Kraut und Rüben

Nein, in Kraut und Rüben erfahren Sie nichts über intensivere Kräuteraromen bei zunehmendem Mond oder Wühlmäuse im Gemüsebeet. Unsere Kolumne hat ganz anderes im Sinn. Die Wecarelife-Redaktion erzählt, was sie aufregt, wer sie rührt und wie man sie amüsiert. Das alles völlig ohne System: wie Kraut und Rüben eben.

 
 
 
 
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19.02.2010 | 11:36 | von Petra Stix | Kommentare (3)

Über Scharlatane und Wunderheiler

Es ist traurig und eigentlich furchtbar schade, dass unter dem Deckmäntelchen der alternativ-medizinischen Therapie heute derartig viel Unfug betrieben wird. Traurig und schade nämlich für all jene, die sich tatsächlich intensiv mit der Materie beschäftigt haben und auf ihrem Gebiet wirklich etwas drauf haben. Es sind einfach viel zu viele Scharlatane, Möchte-Gern-Heiler, Seher und sonstige Gurus unterwegs, die das schnelle Geld riechen und auf der allgemeinen Esoterik-Welle mitschwimmen. Nachdem mir bewusst ist, wie sehr dieses Thema polarisiert, möchte ich gleich vorweg, klar stellen, dass ich weder strenge Verfechterin des konservativ-schulmedizinischen noch des radikal alternativ-therapeutischen Lagers bin.
In letzter Zeit sehe ich mich leider immer wieder mit Fällen konfrontiert, wo sich im Grunde hoch intelligente und rational denkende Menschen in die Hände derartiger Wunderheiler und Scharlatane begeben. Und mittlerweile ist mir das eigentlich schon ein wenig unheimlich. Ein Beispiel der jüngsten Vergangenheit: Eine Bekannte von mir konsultiert erstmals einen Cranio-Sakral-Therapeuten. Seine Diagnose nachdem er ein wenig an ihrem Bein herumgedrückt hat: Da muss es einen Zwilling gegeben haben, der noch vor ihrer Geburt abgegangen sein soll. Und die Wiedergeburt dieses Zwillings sei ihre jüngere Schwester. Was bitte soll das? Ich selbst habe bisher sehr gute Erfahrungen mit der cranio-sakralen Therapie gemacht und meine Schmerzen im Lendenwirbelbereich – ausgelöst durch einen Unfall – nur so in den Griff bekommen. Umso weniger verstehe ich, welcher Teufel diesen Therapeuten geritten hat, solche Behauptungen aufzustellen. Und warum fummelt der überhaupt an ihrem Bein herum? Soviel ich weiß, heißt Cranio-Sakral-Therapie übersetzt Schädel-Kreuzbein-Therapie, kommt aus der Osteopathie und soll den Körper zur Selbstheilung anregen. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ein anderes Beispiel: Eine bereits höchstgradig verzweifelte Pferdebesitzerin, die in den letzen zwei Jahren schon so ziemlich alles ausprobiert hat, um ihren 12-jährigen Quarter-Wallach endlich von seinem chronischen Lungenleiden zu befreien, engagiert einen Schamanen. Dieser marschiert durch den Stall, bleibt plötzlich an der Box einer Quarter-Stute stehen, schließt die Augen, zupft an seinen Fingern und meint: "Dieses Pferd hat Stress." Dumm für ihn nur, dass er sich dabei eines der coolsten Pferde im Stall ausgesucht hat. Und was den lungenkranken Wallach angeht, die bösen Geister, die Joaquins Lunge besetzt haben, konnte auch der Schamane nicht vertreiben. Aber der selbsternannte Geistheiler war immerhin um 90 Euro reicher. Und darum ging es dann wohl ja auch.
Das Bedürfnis der Menschen nach Glauben, nach einer höheren Macht, nach Überirdischem, nach verborgenen Mächten und Energien ist offensichtlich enorm hoch. Vielfach dienen esoterische Ansätze den Menschen vielleicht einfach als eine Art Ersatz für herkömmliche Religionen, die ihren Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Prinzipiell ja nichts Verwerfliches. Gefährlich wird es erst dann, wenn versucht wird, schwere Krankheiten wie Krebs durch derartige Methoden zu heilen und diese Möchte-Gern-Heiler die Angst und Verzweiflung schwer kranker Menschen schamlos ausnutzen. Dann, finde ich, ist aber endgültig Schluss mit lustig.

 
 
Erstellt von: Weißes Schaf am 22.02.2010 | 12:12

Ja, leider sind sehr viele schwarze Schafe unterwegs. Man kann nur jedem raten, auf sein Bauchgefühl zu hören. Wenn da ein eindeutiges "Finger weg!"-Gefühl zu spüren ist, hat das höchstwahrscheinlich seine Gründe ...

Erstellt von: Loidi am 23.02.2010 | 09:30

Der Glaube versetzt angeblich Berge und mit diesem Vertrauen wird manches Mal wirklich etwas erreicht. Oft bildet man sich allerdings auch den Erfolg nur ein weil man ihn einfach sehen/spüren will. Auf jeden Fall sind die Erwartungen meist zu hoch und "ausser Spesen nichts gewesen". Wenigstens die finanzielle Seite sollte man vorher abklären, damit nicht eine weitere Belastung dazukommt.

Erstellt von: finimauzi am 23.02.2010 | 15:34

man kennt u.erfährt ja nur die spitze eines eisberges was in dieser branche seit vielen jahren an betrügerischen machenschaften u.schamlosester abzockerei an hilfesuchenden menschen verbrochen wird.leider gibt es ja nur selten die möglichkeit rechtlich gegen diese halsabschneider vorzugehen.da wäre endlich ein rigoroses vorgehen
des gesetzgebers angebracht.

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