Wer gesund lebt, ist selber schuld.

Autorin: Ulrike Springer

Aktualisiert am: 27.09.2010

Was Gesundheitsapostel verschweigen

Hand auf's Herz: Haben Sie nicht schon einmal insgeheim all die Empfehlungen, die uns ein gesundes langes Leben versprechen, zum Teufel gewünscht? Ist es nicht ein ungeheuer befreiender Gedanke, einmal all das Wissen über gesunde Ernährung in den Wind zu schlagen und nach Herzenslust bei Schnitzel und Pommes zuzulangen, ohne an den unbarmherzig ausschlagenden Zeiger an der Körperwaage zu denken? Oder nach der Arbeit in der Hängematte friedlich zu dösen, anstatt im Fitness-Center zu schwitzen? Sie meinen, das seien ketzerische Gedanken, die sich todsicher mit einem hohen Cholesterinspiegel, einen ebensolchen Blutdruck, Übergewicht und Herz-Kreislauferkran-
kungen rächen?

Gesundheitsmythen auf der Spur

Mitnichten, meinen Udo Pollmer und Dr. Monika Niehaus in ihrem Buch mit dem aufrührerischen Titel: "Wer gesund lebt, ist selber schuld. Was uns Gesundheitsapostel verschweigen". Udo Pollmer, Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften, hat sich bereits in zahlreichen Publikationen als streitbarer Journalist und Ernährungsspezialist einen Namen gemacht. Zusammen mit der Biologin und Journalistin Monika Niehaus hat er etliche scheinbar allgemein gültige Ge- und Verbote in den Bereichen Psychologie, Sexualität, Fitness, Wellness und Anti-Aging, Ernährung und Alternativmedizin auf den wissenschaftlichen Prüfstand gestellt. Zum Beispiel diese: Wirkt Akupunktur? Macht Alkohol wirklich dick? Und sind Abstinenzler gesünder als Menschen, die sich ab und zu ein Gläschen Wein oder Bier gönnen?

Gesundheitskult als neue Religion

Das Autorenteam weist im Vorwort auf die höchst prekäre Tatsache hin, dass sich die Ratschläge zum Thema Gesundheit zwar in vieler Hinsicht widersprechen, doch allen gemeinsam ist folgender Grundtenor: Nur wer sich mit Diäten und Sport unablässig kasteit und auf das, was gut schmeckt und Spaß macht verzichtet, erringt das ewige Leben bei blühender Jugend. Zu Recht weisen die Autoren darauf hin, dass diese Heilsbotschaften mit all ihren Übungen und Geboten stark an religiöse Rituale erinnern. Hinterfragt man allerdings die wissenschaftliche Basis all dieser Ge- und Verbote, kommt Erstaunliches zutage. Denn zahlreiche Gesundheitsrichtlinien entbehren bislang jeglicher wissenschaftlicher Basis und beruhen oft lediglich auf Annahmen beziehungsweise kreativer Auslegung von Statistiken. Beispiele gefällig? Es weiß doch jeder, dass Salz den Blutdruck erhöht und dass fettreiche Ernährung sowie Bewegungsmangel Herz-Kreislauferkrankungen verursachen, dass Vorsorgeuntersuchungen die Lebenserwartung erhöhen. Ein seriöser, wissenschaftlicher Nachweis ist jedoch trotz ambitionierter Forschungstätigkeit in all diesen Bereichen noch nicht gelungen.

Fazit: Weniger Zwang, mehr Genuss

Die Autoren kommen daher zu dem Schluss: Unser Leben ist dann lebenswert, wenn wir es mit Freude und Genuss leben, ohne Ängste, Kasteiung und Zwang. Die provokanten Fragen der Autoren sind übersichtlich nach Stichworten alphabetisch geordnet. Und so manche Auskünfte sind überraschend und verführen dazu, Gesundheitsdogmen  nicht mehr ganz so ernst zu nehmen.

Udo Pollmer, Dr. Monika Niehaus
Wer gesund lebt, ist selber schuld.
Was uns Gesundheitsapostel verschweigen
192 Seiten
blv Verlag 2010
ISBN: 978-3-8354-0651-3
Preis: 13,40 € 


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