Dieser Zug ist abgefahren!

Das muss man sich mal vorstellen! Ein Zug mit einer Spitzengeschwindigkeit bis zu 1.200 km/h. Er bringt Sie schneller zum Ziel als ein Flugzeug und Sie zahlen für ihn weniger als für ein Bahnticket. Die Strecke von Wien nach Bratislava wäre in gerade einmal acht Minuten zurückgelegt. Der Mensch im Jahr 2017 ist inzwischen reichlich Innovationsverwöhnt. Da braucht es schon etwas Außergewöhnliches, um ihn hinter dem Ofen hervorzulocken. Doch diese Vision lässt aufhorchen. 

Hinter dem Projekt, das den futuristischen Namen „Hyperloop“ trägt, steht Elon Musk. Der Mann, der u. a. PayPal erdacht hat und derzeit mit seiner Elektrofahrzeugmarke Tesla den Automobilmarkt aufmischt. 

Ganz nach dem alten Sprichwort „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ wurde Musk bereits viel für seine Hyperloop-Idee kritisiert. Zu teuer. Unrealistisch. Zu unsicher. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, eine beeindruckende Teststrecke in Nevada zu bauen. In diesem Jahr soll auf ihr die erste öffentliche Vorführung stattfinden. Höchste Zeit also, um sich etwas näher mit der Erfindung zu beschäftigen. 

Und so funktioniert der Hyperloop

Das Prinzip von Hyperloop erinnert an die Rohrpost. Aluminiumkapseln mit Raum für 28 Insassen pro Kapsel gleiten auf einem Luftpolster dahin, ohne die Röhre zu berühren. Entlang der Strecke sollen Magnetbeschleuniger für Antrieb sorgen. Die Erzeugung eines Unterdrucks in der Stahlröhre löst das Problem des Luftwiderstands und ermöglicht so die hohen Geschwindigkeiten. 

Die Streckenführung soll überirdisch auf Stützen aus Stahlbeton entlang bestehender Autobahnen erfolgen. Unebenheiten in der Topografie sollen durch unterschiedlich hohe Stützen ausgeglichen werden. 

Hyperloop nur ein Abklatsch?

Elon Musk musste zuletzt bei jeder Gelegenheit als Vorzeige-Visionär herhalten. Dabei ist die Idee eines Hochgeschwindigkeitszugs dieser Art nicht neu. 1812 wurde das erste Mal darüber nachgedacht. 

Als schließlich in Kalifornien der Hochgeschwindigkeitszug CAHSR (California High-Speed Rail) in den Bau ging, ist Musk auf den Zug aufgesprungen. Er entwickelte in Form von Hyperloop eine eigene Variante, die vor allem günstiger und schneller als der CAHSR sein sollte. 

Man darf abwarten, welche Lösung sich am Ende durchsetzt. Auch in Europa wird der Bau von Bahnen im Stile des Hyperloops ernsthaft in Erwägung gezogen. Man überlege sich nur, wie dies das Berufspendeln revolutionieren würde. Vielleicht landen am Ende beide Ansätze auch nur auf dem Abstellgleis. Doch was wäre die Welt ohne große Träume?