Nasenbluten - was tun?

Nasenbluten - was tun?

Wenn aus der Nase plötzlich Blut rinnt, geraten viele Menschen in Panik. Dabei ist Nasenbluten meist ungefährlich und sieht dramatischer aus, als es ist. Oft kann es aber auch Begleiterscheinung einer ernsthaften Erkrankung sein. Wir informieren über häufige Ursachen und Gefahren von Nasenbluten und geben Erste-Hilfe-Tipps für den Notfall.

Ein Stoß beim Herumtoben mit den Kindern, ein heftiges Schnäuzen oder ein bohrender Fingernagel - oft genügen schon Kleinigkeiten, um sich eine blutende Nase zu holen. Das ist aber nicht gleich ein Grund zur Sorge! Denn Nasenbluten (Epistaxis) ist in den meisten Fällen harmlos.

Woher kommt Nasenbluten?

„Die kleinen Blutgefäße in der Nase liegen sehr oberflächlich und sind stark durchblutet, sodass sie leicht reißen können“, sagt Dr. Michael Deeg vom deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte. Im vorderen Teil der Nase treffen gleich mehrere Blutgefäße an einer Stelle zusammen. Dieses gefäßreiche Gebiet wird als „Locus Kiesselbachi“ bezeichnet, in dem ca. 90 Prozent aller Nasenblutungen entstehen.

Nasenbluten im vorderen Bereich kann durch äußere Einwirkungen (z. B. einem Sturz oder Schlag auf die Nase), durch eine extrem trockene Umgebungsluft (z. B. überheizte Räume, Klimaanlagen) oder durch entzündete Nasenschleimhäute (z. B. Schnupfen, Allergien) entstehen. In den meisten Fällen ist es harmlos und leicht zu stoppen.

Zudem kann es während einer Schwangerschaft, in der die Schleimhäute noch besser durchblutet werden als sonst, schneller zu Nasenbluten kommen.

Ursache bei Kindern?

„Bei Kindern ist das Nasenbluten häufig einfach durch "Popeln" herbeigeführt, oder weil sie sich irgendetwas in die Nase gesteckt haben“, weiß der Berliner Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler. Zudem verletzen sich Kinder häufig beim Spielen und Herumtoben. Auch ein starker Wachstumsschub (z. B. während der Pubertät) kann zu Nasenbluten führen.

Häufiges Nasenbluten

Seltener aber auch gefährlicher sind Blutungen aus dem hinteren Nasenabschnitt (systemisches Nasenbluten), die immer wieder und ohne ersichtlichen Grund auftreten. Sie können oft Begleiterscheinung einer ernsthaften Erkrankung sein oder auch durch eine Medikamenteneinnahme ausgelöst werden.

Krankheiten, die Nasenbluten verursachen

Diese Krankheiten können als 'Nebenerscheinung' zu häufigerem Nasenbluten führen - extra Sorgen sind meist nicht angebracht:

  • fieberhafte Infektions- und Viruserkrankungen  (z. B. Grippe, Masern, Mumps, Aids, Typhus)
  • Allergien (wie z. B. Heuschnupfen, Pollenallergie)
  • Gefäß- und Kreislauferkrankungen  (z. B. Arteriosklerose, Bluthochdruck, Thrombose)
  • Blutgerinnungsstörungen (z. B. Leukämie, Thrombozytopenie)
  • genetisch bedingte Gefäßerkrankungen  (Rendu-Osler-Weber-Krankheit, Willebrand-Jürgens-Syndrom)

Arzneimittelnebenwirkung

Häufiges Nasenbluten kann aber auch unerwünschte Folge einer (richtigen) Medikation sein. Vorsicht ist vor allem bei blutverdünnenden Medikamenten wie zum Beispiel Aspirin (enthält den Wirkstoff Acetylsalicylsäure, kurz ASS) und Marcumar (enthält den Wirkstoff Phenprocoumon und senkt den Vitamin K-Spiegel im Körper) geboten, deren Einnahme Nasenbluten zur Folge haben kann.

Vorbeugende Hausmittel

Luftbefeuchter oder befeuchtende Nasensalben aus der Apotheke können helfen, die Schleimhäute feucht und geschmeidig zu halten. Das verhindert das Risiko, dass kleine Äderchen reißen. Zudem sollten Sie am Tag mindestens zwei Liter Flüssigkeit trinken.

Auch regelmäßiges Inhalieren oder eine Nasenspülung mit Kochsalzlösung wirkt vorbeugend gegen trockene und gereizte Schleimhäute.

Tipp: Eine Kochsalzlösung kann sehr leicht selbst hergestellt werden: Geben Sie dazu einen Teelöffel Salz in 500 ml abgekochtes Wasser und vermischen Sie es. Inhalieren Sie zwei- bis dreimal täglich!

Ebenso gelten Zitronensaft und Lavendelöl als alternative Heilmittel bei Nasenbluten. Hierfür einen Wattebausch mit frischem Zitronensaft oder Lavendelöl beträufeln und in die Nasenöffnungen stecken.

Vorsicht - Erstickungsgefahr!

„Besonders gefährlich kann es werden, wenn eine Arterie aufplatzt und das Blut hellrot herausspritzt“, weiß HNO-Facharzt Dr. Joachim Draws.

Bei starkem Nasenbluten kann sehr leicht Blut über den Rachen in die Lunge oder den Magen fließen und beim Betroffenen zu starkem Husten, Übelkeit und Erbrechen führen. Zudem droht akute Erstickungsgefahr.

„Legen Sie auf keinen Fall den Kopf in den Nacken, da sonst noch mehr Blut verschluckt werden kann“, so der Experte. Stattdessen sollten Sie sofort einen Notarzt verständigen, der die Blutungen mit entsprechenden Tamponaden verringern oder zum Stillstand bringen kann.

Bei extrem starkem und anhaltendem Nasenbluten hilft allerdings nur mehr eine Operation, um die Blutungen zu stoppen. In harmloseren Fällen kann das Veröden mit dem Laser eine einfache und sehr wirksame Lösung sein.

Nasenbluten stoppen - aber wie?

Über die Erste Hilfe beim Nasenbluten kursieren viele Gerüchte. Was Sie auf keinen Fall machen sollten, ist, Taschentücher in die Nase zu stopfen. Denn beim Herausziehen des Tuches kann die Wunde leicht wieder aufreißen. Auch 'Kopf in den Nacken legen' ist kein probates Mittel!!

Folgende Erste Hilfe-Maßnahmen sind im Ernstfall zu beachten:

  • Setzen oder stellen Sie sich aufrecht hin.
  • Beugen Sie den Kopf nach vorne, damit das Blut ungehindert abfließen kann.
  • Legen Sie einen kalten Waschlappen oder eine Kühlkompresse in den Nacken. Die kühle Kompresse bewirkt eine Verengung der Blutgefäße, und die Blutung kommt somit schneller zum Stillstand.
  • Drücken Sie die Nasenflügel fest aneinander, sodass kein Blut mehr aus der Nase laufen kann. Damit sollten Sie den Hauptpunkt der Blutung erwischt haben.
  • Nach zehn bis 15 Minuten in dieser Position sollte das Nasenbluten gestillt sein. Wenn die Blutungen nicht aufhören oder innerhalb kurzer Zeit wieder auftreten, sollten Sie unbedingt einen HNO-Facharzt aufsuchen!

„Hilfreich kann auch ein gewöhnlicher Nasenspray sein. Der Spray enthält Wirkstoffe, die die Nasengefäße verengen und das Nasenbluten lindern oder sogar zum Stoppen bringen“, so Draws.

Machen Sie den “Zäpfchen - Test“

Um sicher zu sein, dass die Blutungen auch wirklich gestillt sind, hat der HNO-Experte einen weiteren Tipp: "Leuchten Sie mit einer Taschenlampe in den Rachen. Hier befindet sich ein Zäpfchen. Wenn hinter diesem Zäpfchen kein Blut mehr zu sehen ist, haben Sie die Blutungen gestoppt."

Wichtig: Bevor Sie mit der Lampe in den Rachen leuchten, trinken Sie einen Schluck Wasser, damit das alte Blut weggeschwemmt werden kann.


Weiterführende Links:

Nasenbluten: Notfall oder Bagatelle?
Nasenbluten bei Kindern- Kein Grund zur Panik
Wofür Nasenbluten ein Warnsignal sein kann
Epistaxiophobie und andere absurde Ängste