Die vierte Dimension

Ein aufgemotzter Sportwagen rast kreischend um die Kurve. Direkt neben ihm schießt ein silberner Flitzer aus dem Nichts ins Bild. Es kommt zur Verfolgungsjagd. Hochhausfassaden fliegen vorbei. Der Fahrer des ersten Wagens reißt beherzt an der Handbremse. Den Kinozuschauer wirft es fast aus dem Sitz.

Der Wagen auf der Leinwand schleudert herum und schneidet dem anderen den Weg ab. Die Tür öffnet sich. Heraus steigt Hollywood-Star Vin Diesel. Und mit einem Mal riecht das ganze Kino nach Schweiß und verbranntem Gummi. 

Gibt’s nicht? Gibt es doch! Cinema 4DX nennt sich die Erfindung, über die bereits seit Jahren die wildesten Gerüchte kursieren. Jetzt ist sie Realität geworden.

In ausgewählten Kinos von China bis Kroatien sorgt die Neuheit für Publikumsandrang. Mit beweglichen Sesseln, Duftsprühanlagen, Regenmaschinen, Trockennebel und einer Reihe weiterer Effekte wird der Besucher in das Geschehen auf der Leinwand voll hineingezogen.

Was vor einigen Jahren noch allein Besuchern von Freizeitparks wie Warner Brothers Movie World vorbehalten war, könnte bald zum Kinoalltag zählen. Das vierdimensionale Erlebniskino soll diejenigen zurück in die Säle locken, die immer häufiger vor riesigen TV-Geräten daheim auf der Couch sitzen bleiben. 

Die Technologie stammt jedoch nicht, wie man vielleicht meinen möchte, aus Hollywood, sondern aus Südkorea. Dort kam es bereits 2009 zur Eröffnung des ersten Kinos mit 4DX-Ausstattung. Seither haben immer mehr Kinobetreiber Interesse bekundet.

Die mexikanische Kette „Cinépolis“ investierte gleich 25 Millionen US-Dollar, um ihre Säle mit 4DX auszustatten. Die Kosten für eine solche Umrüstung können pro Kino schnell einmal zwei Millionen US-Dollar und mehr betragen, je nachdem, wie viele Effekte verbaut werden.

Der amerikanische Branchenriese AEG rechnet jedoch vor, dass sich die Investition schon nach kurzer Zeit rentiert. Ausverkaufte Säle und höhere Ticketpreise seien das Ergebnis. Ob das auch auf Kinomärkte außerhalb der USA zutrifft, bleibt abzuwarten. 

Filmtechnisch wird die vierte Dimension als zusätzliche Spur zu den Bild- und Tonspuren angelegt. Für einen Spielfilm von 120 Minuten dauert die Programmierung der Erlebnisspur derzeit etwa einen Monat, bis die Effekte perfekt zu den Bildern gewählt und synchronisiert sind. Die Auswahl der Düfte und Effekte wird derweil ständig erweitert, um ein immer realistischeres und interessanteres Kinoerlebnis zu bieten. 

Wie bei der 3D-Technologie ist davon auszugehen, dass viele Filme vorerst weiter in der gewohnten 2D-Form gezeigt werden. Nicht jeder Film profitiert von 3D. Bei manchen Filmen lenkt die dritte Dimension sogar ab und nimmt den Bildern letztlich den Charme. Genauso verhält es sich mit den neuen Effekten. Am Ende bleibt die Story entscheidend.

Eine schwache Geschichte bleibt auch mit Duftstoffen in der Nase eine schwache Geschichte. Clever eingesetzt, können die Effekte jedoch einen spannenden Blockbuster in ein außergewöhnliches Spektakel verwandeln. 

 

Quellen:

CNN: Forget 3D at the movies, this is the next big thing

Welt: Brauchen wir Kinositze, die bei Action wackeln?