Weniger sitzen, länger leben

Wer hätte vor Tausenden von Jahren je gedacht, dass es nicht der Säbelzahntiger sein wird, der uns gefährlich werden könnte, sondern etwas, was so viel weniger gefährlich aussieht: der Stuhl.

Sitzen ist mittlerweile unsere Haupttätigkeit geworden. Waren wir in Zeiten unserer Vorfahren laufend, wandernd, schwimmend oder kletternd unterwegs, so machen wir heute den lieben Tag lang vor allem eines: Wir sitzen.

Wir sitzen am Frühstückstisch, auf dem Weg in die Arbeit, in der Arbeit selbst, beim Mittagessen, bei Besprechungen und vor dem Fernseher, bevor wir uns dann ins Bett legen. Kein Wunder, dass unser Körper das nicht gutheißt, immerhin wurde er für das Gegenteil konstruiert: für Bewegung in verschiedensten Formen. Insofern trifft es sich aus gesundheitlicher Sicht schlecht, dass wir so viel Zeit sitzend und so wenig Zeit in Bewegung verbringen.

Die Folgen schlagen sich bereits in gesundheitlicher Hinsicht nieder: Diabetes Typ II ist im Vormarsch und auch wenn der Konsum von zu viel Zucker dabei eine sehr große Rolle spielt, so sind es auch der Bewegungsmangel und vor allem das durchgehende Dauersitzen, welche sich negativ auswirken, und dies auch auf unser Herz-Kreislauf-System und unseren Stoffwechsel.

Es geht ganz klar darum, dem Dauersitzen den Kampf anzusagen. Das heißt nicht, dass wir in Zukunft nie wieder sitzen dürfen, aber der erste und wichtigste Schritt ist jener: aufstehen! Und zwar in regelmäßigen Abständen. Experten empfehlen es spätestens alle 45 bis 60 Minuten. Wenn Sie also nicht anders können und bei Ihrer Arbeit sitzen müssen, dann stehen Sie zumindest einmal pro Stunde auf und vermeiden Sie stundenlanges Sitzen ohne Pause.

Einfache Tipps für den Alltag

Weitere Tipps, die Ihrer Gesundheit guttun werden:

  • Mehr Bewegung, wann immer möglich: Nutzen Sie jede Chance, um aufzustehen, und wenn es nur für eine halbe Minute ist. Alleine das Durchstrecken Ihrer Hüfte ist für Ihre Gesundheit Gold wert und schafft v. a. eines: Bewusstsein für dieses Thema.
  • Gehen, Stiegen steigen, Kniebeugen – bauen Sie ein, was geht: Die Stiegen statt des Lifts nehmen, den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß zurücklegen, ein paar Kniebeugen zwischendurch einbauen – bringen Sie Ihren Kreislauf immer wieder in Schwung, Ihr Stoffwechsel und Ihr Herz-Kreislauf-System danken es Ihnen.
  • Mobilisieren und Faszien ausrollen: Dieser Tipp geht an alle, die mehr tun wollen, um schnellere Ergebnisse und Veränderungen zu erzielen. Nutzen Sie Mobilisierungsübungen wie das Kreisen der großen Gelenke (Schultern, Arme, Hüfte), das Schwingen der Arme, Drehen und Dehnen sowie Faszien-Tools wie eine Faszienrolle, eine kleine Minirolle und einen Ball (z. B. Miniball) auch im Büro, um sich geschmeidig zu halten, Triggerpunkte zu massieren und Muskelproblemen und Verspannungen vorzubeugen bzw. diese zu beheben. Eine gute umfassende Anleitung dazu finden Sie in unserem Buch am Ende des Artikels.
  • Viel trinken: Das Leben ist am besten, wenn es im Fluss ist und das gilt auch für uns selbst. Damit es fließt, heißt es viel trinken, und zwar gute Flüssigkeit wie ungesüßter Tee oder Wasser, vorzugsweise ohne Kohlensäure. Sind Ihre Muskeln und Faszien gut von innen befeuchtet, werden sie weniger Verspannungen wahrnehmen, dafür aber konzentrierter und fokussierter arbeiten können, da sich die Flüssigkeitszufuhr auch auf unsere Gehirnleistung auswirkt. Außerdem fördert es auch das regelmäßige Aufstehen, wenn wir zur Toilette müssen.
  • Strecken und recken: Stehen Sie alle 30 bis 45 Minuten auf und strecken Sie sich durch. Machen Sie sich lang, bringen Sie Raum zwischen Ihre Wirbelkörper; unsere Wirbelsäule liebt die Weite, während sie Enge und eine falsche Haltung gar nicht mag. Bereits kurzes Strecken und Dehnen in alle Richtungen hilft, sich besser zu fühlen und nachhaltig auf unsere Gesundheit einzuwirken, und dauert nicht lange.

Weiterführender Buchtipp samt Übungsprogramm

Wer länger sitzt, ist früher tot von Frank Thömmes