Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa

Zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zählen Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa. Die Krankheiten treten in Schüben auf; Häufigkeit und Intensität der Schübe sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Auch ein sogenannter Dauerschub ist möglich.

Ursachen von CED

Über die eindeutige Krankheitsursache herrscht weitgehend Unklarheit. Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren wird für die Entstehung von CED verantwortlich gemacht, aber auch die genetische Disposition scheint eine Rolle zu spielen.

Falsche Ernährungsgewohnheiten und Störungen in der Immunabwehr führen zu Verschlechterungen des Zustandes. Psychische Faktoren sind zwar nicht die Ursache für die Krankheitsentstehung, aber Belastungen in Folge der Krankheit können einen Krankheitsschub auslösen oder verstärken.

Und eine psychische Belastung ist CED allemal – kaum eine Krankheit ist so tabuisiert wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Interview mit Univ. Prof. Dr. Harald Vogelsang (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie) und dem Patienten Herrn Seiter.

Dr. Vogelsang: Man weiß nicht genau was die Ursache für Colitis ulcerosa ist. Auch hier dürfte eine bakterielle Genese dahinterstecken, eine Infektion ist es aber nicht.

Anmerkung: Am häufigsten sind Menschen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen. Die Diagnose gestaltet sich nicht immer leicht. Sie ist nur aus dem Zusammenspiel von Anamnese, endoskopischen Untersuchungen wie Darmspiegelung und histologischen Befunden zu stellen.

Dr. Vogelsang: Colitis ulcerosa hat im Anfangsstadium einen eher gutartigen Verlauf, weswegen man hier schon mit einfachen, milden Mitteln die Krankheit abheilen lassen kann, solange man sie rechtzeitig behandelt. Auch mit Zäpfchen oder Einlaufbehandlungen, die tatsächliche Medikamente in sich tragen, ist eine Behandlung möglich.

Anmerkung: Trotzdem bleibt sie eine lebenslange chronische Krankheit, die jederzeit wieder ausbrechen kann. Viele Patienten erleben auch einen sehr aggressiven Verlauf und es beginnt ein langer Leidensweg, der alle Lebensbereiche betrifft. Herr Seiter ist an dieser schlimmen Darmerkrankung bereits 1987 erkrankt. Nach massiv blutigem Stuhlgang wurde er von seinem Hausarzt in die Klinik eingewiesen.

Hr. Seiter: Bei mir ist eine Colitis ulcerosa diagnostiziert worden, die jedoch nur den untersten Dickdarmabschnitt betroffen hat. Das war eigentlich nur eine leichte Form dieser Krankheit, die man dann mit Medikamenten relativ gut behandeln konnte und ich war nach der Erstdiagnose und einer Behandlung mit Medikamenten zunächst vier Jahre beschwerdefrei.

Dann ist es aber wieder sehr massiv losgegangen, mit viel Blut im Stuhl. Ich habe bis zu 20 blutige Stühle am Tag gehabt, wobei nur Blut weggegangen ist. Nach einer neuerlichen Koloskopie hat sich herausgestellt, dass sich die Krankheit mittlerweile auf den gesamten Dickdarm ausgedehnt hat.

Dr. Vogelsang: Beim schweren Verlauf (damit ist insbesondere der Befall des gesamten Dickdarms gemeint) braucht man wirklich starke Medikamente. Man braucht Kortison, meistens auch immunhemmende Medikamente oder die neuen Antikörpertherapien.

Anmerkung: Da die Ursache der Erkrankung trotz intensiver Forschung noch immer nicht bekannt ist, ist Heilung bisher noch nicht möglich. Allerdings hat die Medizin Fortschritte gemacht. Durch den Einsatz von bestimmten Wirkstoffen in sogenannten Biologika-Therapien können die Krankheitssymptome und der  schwerwiegende Verlauf mittlerweile wieder eingeschränkt werden.

Auch Herrn Seiter wäre heute, rund 20 Jahre nach Beginn seiner Krankheit, wohl viel erspart geblieben, denn bei ihm war die Entzündung schließlich so stark, dass eine Totalentfernung des Dickdarms unvermeidbar war.

Hr. Seiter: Bis zu dem Zeitpunkt habe ich überhaupt nicht gewusst, dass man ohne Dickdarm leben kann oder wie man ohne ihn lebt.

Anmerkung: Nach der operativen Entfernung des Dickdarms war nichts mehr wie früher.

Hr. Seiter: Das Management besteht darin, dass man nur mehr außer Haus gehen kann, wenn man vorher genau plant, wo das nächste WC ist. Man kann sich sonst nicht mehr frei bewegen. Oft geht sich das dann auch nicht aus und man muss unverrichteter Dinge nach Hause fahren und unter die Dusche gehen.

Anmerkung: Die Erlebnisse seither haben Herrn Seiter dazu veranlasst dieses Tabuthema „Darmerkrankung“ und die damit verbundenen Einschränkungen immer wieder zu thematisieren. In der ÖMCCV, der österreichischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung, möchte er in Vorträgen und durch Informationsmedien auf die Situation der Betroffenen aufmerksam machen.

Hr. Seiter: Die Krankheit ist  eine nicht sichtbare Behinderung und man kann mit niemanden darüber sprechen, im Vergleich zu anderen Krankheiten. Bei allem, was mit dem Darm und speziell der Darmausscheidung zu tun hat, wird sofort das Thema gewechselt. Davon will nicht wirklich jemand etwas wissen.

Anmerkung: Beeinträchtigte der Erkrankung sind nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen und Freunde. Die ÖMCCV bietet umfassendes Informationsmaterial und Hilfestellungen an, um den Alltag trotz der Krankheit bewältigen zu können.


Weiterführende Links:

OEMCCV
Darmplus
Morbus Crohn
Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen