Syphilis und Tripper

Pärchen im Bett

Aktualisiert am: 26.04.2010

Totgesagte leben länger

Warum die meldepflichtigen Geschlechtskrankheiten Syphilis und Tripper eine Renaissance erleben, was diese auch im dritten Jahrtausend noch tückisch macht und wie man vorbeugt. Denn häufig bleiben diese Krankheiten lange Zeit unentdeckt.

Autorin: Andrea Krieger

Bei Syphilis denkt man an längst vergangene Zeiten, vielleicht an prominente Opfer wie Goethe, Nietzsche, Beethoven, Schubert, den einen oder anderen Habsburger und pikanterweise auch Papst Julius II. Weniger bekannt ist, dass die Geschlechtskrankheit ein brandaktuelles Thema ist. Dabei belegt die Statistik sehr deutlich, dass Syphilis wieder im Vormarsch ist. Gab es 1992 knapp über hundert Fälle des meldepflichtigen Leidens, wurden um die Jahrtausendwende schon 237 und zuletzt stolze 551 Neuerkrankungen in Österreich verzeichnet.

Gefährliches Comeback: Sex ohne Kondom

Gründe für die drastische Vermehrung gibt es viele. In dem Maße, in dem Aids seinen Schrecken verloren hat, weil die Immunschwäche-Krankheit heute bereits gut behandelbar ist, feiert der Sex ohne Kondom heute wieder fröhliche Urständ'. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der Sexualpartner, der Sextourismus und die Geheimprostitution ohne gesundheitliche Kontrolle zu. Nicht zuletzt spielt auch die Öffnung des Ostens eine Rolle. "Gesellschaftliche Umbrüche und schlechte soziale Verhältnisse gehen immer mit einem Anstieg von sexuell übertragbaren Krankheiten einher", weiß Paul Sator, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Oberarzt an der Dermatologischen Abteilung des Krankenhauses Hietzing. Erst in der vergangenen Woche hatte er wieder einen Patienten mit Lues, so der modernere Ausdruck für Syphilis.

Heilsamer Fortschritt

Freilich: Es ist ein himmelhoher Unterschied, ob man heute mit der Diagnose konfrontiert ist oder vor hundert Jahren damit angesteckt wurde. "Seit es Penicillin gibt, ist die Krankheit gut behandelbar", sagt Sator. Das Dumme ist nur, dass das Leiden mitunter sehr lange unentdeckt bleibt und die Ansteckungen weiterer Personen – sie erfolgt durch sexuellen Kontakt – in dieser Zeit munter weitergehen kann. "Die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer merken zunächst nichts", erzählt der Experte.


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