Urlaubskrach

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Aktualisiert am: 05.07.2010
Krach im Urlaub?
Urlaub kann heikel sein und stellt so manche zwischenmenschliche Beziehung auf eine harte Probe. Warum das so ist, erklärt Prof. Dr. Alfred Pritz, Psychotherapeut und Präsident des Weltverbandes für Psychotherapie, im Wecarelife-Interview.
Was kann man tun, um das Konfiktpotential möglichst niedrig zu halten?
Viele Fehler passieren bereits bei der Urlaubsplanung. Wenn nicht alle mit den Plänen einverstanden sind oder auf die Kinder keine Rücksicht genommen wird, kann der Urlaub nur schief gehen. Das selbe gilt aber natürlich auch, wenn der Partner nicht einverstanden ist. Viele Fehler passieren aber auch in der mangelnden Urlaubsvorbereitung: Wenn ich nach Grönland fahre, muss mir klar sein, dass es kalt sein wird. Und wenn man nach Kalabrien fährt, muss einem klar sein, dass es sehr heiß wird. Macht man eine Städtereise, kennt man sich in der fremden Stadt nicht so gut aus. Auch auf die kulturellen Gewohnheiten im Urlaubsland - etwa das Verschleiern in islamischen Ländern - muss man vorbereitet sein. Wenn man derartige Dinge nicht bedenkt und dann damit nicht zurecht kommt, sind Konflikte vorprogrammiert.
Warum ist der Urlaub eigentlich so eine heikle Sache?
Man trifft sich in einer völlig anderen sozialen Situation und klebt dann 24 Stunden am Tag aufeinander und das oft über Wochen. Das ist ein Ausnahmezustand, den es im Alltag nicht gibt. Vielfach sind auch die Erwartungen einfach zu hoch. Im Urlaub müssen plötzlich Dinge klappen, die sonst vielleicht nicht mehr so gut funktionieren - etwa der Sex. Außerdem werden im Urlaub gerne offene Rechnungen beglichen. Dann kann es bereits in den ersten Urlaubstagen zu heftigen Streitereien kommen. Hinzu kommt, dass es nicht immer einfach ist, die unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen: Der eine will mehr Ruhe. Der andere will lieber Radtouren unternehmen. Und den Dritten zieht es jeden Abend in die Disko. Da gibt es ganz unterschiedliche Erholungsbedürfnisse. Das Problem ist: Wenn einer schlecht gelaunt ist, zieht er die anderen unweigerlich mit runter.
Wie kann man Konflikte im Urlaub vermeiden?
Man muss sich über das eigene Urlaubsverhalten bewusst werden. Man braucht in der Regel zwei Tage, um sich mit der neuen Umgebung anzufreunden. Das ist ganz normal. Während dieser Zeit sollte man sich daher eher aus dem Weg gehen, wenn es "kriselt". Man muss für sich selbst folgende Fragen beantworten: Was bedeutet der Urlaub für mich? Was will ich? Will ich Ruhe? Will ich Action? Was wollen die Kinder? Was will der Partner? Bei Konflikten hilft es, Versöhnungsgesten zu setzen: Der Rechthaber gibt einmal nach; die Nörglerin lobt ihren Partner ab und zu. Und jede Einigung, etwas gemeinsam zu tun, ist positiv.
Warum gehen manche Beziehungen nach einem Urlaub in die Brüche?
Viele setzen romantische Hoffnungen in den Urlaub, obwohl es in der Beziehung eigentlich nicht mehr wirklich gut klappt. Vielfach ist der Urlaub dann nur noch der Anstoß zur Trennung. Die Probleme waren aber eigentlich schon vorher da.
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