Handysüchtig

Hätten Sie vor fünfzig Jahren ein Smartphone besessen, würden Sie mit Sicherheit auf sämtliche Bühnen der Welt geladen. Die Leute hätten gestaunt, wie Sie das Wissen der Menschheit aus dem Handgelenk schütteln. Keine Information, die Sie nicht abrufen können. Keine Stadt, in der Sie sich nicht sofort auskennen.

Jeden Musikwunsch erfüllen Sie in Sekundenschnelle. Es hätte tosenden Beifall gegeben, wenn Sie mit Ihrem quadratischen Zauberstab genau die Airline, Bauart und das Reiseziel des Flugzeugs am Himmel über Ihnen bestimmen. Zum Abschluss der Vorstellung hätte es ein Selfie mit dem Publikum gegeben; natürlich in HD Qualität.

Wenn man so darüber nachdenkt, wird einem die ganze Faszination dieser kleinen Geräte bewusst. Sie sind ungemein praktisch, halten immer das passende Unterhaltungsangebot parat und sie sehen auch noch extrem gut aus. Kein Wunder also, dass wir die Smartphones kaum noch aus der Hand geben wollen. Der schöne Youtube-Erfolg “Look Up” zeigt uns jedoch, wie wir langsam zu “dumb people with smart phones” werden – also zu “dummen Menschen mit intelligenten Telefonen”.

Da zieht die Liebe des Lebens ungesehen vorbei, weil man im entscheidenden Moment auf sein Display geschaut hat. Lehrer klagen, dass ihre Schüler im Unterricht schlafen, nachdem sie die ganze Nacht gechattet haben. Gleichzeitig kommt es im Verkehr vermehrt zu Unfällen durch Autofahrer, die während der Fahrt Kurznachrichten schreiben. Vielleicht übertreiben wir es doch etwas mit unserer Liebe zum Smartphone. 

Bei übermäßiger Nutzung spricht man inzwischen von der “Handy-Sucht”. Das mag zunächst einmal überzogen klingen, doch die Sucht kann deutlich spürbare Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und deren Sozialverhalten haben. Die Symptome reichen z.B. von erhöhtem Stressempfinden bis hin zu Depressionen.

Auch in weniger ausgeprägten Fällen, leiden doch zumindest die persönlichen Beziehungen darunter, wenn der Partner beim gemeinsamen Abendessen nur noch Augen für sein Handy hat, oder man vor lauter Austausch mit den Online-Kontakten kaum noch dazu kommt, sich auf einen Kaffee zu treffen. 

Wenn Sie zu sehr auf Ihr Handy fixiert sind und Ihr Nutzungsverhalten ändern wollen, versuchen Sie es doch einmal mit den folgenden einfachen Übungen:

Handyfreie Mahlzeiten 

Nehmen Sie das Handy bewusst nicht mit zum Essen. So können Sie Ihren Mitmenschen die Beachtung schenken, die sie verdienen und gleichzeitig Ihre Mahlzeit bewusster genießen. 

Keine Handys im Schlafzimmer

Natürlich lässt sich das Smartphone hervorragend als Wecker benutzen. Aber davor ging es ja auch anders. Verwenden Sie wieder einen ganz herkömmlichen Wecker oder einen Radiowecker. So greifen Sie nicht gleich morgens als Erstes zum Handy und checken auch nicht mehr direkt vor dem Einschlafen Ihre Nachrichten. 

 

Armbanduhr tragen

Vielfach verführt der Blick auf die Uhrzeit am Handy zur unkontrollierten Nutzung des Geräts. Gewöhnen Sie sich daher an, eine Armbanduhr zu tragen, und Sie werden bemerken, dass Sie deutlich seltener zum Handy greifen.

Anzahl der Apps reduzieren

Treffen Sie gerade bei den sozialen Apps eine Auswahl: entweder Twitter oder WhatsApp, Instagram oder Pinterest. Sie brauchen nicht auf allen Kanälen mitzumischen. Versuchen Sie auch einmal, Facebook nur noch vom PC aus zu benutzen. Loggen Sie sich nach jedem Besuch wieder aus. Auch das setzt die Hemmschwelle höher, „nur mal eben” den Status zu prüfen.  

Handy in die Schreibtischschublade

Wenn Sie in Ihrem Büro über eine verschließbare Schreibtischschublade verfügen, schließen Sie Ihr privates Handy darin ein. Dadurch dass Sie jedes Mal aufschließen müssen, bevor Sie einen spontanen Blick auf das Gerät werfen können, vergeht Ihnen schnell die Lust am reflexartigen Griff zum Smartphone.

Flugmodus einschalten

Mit dem Flugmodus deaktivieren Sie die Kommunikationsfunktionen Ihres Handys. Oder einfacher gesagt: Sie unterbrechen den Empfang. So bestimmen Sie, wann Sie erreichbar sind und wann nicht. Der Modus spart zudem Energie, sodass Sie auch dann noch Akku haben, wenn es darauf ankommt.

Urlaub ohne Handy

Würden Sie es aushalten? Machen Sie den Versuch und lassen Sie Ihr Handy beim nächsten Urlaub ganz bewusst daheim. Sie werden staunen, wie entspannend diese Erfahrung ist.