High Tech for High Fun - die wichtigsten Innovationen im Wintersport

Der Ursprung des Wintersports, insbesondere des Schifahrens, reicht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es dann ausgehend von Norwegen zu einem ersten Schi-Boom in Europa, bis sich das Schifahren nach dem zweiten Weltkrieg zu einem echten Massentrend entwickelte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert entstanden schließlich die heute gängigen Wintersportarten wie Snowboarden, Carven, Schitouren oder das Schibergsteigen.

Alle diese Entwicklungen wurden vorangetrieben von technischen Innovationen, die den Wintersport attraktiver, aber auch sicherer machten. Einige dieser wegweisenden Erfindungen möchten wir Ihnen hier näher bringen.   

 

Safety first! Lawinenairbag - Sicherheit beim Tourengehen

Der Schitourensport wird zurzeit immer beliebter, was sich leider auch in der Unfallstatistik niederschlägt. In der Schisaison 2014/2015 starben in Österreich 25 Menschen durch Lawinenunfälle. Auch wenn dies einen Anstieg gegenüber den beiden vorhergehenden Jahren bedeutet, wird die Sicherheit für Tourengeher durch die Verbreitung von Lawinenrucksäcken entscheidend verbessert.

Mittlerweile gibt es verschiedene Airbag-Systeme, wobei das Grundprinzip immer gleich bleibt: Durch das Zusatzvolumen des aufgeblasenen Airbags soll der Sportler an der Oberfläche der Lawine gehalten werden. Entweder wird eine Verschüttung dadurch gänzlich vermieden, oder der Schifahrer wird nur teilweise unter den Schneemassen begraben, was seine Rettung erheblich erleichtert.

Laut Studien könnten durch den Einsatz von Airbag Systemen etwa die Hälfte aller Lawinentoten vermieden werden. Lawinenrucksäcke sind nicht gerade billig, sollten aber vor allem von Tourengehern und Schibergsteigern unbedingt getragen werden.

 

Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) - wenn jede Sekunde zählt

Ebenso sollte beim Schitourengehen ein sogenanntes Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) getragen werden. Wird ein Wintersportler unter einem Schneebrett begraben, stellt ein LVS-Gerät die einzige Chance dar, von Rettern gefunden zu werden! Diese handtellergroßen Geräte werden eng am Körper getragen und senden auf einer bestimmen Frequenz ein Signal aus, das von anderen LVS-Geräten geortet werden kann.

Ein auf "Suchen" geschaltetes LVS-Gerät führt den Retter durch akustische Signale und Richtungspfeile direkt bis auf etwa einen Meter zur Verschüttetenstelle, wo dann mit einer speziellen Sonde weiter gesucht wird und der Verschüttete mit einer Schaufel ausgegraben werden kann.

Doch die reine Mitführung des LVS-Gerätes reicht nicht aus - entscheidend für die Sicherheit ist ein geübter, sicherer Umgang. Da bei der Suche nach Verschütteten jede Sekunde zählt, ist es dringend anzuraten, den Umgang mit LVS-Geräten in einer Ausbildung zu lernen und den Einsatz regelmäßig zu üben. Solche Ausbildungen werden von Bergführern oder alpinen Vereinen (teilweise sogar gratis) angeboten.  

Neben jenen Innovationen, die vor allem die Sicherheit beim Wintersport verbessern, kam es im Laufe der letzten Jahrzehnte auch zu wichtigen Weiterentwicklungen bei der Sportausrüstung selbst. Zwei der wichtigsten werden hier kurz dargestellt.

Snowboard - Das neue Fahrgefühl auf einem Brett

Geht auch die ursprüngliche Entwicklung zeitlich viel weiter zurück, so schaffte es das Snowboard etwa ab 1990 zu einem Massenphänomen zu werden. Das Snowboard wirkte damals individueller und dynamischer als das oft altmodisch anmutende Fahren mit herkömmlichen Schi, wodurch sich vor allem Kinder und Jugendliche wieder vermehrt vom Wintersport begeistern ließen.

Snowboarden wurde bald viel mehr als nur eine Sportvariante und entwickelte sich zu einem Lifestyle, bei dem Mode, Musik oder gar Weltanschauung eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Das Reiten auf dem Brett hat auch heute noch ein sehr "cooles" Image, hat sich aber längst über alle Altersgruppen hinweg zu eine der beliebtesten Wintersportarten entwickelt. 

 

Carving  - Schifahren 2.0

Die Entwicklung des Carving Schi wird oftmals als die direkte Antwort auf den Boom der Snowboards gesehen. Die stylischen Boards eroberten seit Beginn der 1990er Jahre immer mehr die Pisten, während das althergebrachte Schifahren als altbacken betrachtet wurde. Die Umsätze der Snowboard Industrie schnellten im gleichen Maße in die Höhe, wie jene der klassischen Schi-Hersteller abzustürzen drohten. Besonders das Fahren von engen Radien auf der Kante des Boards, das Gefühl des "Surfens", wurde von den Snowboardern als besonders reizvoll beschrieben.

Die Hersteller begannen daraufhin dieses Gefühl für die klassischen Schi umzusetzen und es entstand ein neues Wintersportgerät, kürzer als der bekannte Schi, mit stärkerer Taillierung und etwas besserer Biegungseigenschaft, damit sich die Kanten bei Kurvenlage gut der Pistenform anpassen können.

Manche Stimmen meinten gar, der Carving Schi ist im Prinzip ein Snowboard, das der Länge nach durchgeschnitten worden ist. Um das Fahrgefühl in engen und steilen Kurvenlagen so richtig auskosten zu können, bedarf es einer eigenen Fahrtechnik ("Carven"), bei der vor allem die richtige Druckverteilung auf die Schi entscheidend ist.

Tatsache ist, dass der Carver den bis dahin bekannten Schi vollständig abgelöst hat und einen neuen Boom ausgelöst hat. Sogar viele Snowboarder, denen das Schifahren früher zu langweilig war, sind inzwischen wieder auf zwei Bretter umgestiegen und sind begeisterte Carver geworden.

 

Quellen: 

Wirksamkeit von Lawinenairbags

Schulung und Ausbildung für Lawinenkunde und Verschütteten-Suche