Wochenend-Krankheit

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Aktualisiert am: 01.07.2011
Leisure Sickness: das Gegenteil von Krankfeiern
Dauernd krank im Urlaub oder am Wochenende? Wenn regelmäßig pünktlich mit der Auszeit die Wehwehchen kommen, hat das seine Gründe. Immerhin ist Vorbeugen möglich.
Autorin: Andrea Krieger
Da hat man es nach Wochen unter Hochdruck mit letzter Kraft in den Urlaub geschafft. Hat nicht nur darauf geachtet, dass nichts liegen bleibt, sondern dem Chef zuliebe vielleicht sogar noch etwas vorgearbeitet. Und dann liegt man bereits am ersten freien Tag mit erhöhter Temperatur im Bett. Andere Variante: Nach fünf überstundenreichen Tagen freut man sich auf das wohlverdiente Wochenende und am Samstag Früh meldet sich überdeutlich die Migräne und mit der Aussicht auf Erholung ist es vorbei. Kein Wunder, wenn man da mit dem Schicksal hadert.
Diagnose: Freizeitkrankheit
Was wie ein unglücklicher Zufall oder eine böse Laune der Natur aussieht, ist aber keiner – und hat gleich mehrere Namen: "Leisure Sickness", auch "Weekend Syndrom" oder "Freizeitkrankheit", lautet die Diagnose. Sie betrifft laut einer Studie der niederländischen Universität Tilburg (unter 1900 Personen) drei Prozent mit guter Regelmäßigkeit. Die Symptome reichen von Migräne über Erkältungen, Muskelschmerzen und Übelkeit bis zu einem höchst niederschmetternden Gefühl der inneren Leere, in Fachkreisen auch depressive Verstimmung genannt.
Wie kommt es zu diesem scheinbaren Paradoxon? Stressexperte Sepp Porta, Leiter des Instituts für angewandte Stressforschung in Judendorf-Strassengel erklärt es so: "So wichtig Auszeiten sind: Der Organismus reagiert auf jede Veränderung mit Stress. Und Urlaub und Freizeit stellen unter Umständen große Veränderungen dar. Speziell, wenn ein sehr aktiver Mensch sich plötzlich an den Strand legt." Steht jemand ständig unter Strom, gewöhnt sich der Körper, so ungesund dies sein mag, auch daran. Plötzlicher Stillstand bedeutet daher eine enorme Umstellung.
Nicht zufällig gilt das Nachlassen des (gewohnten) Drucks mittlerweile als häufigste Auslöser einer Kopfwehattacke.
Die Macht der Psyche
Aus Sicht der Wiener Psychologin Brigitte Bösenkopf gibt es noch einen anderen Grund, weshalb der Körper in der freien Zeit schlapp macht. Die Leiterin des Stress-Center Wiens im Gesundheitszentrum Döbling sagt: "Oft ist das Pflichtgefühl so hoch oder die Furcht vor der Kündigung so groß, dass Krankheiten mit aller Kraft unterdrückt werden – bis zum Urlaub." Besagte Studie der Universität Tilborg belegt das. Unter den Befragten, Berufstätige quer durch alle Branchen und Levels, gibt es einen gemeinsamen Nenner: Sie alle fühlten sich in ihrem Job überfordert. Auch in der Freizeit loszulassen, fiel ihnen schwer.
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