Google statt Gutenberg? Online-Zeitungen und Printmedien im digitalen Zeitalter

Immer öfter hört man am Frühstückstisch oder im Café statt des Raschelns einer Zeitung das Klicken einer Tastatur. Wie steht es um die Beliebtheit der klassischen Tageszeitung und was unterscheidet das gedruckte Wort von dem, das in digitaler Form gelesen wird?

Lesen Sie noch Zeitung oder surfen Sie schon?

Die Vorteile der digitalen Informationsgewinnung lassen sich nicht von der Hand weisen. Online sind Nachrichten schnell, aktuell, immer verfügbar. Nicht umsonst haben die meisten Tageszeitungen und Zeitschriften ihre Onlinepräsenz mit einem Liveticker versehen, um immer am rasenden Puls der schnelllebigen Zeit zu sein.

Und überhaupt – liegt die Zeitung jeden Morgen vor Ihrer Haustür oder besuchen Sie lieber regelmäßig die Website? Diverse Studien der letzten Jahre belegen zwar, dass der Internetkonsum stetig zunimmt und auch die Informationsbeschaffung und -verbreitung zu einem großen Teil über die sogenannten Neuen Medien und sozialen Netzwerke stattfindet. Nichtsdestotrotz geben viele Befragte an, Printmedien trotzdem weiterhin unverändert zu nutzen.

Ein Grund dafür, dass viele immer noch Papier dem Bildschirm vorziehen, könnte die schiere Unendlichkeit der Informationsflut sein, die online ungefiltert auf den Leser einströmt. Der sogenannte Zeigarnik-Effekt sorgt dafür, dass wir beim Surfen schnell unsere Ziele aus den Augen verlieren, um immer wieder weitere, interessant wirkende Links anzuklicken. Bei dem Printmedium unserer Wahl wurde eine Vorauswahl getroffen. Die Informationen wurden, im Idealfall, verifiziert und so aufbereitet, dass der Leser am Ende das Gefühl einer abgeschlossenen Handlung hat.

Während immer mehr Menschen ihre Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter & Co beziehen und diese damit in einer Konkurrenz zur klassischen Informationsvermittlung zu stehen scheinen, gibt es sogar einen zur Digitalisierung gegenläufigen Trend zu beobachten. Website-Inhalte werden immer häufiger in Form eines Magazins aufbereitet und in digitaler Form veröffentlicht oder sogar gedruckt. Klare inhaltliche Ausrichtungen, hochwertige Layouts und das Vertrauen in eine Redaktion, die relevante Inhalte zusammengetragen hat, sorgen dafür, dass viele das zielgerichtete Lesen dem freien Surfen vorziehen.

Spiegel Online, Politico und derstandard.at – scrollen statt blättern

Zwischen der herkömmlichen Zeitung aus Papier und dem endlosen Nachrichtenangebot im Internet stehen die Online-Zeitungen. Sie vereinen die verlässlichen Informationen aus dem Printjournalismus mit der Aktualität und ständigen Verfügbarkeit des Internets. Gedruckte Presse und Online-Medien müssen nicht immer ein Gegensatz sein und auch die Leser gehen den Verlagshäusern nicht zwingend verloren, sie nutzen nur ein anderes Medium.

Die renommierte New York Times erwirtschaftet inzwischen rund ein Viertel des Umsatzes digital. An der Qualität des gebotenen Journalismus hat sich nichts geändert. Daneben hat sich in den letzten Jahren eine Internetseite als Stimme zur amerikanischen Politik bewährt: Politico. Neben der Online Version erscheint auch eine gedruckte Variante. Auch in Europa gibt es positive Beispiele für den Erfolg von Online-Zeitungen, ohne dass die Qualität der Inhalte darunter leiden muss. Spiegel Online beschäftigt über 100 Journalisten gewinnbringend und der Standard ist im Internet rentabler als in seiner gedruckten Form.

Egal ob Sie die Website besuchen, um den neuesten Artikel zu lesen, oder ein E-Paper auf Ihr Smartphone oder Tablet laden – bei den Inhalten gibt es zwischen Print- und Online-Variante kaum einen Unterschied. Ob die multimedialen Möglichkeiten, die das Internet bietet – weiterführende Links, eingebettete Videos, ständige Aktualisierbarkeit – für den Leser Fluch oder Segen sind, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.