Das Humane Papilloma Virus

Das Humane Papilloma Virus

Jeden Tag sterben in Europa circa 40 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren an Gebärmutterhalskrebs. Verantwortlich dafür ist das Humane Papilloma Virus, auch HPV genannt. Die HPV-Impfung ist mittlerweile Teil des nationalen Impfplans in Österreich und wird an Schulen kostenlos angeboten.

HPV und seine Folgen

Humane Papilloma Viren sind an verschiedenen Körperstellen (zum Beispiel an Fingernägeln) zu finden, führen jedoch nur an bestimmten Regionen des Körpers wie dem Genitalbereich und im Rachenraum zu Infektionen.

Gebärmutterhalskrebs ist die bekannteste Folge, jedoch wird auch Männern und Buben die HPV-Impfung empfohlen, da diese ebenfalls Risiken der Entstehungen diverser Karzinomformen im männlichen Genitalbereich verringern kann.

Die unterschiedlichen Ausprägungen der HPV-Viren und entsprechende Diagnosemöglichkeiten erläutert Prof. Dr. Christian Kainz, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

vielgesundheit-Moderatorin Cornelia Kreuter im Gespräch mit Prof. Dr. Christian Kainz, dem Direktor der Privatklinik Döbling.


Fr. Kreuter: Herr Professor Kainz, man kennt derzeit rund 200 HPV-Typen. 35 davon verursachen Veränderungen im Genitalbereich. Was sind denn genau Humane Papilloma Viren, und was können sie im Organismus hervorrufen?

Dr. Kainz: Humane Papilloma Viren sind sehr alte Viren. Sie wurden schon in frühen Ausgrabungen nachgewiesen. Sie haben sich dementsprechend in viele unterschiedliche Stämme entwickelt. Diese sind lokalisationsspezifisch, das bedeutet, dass sie nur bestimmte Gewebe infizieren.

Je nach Typ sind gewisse Stämme eben für Genitalerkrankungen verantwortlich. Humane Papilloma Viren infizieren die Zelle und verändern diese in ihrer Zellteilung. Weiters unterscheidet man Hochrisikotypen, welche dafür verantwortlich sind, dass Krebserkrankungen aus diesen Veränderungen entstehen.

Fr. Kreuter: Wie kann man die Humanen Papilloma Viren diagnostizieren?

Dr. Kainz: Humane Papilloma Viren werden beispielsweise im Rahmen des Krebsabstriches durch die Zellveränderungen nachgewiesen. Es gibt auch eigene Tests, die HPV-Typen unterscheiden können und somit eine genauere Diagnose ermöglichen.

Fr. Kreuter: Wie oft muss das gemacht werden?

Dr. Kainz: Der Krebsabstrich ist einmal jährlich empfohlen.

Fr. Kreuter: Von diesem Virus sind nicht nur Frauen betroffen, sondern auch Männer. Bis zu 80 Prozent aller Männer und Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit genitalem HPV. Wie kann man sich davor schützen?

Dr. Kainz:
Das Virus ist weitverbreitet. Es ist normal, dass man einmal im Leben eine derartige Infektion hat. Der Körper kann das Virus von selbst eliminieren, wodurch keine weitere Erkrankung entsteht.

Nur in einem kleinen Teil bewirkt das Virus Veränderungen, die zu tatsächlichen Erkrankungen führen. Über die Verbreitung und Weitergabe des Virus gibt es viele Untersuchungen. Am ehesten wird es durch Hautkontakt und Geschlechtsverkehr übertragen, es gibt aber auch andere Übertragungswege.

Der beste Schutz ist in der heutigen Zeit sicher die Impfung.

Fr. Kreuter: Herr Professor Kainz, die HPV Impfung ist ja nicht nur für Mädchen vorgesehen. Buben sollen ebenfalls geimpft werden. Dabei geht es auch um andere Auswirkungen von HPV, oder?

Dr. Kainz: Ja, Humane Papilloma Viren können auch Veränderungen im Mundbereich oder Feigwarzen hervorrufen. Da diese Auswirkungen ebenfalls verhindert werden, profitieren auch Buben von der HPV-Impfung.

Der zweite Grund ist, dass die Herdenimmunität dadurch gefördert wird. Dies bedeutet, dass die Verbreitung des Papilloma Virus unterbrochen wird, da geimpfte Männer das Virus nicht weitergeben.

Fr. Kreuter: Sie haben Feigwarzen erwähnt. Worum handelt es sich hierbei?

Dr. Kainz: Feigwarzen sind Veränderungen im Genitalbereich, die auch durch Viren hervorgerufen werden. Sie schauen ein wenig aus wie die bekannten Warzen, sind eher spitz und treten im Genitalbereich auf.

Fr. Kreuter: Wie sieht denn das Impfschema aus?

Dr. Kainz: Die HPV-Impfung besteht aus drei Teilimpfungen, die innerhalb eines Jahres verabreicht werden sollten. Die genaueren Details können sie zum Beispiel im „ImpfManager“ ersehen. Dies ist eine App, die auf dem nationalen Impfplan aufgebaut ist.

Fr. Kreuter: Das ist auf jeden Fall ein guter Tipp für unsere Zuschauer bzw. Zuhörer. Vielen Dank dafür. Kommen wir nun zu Ihnen. Sie sind Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und seit über zehn Jahren ärztlicher Direktor der Privatklinik Döbling.

Sie haben auch schon sehr viele Auszeichnungen erhalten. Was ist denn das Besondere an Ihrem Beruf?

Dr. Kainz: Es ist eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit. Medizin und Organisation müssen dabei vereint werden. Ich führe jeden Tag sehr viele interessante Gespräche mit Patientinnen oder auch mit Partnern in der Medizin.

Die Gynäkologie und Geburtshilfe ist ein Teil der Medizin, der auch sehr viele positive Erlebnisse mit sich bringt, da es nicht nur um Krankheiten geht. Dadurch kann man eine große Erfüllung in seinem Beruf finden.

Fr. Kreuter:
Das klingt sehr schön. Herr Professor Kainz, vielen Dank für das Gespräch.
Weiterführende Links:

Impfmanager
HPV - Therapie
Österreichisches Krebsforum - HPV Impfung für Männer?
Vorsorgeuntersuchung Frau

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