Weindegustation
Aktualisiert am: 22.09.2008
Teil 1: Sinne schärfen für Einsteiger
Teil 2: Gaumenfreude in fünf Schritten
Teil 3: Zwei typische Österreicher
Teil 4: In die Weinschule
Sinne schärfen für Einsteiger
Nichts spricht dagegen, Wein einfach zu trinken, ohne viel zu hinterfragen. Etwas mehr zu wissen als "dieser Weiße schmeckt mir", gehört aber langsam zum guten Ton. Wecarelife bringt eine Einführung in die Weindegustation.
Professionelle Verkoster schnüffeln, schlürfen und spucken die Weine umgehend wieder aus. Der Laie fragt sich vielleicht, ob diese Prozedur denn nötig sei? Weinakademiker Joachim Strodl antwortet mit einem "eindeutigen Ja". Am Glas schnüffle man, weil der Geruch 90 Prozent des Geschmacks ausmache. Der Weinfachmann regt zu einem kleinen Experiment an, um zu zeigen, wie wenig man über die Zunge wahrnimmt: "Verkosten Sie einen Schluck Wein und versuchen Sie, dabei die vielfältigen Gerüche wahrzunehmen. Halten Sie sich dann die Nase zu. Sie werden merken, dass Ihnen einiges an Reichtum fehlt."
Das laute Schlürfen, das durch das Einziehen der Luft durch den Mund entsteht, ist laut Strodl notwendig, "damit die Duftstoffe frei werden". Gespuckt werde "aus Selbstschutz, um bei einer Weinprobe nicht umzukippen – oft verkosten Profis bis zu 100 Weine oder mehr", sagt der Mitarbeiter der Weinakademie Österreich. Schade auch um die edlen Tropfen.
Wissen steigert Genussfaktor
"Alles, was Sie für eine sensorische Prüfung des Weins brauchen, bringen Sie mit: Augen, um zu sehen, Nase und Gaumen, um zu riechen und zu schmecken und einen neugierigen Geist, um das Erfahrene zu genießen", fasst Strodl zusammen. "Der Rest ist etwas Technik und Übung." Die Kunst des Weinverkostens zu erlernen lohne sich allein deshalb, "weil sie die Freude am Weingenuss erhöht", so der Experte.
Die Brüder Cornelius und Fabian Lange stellen in Crashkurs Weinprobe (Hallwag Verlag 2006, ISBN 9783833801471) einen wunderbaren Vergleich an: Nach einem ersten Besuch in einer Kunstgalerie registriere der Besucher die Werke der alten Meister ohne großen Bezug. Die Weinkenner schreiben: "Irgendwann betreten Sie Ihre zweite Galerie und Sie sind wieder fasziniert von einem Gemälde. Dabei denken Sie sich, so ganz im Stillen: 'Hmm, das da drüben könnte ein Velazquez sein.' Sie treten heran, und was steht auf dem Schildchen? Goya, verdammt noch mal! Im nächsten Jahr: 'Sonderausstellung: Alte Meister. Von Rembrandt bis Goya!' Im dritten Saal denken Sie schon von weitem: 'Das muss ein Caravaggio sein, diese Perspektive, dieses Licht, diese Gossentypen.' Sie treten heran … und? Caravaggio! Herzlich willkommen im erlesenen Kreis der Kunstkenner." Das Fazit der Autoren: "Es fällt kein Meister vom Himmel, schon gar kein alter. Training, Ausdauer, Leidenschaft und die Fähigkeit, Niederlagen einzustecken – das ist es, was Sie brauchen, wenn Sie ein Weinkenner werden wollen."
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