Der erste Blick täuscht: Oft enthalten Textilien gesundheitsgefährdende Schadstoffe.

Schadstoffbelastete Textilien

Kleidung soll günstig sein und das hat seinen Preis. Sie wird meist in der Ferne billig produziert und enthält Schadstoffe, die niemand direkt auf der Haut tragen möchte. Dabei ist der Preis nicht immer aussagekräftig, denn auch Markenkleidung ist, wie Tests zeigen, mit Schadstoffen belastet.

Viele gehen mit der Mode und kaufen sich lieber jede Saison neue Kleidung, als auf Qualität zu setzen. Die Nachfrage nach günstigen Textilien ist dementsprechend groß. Ein Nachteil von billiger Herstellung ist, dass schädliche Stoffe in der Kleidung landen. Es handelt sich dabei um chemische Weichmacher, Farbstoffe oder Flammschutzmittel. Sie stehen in Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen, hormonell zu wirken oder das Krebsrisiko zu erhöhen. In den Produktionsländern ist das Problem nicht wegzudiskutieren, da oft Trinkwasser und Flüsse kontaminiert sind. Aber auch teure Kleidung ist nicht frei von Chemikalien – im Gegenteil. Für Farbe, Knitterschutz oder Imprägnierung kommen Substanzen mit Nebenwirkungen zum Einsatz. Das gilt zum Beispiel für Outdoor- oder Funktionskleidung.

Achtung bei Kinderkleidung

Giftstoffe finden sich in Kleidung von Billiganbietern wie Markenherstellern, und auch Kinderkleidung ist betroffen. Das hat ein erst kürzlich von Greenpeace durchgeführter Test gezeigt. Überall fanden sich Schadstoffe wie Weichmacher oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Während es für Spielzeug EU-weite Obergrenzen bei Weichmachern gibt, gelten diese nicht für Kinderkleidung. Das Problem ist, dass Kinderhaut durchlässiger ist als die von Erwachsenen und leichter gereizt reagiert. Vorsicht ist also geboten.

Gesundheitliche Auswirkungen

Weichmacher stehen im Verdacht, fortpflanzungsschädigend zu wirken. Sie finden sich zum Beispiel in bedruckten T-Shirts. Auch Nonyphenolethoxylaten (NPE), ein Tensid, das in der Umwelt zu giftigem Nonylphenol abgebaut wird, findet sich oft in Kleidung. Bei Wasserorganismen hat sich gezeigt, dass es hormonell wirksam ist. PFC hingegen könnte sich auf die Fruchtbarkeit und das Immunsystem negativ auswirken, gibt Greenpeace zu bedenken.

Um etwa Hemden knitterfrei zu machen, wird Formaldehyd verwendet. Gesundheitliche Belastungen wie Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen sind möglich und es besteht auch der Verdacht, dass Formaldehyd krebserregend ist. Wenn bei einem bügelfreien Hemd die Anmerkung "vor dem ersten Tragen waschen" steht, kann das auf Formaldehyd hinweisen. Wenn Kleidung lange Transportwege zurücklegen muss, wird manchmal zum Textilschutz das in manchen Ländern verbotene Pentachlorphenol, ein chlorierter Kohlenwasserstoff (PCP), eingesetzt. PCP kann Chlorakne und schwere Nervenschäden hervorrufen. Es verwundert nicht, dass es auch als krebserregend gilt.

Giftige Farben

Beim Einkauf lohnt es sich, an der Kleidung zu riechen. Ein intensiver Geruch kann nämlich einige chemische Schadstoffe entlarven. "Separat waschen" oder "kann färben" sind mögliche Hinweise auf fehlende Farbechtheit. Die Verwendung von so genannten Azofarbstoffen, die giftige oder krebserzeugende Amine erzeugen, ist zwar in der EU verboten, aber trotzdem landet immer wieder Kleidung mit ihnen auch in Europa. Deshalb neue Kleidung zumindest vor dem ersten Tragen waschen. Bis alle Reste entfernt sind, bedarf es aber mehrerer Waschgänge. Das gilt auch für andere Chemikalien. Sie waschen sich zwar mit der Zeit aus, aber in der Zwischenzeit kommt es zum direkten Hautkontakt, der durch Schweiß entsteht.

Gütesiegel und Öko-Standards

Wonach sollen sich die Konsumenten also richten? Gütesiegel und Öko-Standards scheinen dafür wie geschaffen zu sein. Leider ist die Vielzahl dieser und ihrer unterschiedlichen Kriterien hinsichtlich Schadstoffbelastungsgrenzen verwirrend. "Öko-Tex Standard 100" ist ein recht verbreitetes Gütesiegel. Bei Textilien, die mit diesem Label versehen sind, können sich Konsumenten sicher sein, dass Grenzwerte für bestimmte gesundheitsgefährdende Schadstoffe nicht überschritten werden. Ob die Herstellung oder die Arbeitsbedingungen "unfair" sind, garantiert das Gütesiegel nicht. Ein genauer Blick aufs Etikett schadet also nie.