Sucht

Aktualisiert am: 30.05.2006

Genuss oder Missbrauch?

Genussvoller Umgang mit bewusstseinsverändernden Substanzen kann eine kulturell hochwertige Form der Verwendung von Rauschmitteln sein. Werden die Substanzen jedoch zur Ersatzbefriedigung von Defiziten eingesetzt, ist der Weg in den Missbrauch geebnet.

Genuss setzt voraus, dass Anforderungen, Probleme und Krisen mit einer individuellen Vielzahl an Fähigkeiten bewältigt werden können. Genuss dient der Freude, der Belohnung und der Steigerung des Wohlbefindens. Er ist nicht mit schwerer Berauschung und massiven Bewusstseinsveränderungen verknüpft.

Genuss wird nie einfach so nebenbei erzielt, beinhaltet immer ein Innehalten im Alltag - wenn auch nur kurz - und ist meistens durch gesellschaftliche Rituale geregelt. Das Erlernen eines gepflegten Umgangs mit Genussmitteln ist ein sehr wichtiger Bestandteil von Suchtvorbeugung. Gemeinsam ist allen Genussritualen, dass das Genussmittel nicht eingesetzt wird, um einen anderen Zweck zu erfüllen. Freude, Feiern und Genießen - allein, zu zweit oder in einer Gruppe - stehen im Mittelpunkt. Verbindliche Rituale wie das Warten, bis alle mit ihrem Glas bereit sind, der feierliche Trinkspruch, das Anstoßen, das schluckweise Genießen und das rechtzeitige Aufhören, bevor die starke Rauschwirkung des Alkohols einsetzt, sind zum Beispiel für genussvollen Umgang mit Alkohol kennzeichnend.

Wo beginnt der Missbrauch?

Werden Substanzen oder auch Tätigkeiten für bestimmte Zwecke eingesetzt, so kann damit bereits der Weg in den Missbrauch vorgezeichnet sein. Von Missbrauch spricht man, wenn eine Substanz eingesetzt wird, um innere Spannungen zu reduzieren, Aggressionen besser schlucken zu können, eigentliche Bedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit oder Zugehörigkeit zu vergessen, Hemmungen zu überwinden und das Gefühl, noch leistungsfähig und kreativ zu sein, vor sich selbst aufrecht erhalten zu können. Die Ursache eines Missbrauchs ist immer der Wunsch, ein erlebtes Defizit mit anderen sozialen und/oder psychologischen Mitten beheben zu können. Prävention setzt hier durch Stärkung der Persönlichkeit und Hilfe bei der Bewältigung schwieriger Situationen an.


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