Sucht

Aktualisiert am: 30.05.2006

Wie entsteht Sucht?

Einen suchtspezifischen Persönlichkeitstyp oder eine bestimmte Ursache für Sucht gibt es nicht. Vielmehr ist eine Reihe von Faktoren ausschlaggebend, wenn ein Mensch Suchtprobleme bekommt: die Lebenssituation, die soziale Gruppe, die Art und die Verfügbarkeit der Rauschmittel.

Lange Zeit hat man angenommen, dass es einen bestimmten Persönlichkeitstyp oder bestimmte psychische Störungen gibt, die für die Suchtentstehung verantwortlich sind. Die wissenschaftliche Forschung konnte jedoch belegen, dass es weder einen suchtspezifischen Persönlichkeitstyp gibt, noch eine typische "Suchtfamilie". Man hat herausgefunden, dass es nicht eine Ursache für süchtiges Verhalten gibt, sondern dass eine Vielzahl von Faktoren darüber entscheidet, ob jemand Suchtprobleme bekommen wird oder nicht.

Eine Rolle spielen:

- Der Suchtkranke selbst, seine aktuelle Lebenssituation:
Aktuelle Schwierigkeiten, Probleme oder Besonderheiten, seine bisherige Lebenserfahrung, besonders die der ersten Lebensjahre; sein Bild von sich und der Welt, das gerade in der Pubertät und in Krisen großen Schwankungen unterworfen ist. Wichtig ist dabei, ob ein Mensch die Erfahrung gemacht hat, dass sich Probleme mit Hilfe der Familie, mit Hilfe von Verwandten, Freunden oder professionellen Helfern lösen lassen oder ob alle unterstützen, ohne Veränderung zu erwarten. Tatsache ist, dass manche Menschen aus genetischen Gründen unterschiedlich auf Rauschmittel reagieren und verschieden schnell eine körperliche Abhängigkeit entwickeln. Diese Faktoren sind auf keinen Fall als unausweichliches Schicksal zu verstehen, sondern als eine besondere Gefährdung, die ernst genommen werden muss.

- Die sozialen Gruppen, in denen der Betroffene lebt:
Seine Herkunftsfamilie mit all ihren Besonderheiten aufgrund religiöser, sozialer oder kultureller Verbundenheiten. In ihr erlebt jedes Kind erstmals den Umgang mit Rausch- und Genussmitteln, vor allem mit legalen Substanzen wie Alkohol, Nikotin und auch Medikamenten. In der Jugendzeit löst sich der Pubertierende langsam aus dem Familienverband mit den dort gültigen Werthaltungen und Normen. Der Freundeskreis, die so genannte Peer-Gruppe (engl. peer group) wird wichtiger, in ihr muss der Jugendliche bestehen und anerkannt werden. Dort gelten häufig Regeln, die von den Vorstellungen der Eltern zumeist deutlich abweichen. Im Erwachsenenleben ist das Gleichgewicht zwischen Berufsleben, Partnerschaft/Familie und Freizeitleben/Freundeskreis für das Wohlbefinden entscheidend. In Krisenzeiten kann der Anschluss an andere Suchtkranke eine fatale Entwicklung begünstigen. Spielerrunden, Alkoholiker-Stammtischtreffen, eine ebenfalls medikamentenabhängige Freundin, die Tabletten verschenkt etc. können den Einstieg in süchtiges Verhalten bahnen.

- Die Rauschmittel:
Die Art der Wirkung, ihre Fähigkeit, rasch abhängig zu machen, die Art und Weise, wie sie angewendet werden, und die Erreichbarkeit für Konsumenten. Verfügen z.B. Jugendliche über ein sachlich richtiges Wissen, so können sie die Gefährdung bei Experimenten besser einschätzen als Jugendliche, die Drogen idealisieren und ihre Gefahren verleugnen. Bloße Abschreckung, auch gut gemeinte, bewirkt besonders bei Gefährdeten hingegen eher eine Anziehung.

- Die Verfügbarkeit von Rauschmitteln:
Von Seiten des Marktes gibt es nur wenig Beschränkung. Legale Substanzen wie Alkohol, Zigaretten oder auch manche Medikamente sowie Kombinationen mit koffeinhältigen Getränken sind für Konsumenten meist ohne Probleme erhältlich, auch wenn dies nicht immer z.B. den Jugendschutzbestimmungen entspricht. Das Angebot an illegalen Substanzen auf dem Schwarzmarkt ist in den letzten Jahren größer geworden.


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