Übermäßiges Schwitzen

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Autorin: Mag. Beatrix Aigner-Köfinger
Aktualisiert am: 02.05.2011
Teil 1: Hyperhidrose: Schweiß ohne Ende
Teil 2: Diagnose und Therapie
Teil 3: Medikamente und Operation
Hyperhidrose: Schweiß ohne Ende
Hyperhidrose ist durch übermäßiges Schwitzen gekennzeichnet und beeinträchtigt nicht nur den Alltag, sondern verdirbt oft die schönsten Momente im Leben. Wer sich gar nicht mehr zu helfen weiß, tritt den sozialen Rückzug an und leidet im Stillen. Dabei gibt es Mittel und Wege, die Hyperhidrose wenn schon nicht zu heilen, so zumindest effektiv zu behandeln.
In Zusammenarbeit mit Dr. Alessandra Handisurya, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie
Der Vorgang des Schwitzens dient der Wärmeregulation und hat eine lebenswichtige Funktion. Wenn die Umgebungstemperatur steigt oder wir uns körperlich betätigen, kurbelt unser Organismus die Schweißproduktion an, um überschüssige Wärme abzugeben. Schwitzen ist auch normal in Situationen, die von Angst, Stress, Ärger oder Verlegenheit gekennzeichnet sind.
Zu viel des Guten
Bei Personen, die an Hyperhidrose leiden, sind die Schweißdrüsen bedingt durch eine Überaktivität der Sympathikus-Nerven außer Kontrolle. Die Betroffenen schwitzen exzessiv und unwillkürlich, auch wenn es kalt ist und sie sich nur gering körperlich anstrengen. Hyperhidrose hat eine genetische Komponente und tritt familiär gehäuft auf. Es wird geschätzt, dass fast ein Prozent der Bevölkerung von übermäßigem Schwitzen betroffen ist. Die ersten Symptome sind meist schon im Jugendalter bemerkbar. Meist tritt die Hyperhidrose mit Einsetzen der Pubertät auf und besteht ein Leben lang - sie ist nicht heilbar.
Betroffene Stellen
Übermäßiges Schwitzen kann den Achselbereich, Handflächen, Fußsohlen und den Kopfbereich (besonders Stirn) betreffen. Man spricht in diesen Fällen von fokaler Hyperhidrose. Auch in der Leistengegend und im Intimbereich kann sie lokal begrenzt auftreten. Sind hingegen verschiedene Körperstellen großflächig betroffen, spricht man von generalisierter Hyperhidrose. Hierbei muss mehrmals pro Tag die Kleidung wegen Durchfeuchtung gewechselt werden. Nicht nur zwecks Wohlbefinden, sondern um Verkühlungen zu vermeiden. Weitere Komplikationen ständig feuchter Haut sind Pilzinfektionen und bakterielle Infektionen.
Starkes Schwitzen: harmlos oder krank?
Noch wichtiger als die Einteilung nach Körperregion ist, ob das Schwitzen die primäre Ursache oder die Folgeerscheinung einer Erkrankung ist. Bei der primären oder idiopathischen Hyperhidrose ist die genaue Ursache nicht bekannt, wird aber in einer Störung des vegetativen Nervensystems vermutet. Das gilt besonders für die erhöhte Schweißsekretion an den Händen, Fußsohlen und Achseln. Diese Form der Hyperhidrose ist vom medizinischen Standpunkt aus gesehen harmlos.
Übermäßiges Schwitzen, besonders in der Nacht, muss genau abgeklärt werden. Besonders, wenn es im Erwachsenenalter plötzlich auftritt und mit Gewichtsverlust einhergeht. Im schlimmsten Fall deutet es auf eine Tumorerkrankung, also Krebs hin. Sekundäres Schwitzen kann viele Ursachen haben wie chronische Infektionen, Schilddrüsenüberfunktion, extremes Übergewicht (Adipositas), Herz- und Lungenerkrankungen, neurologische Erkrankungen oder Diabetes. In manchen Fällen ist Hyperhidrose auch die Reaktion auf bestimmte Medikamente (z.B. Psychopharmaka, Hormone), Nikotin und Alkohol und ein Symptom während der Menopause.
Emotionale Belastung
In Stresssituationen, aber auch ganz ohne Grund kann es sein, dass sich bei Hyperhidrose alle Schleusen öffnen. Die Kleidung klebt am Körper, die Schweißtropfen perlen von der Stirn oder es wird ein unangenehmer Geruch verströmt. Personen mit übermäßigem Handschweiß haben Probleme mit feuchtigkeitsempfindlichen Materialien wie Papier und scheuen vor dem Händeschütteln zurück.
Hyperhidrose ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern für die Betroffenen eine enorme emotionale Belastung. Der Leidensdruck lässt sich schwer mit einer bestimmten Schweißmenge in Verbindung setzen, obwohl für wissenschaftliche Zwecke eine bestimmte Menge – z.B. mehr als 100 mg Schweiß innerhalb von fünf Minuten in einer Achselhöhle – definiert wurde. Vielmehr entscheidet das subjektive Empfinden über den Schweregrad der Erkrankung und die Behandlungsform.
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