Burnout

Aktualisiert am: 06.02.2009

Burnout: Der seelische Infarkt

Burnout galt in den 90er-Jahren als die Manager-Krankheit. Mittlerweile tritt das Syndrom schon in nahezu jeder Berufsgruppe auf, immer jünger werden die Betroffenen. Mittlerweile greift der Erschöpfungszustand auch schon auf Kinder über. Arbeitgeber, Eltern und Lehrer sollten die begrenzte Leistungsfähigkeit ihrer Angestellten bzw. Kinder akzeptieren und präventive Maßnahmen setzen.

Der Begriff Burnout ("ausbrennen") wurde in den 1970er Jahren geprägt und ursprünglich mit so genannten "helfenden Berufen" assoziiert: wie Kranken- und Pflegepersonal oder Sozialarbeitern, später auch mit Personen in Führungspositionen. Mittlerweile droht die Burnout-Falle in jeder Berufsgruppe zuzuschnappen. Verzweiflung, Depression, existentielle Ängste, völlige Erschöpfung und ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere sind die Folge. Genaue Zahlen, wie viele Österreicher tatsächlich betroffen sind, existieren bislang nicht. Experten schätzen jedoch, dass acht Prozent der Arbeitnehmer gefährdet sind, ein Anstieg wird prognostiziert.

Berufsfalle Burnout

Eine der Hauptursachen für die Entstehung des Burnout-Syndroms sind die extrem hohen Erwartungen, die man an sich selbst und seine Arbeit stellt. Gleich einem Hamster im Laufrad strampelt der potentielle "Ausgebrannte" mit einem Tunnelblick, der sich nur auf die perfekte Leistung richtet, dem Burnout entgegen. Prim.Univ.-Prof. DDr. Michael Lehofer, Facharzt für Psychiatrie/Neurologie an der Landesnervenklinik Sigmund Freud in Graz sieht die Entwicklung des Burnouts als Konsequenz dieses überhöhten Selbstanspruches, der nicht relativiert werden kann. "Wenn der Anspruch an sich selbst dermaßen hoch ist, genügt nur ein geringer Teil eines Fremdanspruches, um einen Menschen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Burnout ist sozusagen ein disfunktionelles Zusammenspiel von Selbstanspruch und Fremdanspruch."

Gewisse Stressfaktoren am Arbeitsplatz wie beispielsweise starkes emotionales Engagement, wenig Teamwork, starke Konkurrenz, hoher Leistungsdruck, Mobbing, wenig Veränderungs- oder Kontrollmöglichkeiten oder geringe Wertschätzung können jene "spezielle Art der Entwicklung einer Depression", wie Lehhofer das Burnout bezeichnet, begünstigen.

Diesen ungünstigen Bedingungen entgegenzuwirken und somit präventiv einem verbreiteten Ausbruch des Burnouts unter den Mitarbeitern vorzubeugen, obliegt unter anderem der Verantwortung des Arbeitgebers. Der Arbeitnehmer selbst soll bestrebt sein – da Burnout sehr viel mit Selbstachtung und Selbstliebe zu tun hat – sich selbst ernst zu nehmen, sich nicht zum Sklaven seiner selbst zu machen und quasi mit liebevollem Blick auf sich zu schauen, so Lehhofer. Auch er sieht die Tendenz des Burnouts als steigend, was nicht verwunderlich ist, da auch die Belastungen in einer globalisierten Welt zunehmen.


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maxerl ARTIKEL KOMMENTIEREN
Zu diesem Artikel gibt es 2 Kommentar(e).
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Burnout  von Oleander (Gast)
15:37 05.03.2009
Ich kenne immer mehr Leute, die an Burnout erkranken. Dabei arbeiten wir ja nicht mehr, als die Leute früher. Vielleicht liegt's an den höheren Erwartungen am Leben?
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Burnout  von g.huber60&gmx.at (Gast)
18:45 03.03.2009
Gratulation zu diesem Artikel, kurz und prägnant auf den Punkt gebracht.

Bestimmt stimmen alle Punkte, doch gar nicht berücksichtigt wurde die bisher genossene(?) Erziehung. Unsere Eltern wollten bestimmt nur das beste für uns Kinder, herausgekommen ist aber sehr oft dann das Schlechteste.

Über jahrzehntelange, anerzogene Verhaltensmuster führen uns ja direkt in dieses Burnout, in die Depression!!! (Du wirst nur dann geliebt, wenn du brav und fleißig bist! Du zählst nur dann etwas, wenn du in der Schule gute Noten hast! Du bist ja der Große, der Brave, der Rücksichtsvolle, der für jede(n) und für alle(s) Verständnis haben muß! Du musst einem Idealbild entsprechen! usw.).

Und wir werden ja schon im Kindesalter dahingehend erzogen (nicht nur von unseren Eltern, sondern auch von der Politik und der Wirtschaft), uns über Leistung zu definieren und dann wundern sich Therapeuten dass so viele Menschen in dieses Krankheitsbild verfallen!!

Nach dieser abgeschlossenen Erziehung übernimmt dann unsere Gesellschaft (Arbeitgeber, Politik, Wirtschaft) die weitere Aufgabe, uns mit noch mehr Druck und Dreck zu beladen.

Es wird uns ja an allen Ecken und Enden eingeredet, dass wir alle nur mehr jung, schön und dynamisch sein müssen, damit wir erfolgreich sein können. Es geht nur mehr um höher, schneller, stärker und das um jeden Preis.

Sie wissen genau wie das ist, wenn Ihnen permanent etwas eingeredet wird. Irgendwann einmal glaubt man daran.

Und jetzt sehen Sie wohin dieses ständige höher, schneller, stärker führt. Es führt nicht nur dazu, dass viel zu viele Menschen über ihre Grenzen katapultiert worden sind, sondern u. a. auch dazu, dass diese ach so tollen Banken jetzt bittend und flehentlich zu Vater Staat rennen müssen und um finanzielle Hilfe bitten, damit sie überleben können. Was ist denn das für ein Schwachsinn?

Gar so viele Menschen lassen mit sich so vieles machen, lassen sich so vieles gefallen, weil sie alle Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Ist ja auch klar, es muß die Familie erhalten werden, die Ausbildung der Kinder, das Haus, die Wohnung, das Auto und und und.
Dann "hängt" man sich eben noch mehr rein in seine Arbeit! Ist doch vollkommen klar!

Freilich gehören auch Menschen dazu, die das alles mit sich machen lassen, aber wenn jemand, so wie hier in Ihrem Artikel, die Schuld ausschließlich, bei jedem einzelnen sucht, der an sich selbst hohe Anforderungen stellt, der idealistisch veranlagt ist, der sich besonders engagiert, der hat sich mit dieser Thematik wohl ganz eindeutig zu wenig beschäftigt.

Es gäbe zu diesem Thema noch unerschöpfliches zu sagen und zu schreiben.

Für den Fall, dass dieser Kommentar gelesen werden sollte, schauen Sie, wenn Sie Zeit, Lust und Liebe haben, auf folgende Homepage:
www.burnout-depressionen-fluch-oder-segen.at

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