Die Erfindung des Lebens
Autorin: MMag. Susanne Kapeller
Aktualisiert am: 07.12.2009
Hanns-Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens
Es ist eine berührende Geschichte, die Hanns-Josef Ortheil in seinem neuen Roman erzählt. Es geht um einen Jungen, der seine Kindheit stumm verbringt. Er wächst beinahe symbiotisch mit seiner ebenfalls stummen Mutter auf. Seine Mutter hatte nach dem Tod ihrer vier ersten Söhne aufgehört zu sprechen. Doch davon weiß der kleine Junge noch nichts, davon erfährt er erst viel später. Es scheint, als wäre der Junge aus unbewusster Solidarität zu seiner Mutter ebenfalls stumm.
Ein Leben in der Isolation der Sprachlosigkeit
Seine Kindheit ist behütet, er hat kaum Kontakt zu anderen Kindern. Die Familie lebt zurückgezogen in einer Kölner Wohnung. Der kleine Junge verbringt seine Tage an der Seite seiner Mutter, er blättert in Büchern oder macht an ihrer Hand kleine Besorgungen. Eines Tages bekommt die Familie von einem Verwandten ein Klavier geschenkt. Im Klavierspiel findet der Junge allmählich eine Möglichkeit, sich auszudrücken.
In der Schule scheitert der Junge kläglich. Wegen seiner Sprachlosigkeit halten ihn Lehrer und Mitschüler bald für dumm. Dabei entsprechen nur die Lehrmethoden nicht seiner Methode, Dinge zu verarbeiten. Der Junge zieht sich immer mehr zurück. Nach zwei Monaten gibt er die Schule auf. Sein Vater lässt sich daraufhin einen eigenwilligen Sprachunterricht einfallen. Auf diesem Weg finden auch seine innerlich gebrochenen Eltern wieder zum Leben zurück. Doch auch als sprechender Junge geht er nur im Klavierspiel auf. Sein größter Wunsch ist es, Pianist zu werden.
Autobiografisch gefärbt
Diesen Weg des heranwachsenden Jungen von seiner Kindheit bis zur Studienzeit in Rom schildert Ortheil auf sehr berührende Weise. Der Roman ist autobiografisch gefärbt und erzählt auch, warum der Autor schlussendlich beim Schreiben gelandet ist. Ein großartiger Roman, der in Rückblicken erzählt wird: Der Ich-Erzähler kehrt während des Schreibens in Rom an die Orte seiner Jugend zurück. Eine Zeit, in der er große Hoffnungen an seine Zukunft hegte, die schlussendlich zerbrachen.
Der Autor:
Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden.
Hanns-Josef Ortheil
Die Erfindung des Lebens
592 Seiten
Luchterhand Verlag 2009
ISBN: 978-3-630-87296-4
Preis: 23,60 €
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