Online über den Wolken

Immer mehr Fluglinien bieten ihren Passagieren auch während des Fluges WLAN an Bord an. Wie funktioniert das und was sind die Vor- und Nachteile der modernen Technik?

Bereits 2013 hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA die Nutzung aller mobilen Geräte im Flugmodus gestattet. Mittlerweile wird immer öfter, vor allem auf Langstreckenflügen, die altbekannte Durchsage, elektronische Geräte auszuschalten, sogar durch den Hinweis, dass WLAN an Bord verfügbar ist, ersetzt.

Nicht nur für diejenigen, die auf Geschäftsreisen erreichbar bleiben und arbeiten wollen, bietet das viele Vorteile. Auf dem Weg in den Urlaub noch einmal die E-Mails checken, mit Freunden und Familie über einen Messenger in Kontakt bleiben oder ein Foto aus dem Flugzeug posten – all das ist damit möglich und vertreibt die Zeit besonders auf langen Flügen.

Auch für die Fluggesellschaften selbst wird durch den WLAN-Zugang vieles einfacher. Statt teurer und schwerer Inflight-Entertainment-Systeme könnten Fluggäste einfach den Bildschirm des eigenen Gerätes nutzen und sogar die neueste Folge der Lieblingsserie auf Netflix streamen, sofern die Bandbreite ausreichend ist.

Über das System Black Box in the Cloud können Flugdaten per WLAN-Verbindung direkt ins Internet übertragen werden. Nach einem Unfall sind die Daten so direkt online abrufbar, auch ohne die oft langwierige Suche nach der Blackbox. Zusätzlich ermöglicht WLAN an Bord das Abrufen aktualisierter Wetterdaten, mit deren Hilfe sich beispielsweise Turbulenzen umfliegen lassen.

Wie funktioniert WLAN im Flugzeug eigentlich?

In den meisten Fällen werden für den Internetempfang im Flugzeug geostationäre Satelliten genutzt. Diese tauschen Signale mit Bodenstationen auf der Erde aus. Rund 350 solcher Bodenstationen sind mittlerweile bereits über Europa verteilt.
 
Auch rein satellitengestützte Verbindungen sind möglich und kommen zum Beispiel besonders bei Ozeanüberquerungen zum Einsatz. Über eine Antenne am Rumpf des Flugzeugs, die sich mit einem Satelliten in der Nähe verbindet, gelangen die Signale an Bord. Von einem Server werden sie an kabellose Zugangspunkte, sogenannte Wireless Access Points, weitergeleitet. Das Prinzip ist also ganz ähnlich wie beim WLAN-Router im heimischen Wohnzimmer.

Je nach Fluglinie und verwendetem System kann man schon während Start und Landung surfen. Bei anderen Varianten muss dafür erst eine Flughöhe von 10.000 Fuß (3.000 Meter) erreicht werden. Gemeinsam ist ihnen allen, dass ein wolkenloser Himmel die beste Verbindung zwischen Flugzeug und Satelliten gewährleistet.

Nachteile der Internetverbindungen on board

Die Vorteile dieser Neuerungen im Flugverkehr liegen auf der Hand, Gegenstimmen gibt es aber trotzdem.

Am weitesten verbreitet sind mit Sicherheit Bedenken, dass die Nutzung mobiler Geräte die Flugzeugtechnik stört. Dem ist allerdings nicht so. Zwar können Handystrahlen möglicherweise Störgeräusche im Bordfunk verursachen, die Hauptgründe für die Aufforderung, das Mobiltelefon in den Flugmodus zu schalten, sind aber andere.

Durch Telefonieren in der Flugzeugkabine könnten sich andere Passagiere gestört fühlen. Außerdem sind Gegenstimmen besonders aus den Reihen der Flugzeugbegleiter zu vernehmen. Sie befürchten, dass die Reisenden durch die Nutzung ihrer Geräte, besonders beim Telefonieren, wichtige Durchsagen verpassen könnten.

Kritiker sehen zudem die Gefahr von Hackerangriffen und Cyberkriminalität gegeben. Die Verbindung moderner Flugzeuge mit dem Internet vereinfache auch für unautorisierte Personen den Zugriff auf das Unterhaltungssystem, unverschlüsselt gespeicherte Kreditkartendaten oder gar die Bordelektronik. IT-Experten namhafter Herstellerfirmen oder beispielsweise der Lufthansa Gruppe erachten diese Gefahr allerdings als sehr gering, auch wenn die neuen Technologien eine gesteigerte Auseinandersetzung mit dem Thema und Wachsamkeit erfordern.

Verfügbarkeit und Kosten

Zu beachten sind für Flugreisende natürlich auch die Verfügbarkeiten von WLAN-Verbindungen an Bord und die damit verbundenen Kosten. Während zum Beispiel Norwegian Airlines auf allen innereuropäischen Flügen kostenlosen Internetzugang anbietet, fallen bei anderen Unternehmen Preise bis zu 30 Euro an, je nach Dauer der Nutzung beziehungsweise je nach verbrauchtem Datenvolumen. Zudem wird WLAN von vielen Fluglinien bisher nur in bestimmten Modellen oder auf Langstreckenflügen angeboten.


Wer sich, bevor der nächste Flug gebucht wird, genauer informieren möchte, findet hier eine Übersicht über Angebote und Preise: kayak.de