Einführung in die Welt der 360-Grad-Kameras

Die Entwicklungen im Bereich der Foto- und Videokameras verlaufen derzeit rasant. Dabei sticht ein Trend ganz besonders heraus: 360-Grad-Kameras. Hier erfahren Sie, worum es dabei geht.

Mit 360-Grad-Kameras lassen sich Aufnahmen machen, in denen man sich omnidirektional bewegen kann. Oder einfach ausgedrückt: Man kann in den Aufnahmen räumlich umherschauen. Dies funktioniert sowohl mit Fotos als auch mit Videos. Schaut man sich die Aufnahmen beispielsweise am Laptop an, lässt sich per Steuerkreuz darin navigieren. Mit dem Smartphone reicht es, das Gerät in die gewünschte Richtung zu bewegen, um die Bilder 360 Grad zu erkunden.

Das beste Seherlebnis erzielt man jedoch, wenn man das Material durch eine Virtual-Reality-Brille betrachtet. Das derzeit bekannteste Modell trägt den Namen Oculus Rift. Samsung hat dieses Jahr mit Samsung Gear VR seine eigene Version vorgestellt. Zum Einstieg reicht allerdings schon die Google-Cardboard-Brille, eine extrem günstige VR-Brille aus Karton zum Selberbasteln.

In diese provisorische VR-Brille schiebt man sein Smartphone ein, setzt den Pappkasten auf und schon kann man im virtuellen Raum wandeln. Wirkt von außen betrachtet wie ein Brett vorm Kopf. Für den Nutzer aber tun sich neue Welten auf. Er taucht mit einem Mal räumlich in die Videos von der Hochzeit, die Fotos der neuen Wohnung oder etwa die Aufnahmen von Extremsportszenen ein. Gerade am Anfang kann der Eintritt in die virtuelle Realität schnell schwindelig machen. 

Stand der Technik

Die Industrie setzt große Hoffnungen in den neuen Markt. Derzeit arbeiten nahezu alle großen Tech-Firmen an eigenen 360-Grad-Kameras und attraktiven Wiedergabemöglichkeiten. Nokia bietet mit der OZO-VR-Kamera für den stolzen Preis von 60.000 USD eines der Spitzenmodelle.

Als Alternative stellen sich Filmemacher derzeit gerne ein Rig aus GoPro Cams zusammen. Dabei werden mindestens sechs der kleinen Kameras auf einem würfelförmigen Rig so angeordnet, dass die Objektive alle Richtungen abdecken. Doch das sind Beispiele aus der Profiliga. Modelle für den Alltagsgebrauch kommen immer häufiger in Form einer Kugel daher. Beispiele dafür sind die Kameras 360fly oder Samsung Gear 360. 

Es ist davon auszugehen, dass die Preise für diese Geräte mit zunehmender Verbreitung sinken und die Vielfalt sowie die Raffinesse der technischen Features zunehmen werden. Der Branchendienst Mashable stellte im Frühjahr dieses Jahres z. B. eine Preview der Kamera Vuze vom Anbieter HumanEyes vor.

Das Besondere an Vuze ist die Kombination aus 360-Grad-Aufnahmen und 3D-Technologie. Die daraus resultierenden Videos sollen ein noch realistischeres Abbild der Realität vermitteln und könnten damit zugleich ein wichtiger Treiber für die Nachfrage nach VR-Brillen werden. Vuze soll im Oktober dieses Jahres in den USA auf den Markt kommen. 

 

Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen

Wie bei allen neuen Technologien gibt es anfängliche Schwachstellen, die je nach Anbieter unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Dies gilt sowohl für die Bildqualität als auch für die mitgelieferte Software. Die meisten Kameras bieten eine eigene App oder Desktop-Software, in der sich die Aufnahmen der einzelnen Kameras zusammenführen lassen. Bei einigen Modellen kann dies recht umständlich sein. Während die Aufnahme mit den meisten Modellen unkompliziert ist, trübt eine unausgegorene Software schnell das Vergnügen an dem neuen Spielzeug. 

Aktuelle Probleme sind zudem die teils deutlich sichtbaren „Stiche“. Damit sind die Nähte gemeint, an denen die Aufnahmen der einzelnen Objektive zusammengefügt wurden. Ein Problem, das z. B. bei der 360Fly nicht existiert, da das Modell nur über ein Objektiv verfügt, das sich jedoch in alle Richtungen bewegen lässt.

Darüber hinaus spielt bei Videos auch die Tonaufnahme eine wichtige Rolle. Derzeit bieten die meisten Hersteller noch ein herkömmliches Stereo-Erlebnis. Ein räumliches Sounderlebnis entsteht jedoch erst mit Surround Sound.

360-Grad-Kameras und Google Streetview

Besonders der Suchmaschinengigant Google sieht Potenzial in den 360-Grad-Kameras. Die Google-eigene Videoplattform YouTube hat bereits im letzten Jahr die Funktion 360° View eingeführt und damit den Weg für eine schnelle Verbreitung von 360-Grad-Inhalten geebnet.

User können ihre Videos zudem direkt in Google Streetview einspeisen. Die kugeligen Google Cars, die bisher zu Aufnahmezwecken mit ihren aufgebauten Kameras die ganze Welt befahren haben, werden dadurch vermutlich überflüssig. Google überlässt es nun den Usern, ihre Welt für jeden virtuell begehbar zu machen. Ein Spaziergang durch das Leben von Menschen in den entlegensten Winkeln der Welt wird damit vom heimischen Wohnzimmer aus möglich. 

Das sind nur zwei Beispiele von vielen, wie sich die Technik im Alltag auswirkt. So ist z. B. auch Facebook in Partnerschaft mit Samsung sehr aktiv in dem neuen Markt. In Kombination mit den schon bestehenden Möglichkeiten zur Gesichtserkennung und dem Verfolgen von Objekten in einer Aufnahme bieten sich auch in ganz anderen Bereichen wie dem der Überwachung und Sicherheit ganz neue Möglichkeiten. 

Ist 360 Grad das Ende von 2D-Fotos und Videos?

Es ist nicht davon auszugehen, dass die neue Kategorie die reguläre Fotografie oder Videografie ersetzt. Um Geschichten zu erzählen, braucht es keine 360 Grad. Im Gegenteil: In vielen Fällen führt die Räumlichkeit der Bilder zu einem visuellen Informationsüberfluss und lenkt von der eigentlichen Geschichte ab. Auch ästhetisch gesehen wird 2D weiterhin absolut relevant bleiben. Sofern sinnvoll und kreativ eingesetzt, können im virtuellen Raum jedoch ganz andere Arten von Geschichten und Erlebnissen entstehen. 

 

Quellen:

Mashable: Vuze VR camera aims to give you high-end 360 video for only $800

T3N: Virtual Reality auf dem Vormarsch: 360-Grad-Kameras von LG und Samsung – mit Support von Facebook

T3N: Überteuertes Spielzeug oder Next Big Thing? Welche Virtual-Reality-Brillen wir 2016 kaufen können und was sie kosten