienten verbunden ist, wenn nicht schnellstmöglich gehandelt wird.

In Zusammenarbeit mit Dr. Bernhard Voller, Facharzt für Neurologie

In den meisten Fällen sind Männer über 70 und Frauen über 75 Jahren betroffen. Ein Schlaganfall (manchmal auch Apoplex oder Insult genannt) ist aber keine reine Alterserscheinung. So kann er deutlich jüngere Personen und Kinder treffen. Von einem Schlaganfall geht enormes Schadenspotential aus, greift er doch die zentrale Steuerungszentrale für Bewegungsabläufe, Sprache und Erinnerung an. Je nach Ursache spricht man von einem "Hirninfarkt", wenn das Hirn nicht ausreichend durchblutet wird, oder von einer "Hirnblutung", wenn eine Blutung das Hirn schädigt. Die Folgen sind - je nach betroffenem Bereich und Schweregrad - halbseitige Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Sehstörungen. Meist betreffen die Beschwerden nur eine Körperhälfte.

Schlaganfall als Folge von blockierten Arterien

Ein Schlaganfall stellt eine plötzliche Mangeldurchblutung (Ischämie) einer Gehirnregion dar. Da das Gehirn konstant auf Sauerstoff und Zucker (Glukose) angewiesen ist, sterben Gehirnzellen ab, sobald die Versorgung nicht mehr sichergestellt ist. Wie stark sich ein Schlaganfall äußert, hängt von Umfang und Lage des betroffenen Gehirnbereichs sowie der Dauer der Unterversorgung ab. In den meisten Fällen wird diese von einer verengten oder verschlossenen Gehirnarterie ausgelöst. Dies wird als ischämischer Schlaganfall oder "Hirninfarkt" bezeichnet. Dabei werden Arterien, die mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Blut ins Hirn transportieren, durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) blockiert. Das Gerinnsel entsteht dabei direkt an der Gefäßwand und verengt oder verschließt dabei die Gehirnarterie. In diesem Fall wird das Gerinnsel Thrombus genannt. Reißt so ein Thrombus vom Gefäß ab, wird er so lange vom Blut weitertransportiert, bis er in einem kleineren Gefäß stecken bleibt. Ein abgerissener Thrombus wird als Embolus bezeichnet. Thromben können auch an der Wand im Herz oder in größeren Schlagadern entstehen und dann, wenn sie abreißen, als Emboli ins Hirn eingeschwemmt werden. Dieser Vorgang wird als Hirnembolie bezeichnet.

Risiko durch verkalkte Arterien

Eine der Hauptursachen für die Bildung eines Blutgerinnsels, das einen Schlaganfall auslösen kann, ist die "Arterienverkalkung" (Arteriosklerose oder auch Atherosklerose). Dabei lagern sich fettige Substanzen, Entzündungszellen und Kalk fleckförmig (Plaque) an den Arterieninnenwänden ab. Mehrere Plaques verhärten und verengen schleichend die zum Gehirn führenden Adern. Plaques können aufreißen und es bildet sich dann an dieser Stelle leicht ein Thrombus, der zur weiteren Verengung oder zum Verschluss der Arterie führt. Diesen Vorgang nennt man auch Atherothrombose. Besonders betroffen sind dabei die großen Arterien, wie die Körperschlagader, die zwei Halschlagadern (Carotiden) und ihre ins Gehirn führenden Äste.

Gehirnblutung als Ursache

Eine seltenere Variante des Schlaganfalls, die ungefähr 15 bis 20 Prozent der Fälle ausmacht, ist eine akute Gehirnblutung (Hämorraghie). Man spricht von hämorraghischem Schlaganfall, wenn eine Arterie im Gehirn platzt und Blut ins Gehirngewebe austritt. Der durch die Volumenszunahme entstehende Druck lässt die Nervenzellen im Gehirn absterben. Ursache ist meist Bluthochdruck, dem die durch Arteriosklerose geschädigten Gefäße nicht mehr standhalten können. Bei beiden Arten des Schlaganfalls sind die Folgen die gleichen: Der betroffene, dem Gefäß nachgeschaltene Bereich des Hirngewebes wird nicht mehr richtig durchblutet und die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen unterbrochen. Dadurch können die Gehirnzellen nicht mehr richtig arbeiten und sterben ab. Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprach- oder Verständnisprobleme sind die möglichen Folgen.

Mini-Schlaganfall als Vorbote

Bei einem "Schlagerl" oder "Mini-Schlaganfall", der in der Medizin oft noch als transitorische (=vorübergehende) ischämische Attacke (TIA) bezeichnet wird, handelt es sich ebenso um ein ernstzunehmendes Ereignis. Die Symptome zum Schlaganfall gleichen sich. Diese Attacken dauern meist nur wenige Minuten bis höchstens 24 Stunden. Der Verursacher ist oft ein Blutgerinnsel, das sich von selbst wieder auflöst. Obwohl die Durchblutungsstörung im Gehirn und neurologische Störungen nur für kurze Zeit bestehen, ist eine TIA ein Alarmzeichen. Ein "Schlagerl" erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, im Laufe der nächsten Wochen und Monate einen "richtigen" Schlaganfall zu erleiden. Eine TIA ist demnach wie ein Notfall zu behandeln und unbedingt ärztlich abzuklären, auch wenn die Beschwerden wieder verschwinden.


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