Ingrid Noll: Ehrenwort

Autorin: Ulrike Springer

Aktualisiert am: 28.02.2011

Vom Sterben und Erben

Die Grande Dame der deutschen Kriminal-Literatur hat sich in ihrer neuesten bitterbösen Kriminalkomödie das Thema Sterben und Erben vorgeknöpft. Und es wäre nicht Ingrid Noll, wenn es auch diesmal nicht wieder um die kriminelle Energie scheinbar ganz normaler Durchschnittsmenschen ginge.

Ingrid Noll weiß, wovon sie schreibt, wenn sie das Thema Altern und die Pflege Hochbetagter im häuslichen Umfeld anpackt: Ihre eigene Mutter wurde 106 Jahre alt – ohne je ein Altersheim betreten zu haben. Dem entsprechend realitätsnahe schildert die erfolgreiche Krimiautorin in ihrem aktuellen Roman "Ehrenwort" den Alltag häuslicher Pflege zwischen Altersstarrsinn und Maxiwindeln. Noll versammelt dabei drei Generationen unter einem Dach: Den bummelnden, etwas blauäugigen Studenten Max, der anders als seine Eltern – die Buchhändlerin Petra und der Ingenieur Harald – Sympathien ohne Hintergedanken für den fast 90-jährigen Opa Willy Knobel hegt und den Alten, der nach einem schweren Sturz im Krankenhaus dahinsiecht, zum Sterben nach Hause holt.

Nachdem die Prognosen für Willy Knobel schlecht stehen – die Ärzte rechnen mit wenigen Wochen bis zum Ableben – unterstützt Schwiegertochter Petra ihren Sohn gegen die heftigen Proteste ihres Ehemanns Harald, der den Alten nicht im eigenen Haus haben will. Lange würde es ja nicht mehr dauern, und immerhin gäbe es ein Haus zu erben. Dass Max mit seiner Vanille-Pudding-Kur es schaffen würde, den Großvater wieder auf die Beine zu bringen, hätte keiner gedacht. Daher greifen Harald und Petra zu mehr als verbotenen Mitteln, um den Störenfried unauffällig loszuwerden. Schön blöd, dass ihre Beseitigungsversuche aber nicht den zu Fall bringen, auf den sie es abgesehen haben...

Ingrid Noll zeigt in ihrer bitterbösen Komödie, dass es ebenso wenig heile wie heilige Familien gibt. Der Hoffnungsträger bleibt die Jugend, personifiziert im idealistischen Studenten Max.

Die Autorin:

Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren und studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist dreifache Mutter und Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. "Die Häupter meiner Lieben" wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane auch, erfolgreich verfilmt.

Ingrid Noll
Ehrenwort
Diogenes Verlag 2010
336 Seiten
ISBN: 978-3-257-06760-6
Preis: 22,60 €


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