Kraut und Rüben

Nein, in Kraut und Rüben erfahren Sie nichts über intensivere Kräuteraromen bei zunehmendem Mond oder Wühlmäuse im Gemüsebeet. Unsere Kolumne hat ganz anderes im Sinn. Die Wecarelife-Redaktion erzählt, was sie aufregt, wer sie rührt und wie man sie amüsiert. Das alles völlig ohne System: wie Kraut und Rüben eben.

 
 
 
 
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23.01.2012 | 17:52 | von Ulrike Springer | Kommentare (7)

Eine Frage der Coolness

Irgendwie werde ich in letzter Zeit ständig in Coolness-Debatten verwickelt. Da ich eine Frau in den 40ern bin, mache ich mir persönlich ja wenig bis gar keine Gedanken mehr darüber, ob ich nun cool bin oder nicht. Ich hab's ehrlich gesagt hinter mir.

Ich kann mich immerhin daran erinnern, dass es mir als Teenager unglaublich wichtig war, vor Klassenkameraden und Freunden nicht unbedingt als Spießerin dazustehen. Darum fühlte ich mich damals bemüßigt, uncoole Hobbys wie das Stricken oder meine Leidenschaft für Thomas Mann-Romane zu verheimlichen, um nicht gemobbt zu werden. In den 20ern ging es eher darum, eine individuell ausgeprägte Hippness zu entwickeln, die einem die unsichtbaren Türen cooler Cliquen öffnete. Wir verwendeten damals unglaublich viel Zeit und Energie darauf, die richtig coolen Klamotten im Post-Punk-Alternative-Bobo-Chic aus London zu beschaffen, in den angesagten Clubs zu verkehren, die innovativste Musik zu hören, coole Filme zu sehen etc. etc.

Heute bin ich ein Normalo, und das mit Freude. Ich ziehe immer die Klamotten an, die ganz oben am Stapel liegen, so leicht kann das Leben nämlich sein, wenn man nicht cool sein muss. Ich verpasse Kinopremieren (kommt ja irgendwann eh im Fernsehen) und höre noch immer meine alten Schallplatten. Lustigerweise ist Vinyl jetzt wieder voll in während CDs aus den Regalen verschwinden. Trotz meiner Weigerung, Trends hinterherzurennen, sagte unlängst mein Sohn zu mir, ich sei viel cooler als die Mütter seiner Schulfreunde. Wieso das? Ich mache mir kaum Illusionen darüber, dass er dabei wohl meine liberale Haltung in Bezug auf Dinge wie Fernsehen, Computerspiele und Hamburger - natürlich vernünftig dosiert - im Sinn hat.

Auch bei jungen Erwachsenen habe ich kaum Probleme damit, wenn sie die Welt in cool und uncool einteilen. Wobei ich mir von einem Hipster hab sagen lassen, dass man heutzutage "awesome" und "lame" statt "cool" und "uncool" sagt, denn diese Worte verwenden nur 100-Jährige wie ich. Wenn sich allerdings Menschen mit einem 3er oder gar einem 4er vorne Sorgen über ihre Coolness machen, empfehle ich in der Regel den Besuch eines erfahrenen Psychologen. Denn dabei handelt es sich doch wohl eindeutig um eine ausgewachsene Regression, wenn in Belastungssituationen (= Midlifecrisis) bereits durchlaufene Entwicklungsphasen wieder aufblühen.

Coolnessdebatten werden aber auch in der Arbeitswelt geführt, obwohl man da ja meinen sollte, man hätte es hier ausschließlich mit "Großen" zu tun und es ginge eher um Kompetenz, Produktivität oder ähnlich altmodische Fertigkeiten. Gerade in der Onlinewelt grassiert notorisch das hochansteckende Hipness-Virus. Die Symptome machen sich zunächst durch einen ausgeprägten Hang zu Anglizismen bemerkbar. Das war zwischenzeitlich schon mal anders, als plötzlich mühselig Eingedeutschtes wie "Internetz" der letzte Schrei in der Agenturszene war. Ich bin anscheinend immun gegen das Hipness-Virus, denn ich finde nach wie vor nichts daran auszusetzen, Begriffe wie Redaktion, Werbetexter, ChefIn oder SekretärIn zu verwenden. Falsch, falsch, falsch, denn wäre ich nicht so eine ewig Gestrige, würde ich Content Strategist, Copy-Writer, CEO und Management Assistent sagen. Was soll man da machen? Sich entspannt zurücklehnen, weiterstricken, uncool sein und dafür etwas hackeln, wie der Wiener sagt. Und darauf warten, bis Journalisten und Texte wieder cool sind. Bei den Tonträgern hat es schließlich auch funktioniert.

 
 
Erstellt von: Gast am 24.01.2012 | 23:33

Cool! :)

Erstellt von: Hipp Hipp Hurra am 25.01.2012 | 13:56

Wer sich Redakteur nennt, sollte aber wissen, dass man Hipness nur mit einem "p" schreibt ;-)
Hipp ist die Babynahrung. Manchmal schadet ein bissl Coolness gar nicht.

Erstellt von: Ulrike Springer am 25.01.2012 | 19:19

@Gast:
Danke, lieber Gast, dass Sie meine uncoole Kolumne cool finden! :)) Das freut mich umso mehr, nachdem mein wankelmütiger Junior mich ausgerechnet gestern Abend nun doch wieder als uncool bezeichnet hat. :o)

@ Hipp Hipp Hurra:
Danke für Ihre interessante Sicht der Dinge. Ich dachte mir bisher immer, die richtig coolen Kidz screibn appsichtlich ortografish fallsch, um Rechtsreipsbiessern wie mirr den Sie-wissen-schon-was zu zeign. ;-) Wenn man bedenkt, dass ich Hipness nur ein einziges Mal falsch (soviel ich sehe), dafür im Teaser korrekt sowie Hipster und 2 mal Hipness-Virus richtig geschrieben habe, bin ich wohl cool genug für diese Welt. Außerdem sind wir eine sehr, sehr arme Redaktion und müssen unsere Texte selbst lektorieren. Redakteure wissen, wie leicht man die eigenen Fehler übersieht. Also seien Sie bitte doch so cool und sehen einer älteren Dame einen Tippsler nach. (Holla, "Tippsler" wie "Hipp" oder "Tipsler" wie "hip", ich bin schon ganz verwirrt von all den modischen Begriffen, die nicht im Duden stehen...)

Liebe Grüße
Ulrike Springer

Erstellt von: Auch ein Redakteur am 26.01.2012 | 12:25

Die Redaktion, wo es noch Lektoren gibt, zeigen Sie mir bitte. Ich bin mittlerweile 15 Jahre im Journalismus und Lektoren hatten wir noch in keiner Redaktion. Deshalb werden die Texte ja in allen Redaktionen, die ich kenne, von Kollegen gegengelesen.

Erstellt von: Redaktion am 26.01.2012 | 14:44

Sie sagen es, Herr Kollege, eine grassierende Unsitte, wenn Sie mich fragen. Ich komme jedoch aus dem Printmagazinbereich, und zumindest bei den Qualitätsmedien verlässt auch heute dort noch kein Text ohne professionelles Lektorat das Haus. Und selbst da gibt es keine 100 % fehlerfreien Texte. Wenn Sie sich zu outen trauen, mache ich mich bei Ihren Texten auf die Suche. Wetten, ich finde etwas? Und wenn nicht, biete ich Ihnen gleich einen Job bei uns an: Dann pushen Sie unseren Coolnessfaktor und putzen alle Fehler weg... ;-)

LG Ulrike Springer

Erstellt von: kaltwarm am 27.01.2012 | 10:36

@hipp hipp hurra - die Rechtschreibung kritisieren, aber kein Wort über die Kolumne - ob da ein kleiner Nerd dahintersteckt? Hier muß leider ein downgrading (auch so ein Wort) des Coolnessfaktors auf "Ramsch" erfolgen.

Liebe Frau Springer - Gratulation, ausgezeichnet!! Etwas weniger cool, dafür ein bisschen kreativer, offener und freier würde uns allen gut tun. Und - egal ob hip, cool, awsome oder lame - wenn uns am Häusl das Papier ausgeht, sind wir alle angeschmiert :-)

Erstellt von: Nicknameswerdenüberbewertet am 27.01.2012 | 16:11

Ich weiß, dass es bei den goßen Tageszeitungen wie Presse, Standard etc. keine Lektoren gibt. Die Printmagazine haben offenbar mehr Geld.

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