Musik nach Maß

Bis zur ersten Tonaufzeichnung im Jahr 1878 gab es nur eine einzige Möglichkeit, Musik zu erleben – nämlich live. Es gab kein Einkaufsradio, keine Discos, keine Warteschleifenmusik, keine Fahrstuhlmusik und schon gar keine Musik vom Handy. Wer Musik wollte, musste selbst singen, ein Instrument erlernen, zum Dorffest gehen, oder sich – wie am Hofe üblich – eine eigene Kapelle halten. Die Vielfalt war entsprechend begrenzt. Von Hörgewohnheiten konnte noch kaum die Rede sein. Man hörte das, was geboten wurde. 

Von der ersten Tonaufzeichnung zum Musikstreaming

Glücklicherweise hat Edison schließlich den Phonograph entwickelt. Klang konnte auf einmal aufgezeichnet und zeitlich wie räumlich unabhängig wiedergegeben werden. Nach und nach wurde Musik so für jedermann verfügbar. Damit hat Edison den Grundstein für eine völlig neue Art des Musikkonsums gelegt. 

Heute ist Musik längst allgegenwärtig. Dank Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer, Napster oder Apple Music ist die Auswahl an Musik zudem schier unüberschaubar geworden. Das haben auch die Betreiber der Streaming-Dienste festgestellt und sich überlegt, wie sie den Nutzern Musik vorschlagen können, die ihnen gefallen wird.  

Streaming-Dienste erfassen Hörgewohnheiten

Das Grundprinzip ist einfach: Die Streaming-Dienste erfassen, welche Genres, Künstler und Songs wir abspielen und suchen nach Schnittmengen in ihrer Datenbank. Hört ein User z. B. gerne die Sängerin Adele, empfiehlt Spotify ihm Künstler, die anderen Adele-Fans gefallen. Nun wird darauf geachtet, welche der Empfehlungen der User sich tatsächlich anhört und wie häufig er diese abspielt. Je mehr Musik ein Nutzer also konsumiert, desto genauer kann der Algorithmus erkennen, was ihm gefällt und dazu passende Empfehlungen abgeben. 

Der Marktführer Spotify verfügt inzwischen über Daten von mehr als 100 Millionen Usern. Dabei wird nicht nur registriert, welche Musik uns gefällt, sondern auch, zu welcher Tageszeit und an welchen Wochentagen wir welche Musik bevorzugen. Zum Frühstück mag ein User vielleicht etwas ruhigere Akustikmusik, am Nachmittag braucht er etwas Instrumentales für den Bürotag und am Abend dreht er Rocksongs auf.

Alle diese Informationen erfasst der Dienst und gleicht sie mit seiner Datenbank ab, um daraus für seine Hörer relevante Empfehlungen abzuleiten. Die Vorschläge werden dann z. B. im „Release Radar“ verpackt, einer Playlist, die jede Woche Neuveröffentlichungen zusammenstellt, welche für den Hörer von Interesse sein könnten. Darin enthalten sind nicht nur Veröffentlichungen der Musiker, die der User bereits kennt, sondern auch neue Titel von Künstlern, die zu seinen Hörgewohnheiten passen. 

Ob Thomas Alva Edison damals ahnte, welche Auswirkungen seine Erfindung haben würde? Wir wissen es nicht. Aber wir danken ihm für den genialen Einfall. 

 

Quellen:

Spotify

Der Edison-Phonograph