Selbstfahrende Autos – entspannt zurücklehnen ohne Chauffeur?

Viele denken dabei wohl noch an Szenen aus einem Science-Fiction-Film, doch der Traum vom selbstfahrenden Auto rückt in immer greifbarere Nähe. IT-Branche und Automobilhersteller arbeiten an neuen Technologien, die hochautomatisiertes beziehungsweise autonomes Fahren Wirklichkeit werden lassen sollen. Doch was genau bedeuten die Begriffe und ab wann ist mit den ersten Serienmodellen zu rechnen?

Vom Fahrassistenten zur vollständigen Automatisierung

Spricht man über automatisiertes Fahren, ist es wichtig, dabei zwischen den verschiedenen Stufen der Automatisierung zu unterscheiden. Denn nicht immer ist mit dem Begriff dasselbe gemeint. Die Entwicklung vom Fahrassistenten zur vollständigen Automatisierung kann man grob in fünf Stufen einteilen.

  • Fahrassistenz

Hier wird zwar ein Bordcomputer in die verschiedenen Aufgaben des Fahrens miteinbezogen, Ausführung und Verantwortung liegen jedoch gänzlich beim Fahrer. Schon heute sind Autos mit solchen Assistenzsystemen auf den Straßen unterwegs. Die Systeme, wie beispielsweise das Parkassistenzsystem, greifen auf Informationen aus der Fahrzeugumgebung zurück und helfen damit beim Lenken, Beschleunigen und Abbremsen.

  • Teilweise Automatisierung

Bei der zweiten Stufe der Automatisierung werden Geschwindigkeit und Lenkung bereits so von einem Assistenzsystem kontrolliert, dass der Fahrer, zumindest temporär, die Hände vom Steuer und den Fuß vom Pedal nehmen kann. Teil des Systems sind Spurassistenten und Tempomaten, wie man sie zum Beispiel bereits in den Autopilot-Modellen von Tesla, dem BMW 7er, dem Q7 von Audi oder der E-Klasse von Mercedes findet.

  • Bedingte Automatisierung

Fahrzeuge dieser Stufe sind in der Lage, die Umgebung zu überwachen, und können eigenständige Entscheidungen treffen. Erkennt das Auto ein langsameres Fahrzeug, kann es selbstständig die Entscheidung treffen, zu überholen, und das Manöver auch ausführen.

  • Hohe Automatisierung

Ein hochautomatisiertes Fahrzeug fährt völlig selbstständig, der Fahrer muss jedoch dazu in der Lage sein, nach Aufforderung des Systems selbst das Steuer zu übernehmen, etwa um ein komplexeres Problem zu lösen.

  • Vollständige Automatisierung

Für ein Auto dieser Stufe wird, unabhängig von sämtlichen äußeren Bedingungen, kein Fahrer mehr gebraucht. Fahrerlaubnis oder Fahrtüchtigkeit des Passagiers sind nicht erforderlich. Auch Pedale und ein Lenkrad braucht ein vollständig automatisiertes Fahrzeug nicht.

Die nötige Infrastruktur muss erst geschaffen werden

Wann man sich tatsächlich auch ohne einen Chauffeur entspannt im Auto zurücklehnen kann, hängt jedoch nicht nur von der technischen Entwicklung der Fahrzeuge ab. Auch viele andere Faktoren müssen erst geregelt werden, bevor fahrerlose Autos ein fixer Bestandteil des Straßenverkehrs sein werden, wie ethische und versicherungstechnische Fragen.

Aber auch die Infrastruktur für autonome Fahrzeuge muss erst geschaffen werden. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist dabei, dass die Fahrzeuge untereinander lückenlos kommunizieren können. Und auch die Kommunikation zwischen Auto und Verkehrsampel muss funktionieren. Verschiedenen Fahrzeugen, zum Beispiel Rettungs- oder Polizeieinsatzwägen, muss automatisch eine höhere Priorität zugewiesen werden. Um die riesigen Datenmengen, die dafür ausgetauscht werden müssen, zu bewältigen, muss auch das mobile Netz erst die nächste Stufe erklimmen.

Der LTE-Nachfolger 5G soll dazu in der Lage sein. Mit einer Einführung der neuen leistungsstärkeren Technologie ist frühestens ab 2020 zu rechnen. Kurz darauf sollen auch schon die ersten völlig autonomen Autos vorgestellt werden. Damit bis dahin hundertprozentige Sicherheit gewährleistet werden kann, arbeiten Automobilhersteller aber natürlich bereits jetzt unter Hochdruck an der Weiterentwicklung der Automatisierung.

Supercomputer, intelligente Software, maschinelles Lernen, hochleistungsfähige Sensorik und hochgenaue HD-Live-Karten – das sind nur einige der Bereiche, in denen geforscht und getestet wird.

Vor- und Nachteile automatisierten Fahrens

Experten gehen davon aus, dass durch die fortschrittliche Technik in Zukunft 90 Prozent aller Verkehrsunfälle verhindert werden können. Durch automatisierte Taxis würde der Fahrzeugbestand in Städten drastisch reduziert werden.

Die Anzahl der Staus und die Umweltbelastung durch Emissionen würden sinken. Besonders auf längeren Fahrten sollen sich die Fahrer mit anderen Dingen beschäftigen können. Günstige und einfache Mobilität soll außerdem inklusiv sein, indem sie zum Beispiel auch älteren Menschen die Teilnahme an der Gesellschaft ermöglicht.

Zu den möglichen Nachteilen zählen vor allem Unsicherheiten hinsichtlich des Datenschutzes, eine potenzielle Gefahr von Cyberkriminalität und die teilweise Uneinigkeit hinsichtlich der ethischen Fragen. Diese sind jedoch selbstverständlich weiterhin Gegenstand der Forschung.

Bis alle noch offenen Fragen geklärt, die Technologien ausreichend getestet und die Infrastruktur entsprechend den Anforderungen ausgebaut ist, werden also noch einige Jahre bis zum ersten vollständig automatisierten Serienfahrzeug vergehen. Bis dahin können wir uns zwar noch nicht völlig entspannt auf dem Fahrersitz zurücklehnen, aber uns das Leben von Fahrassistenten und teilautomatisierten Systemen zumindest ein bisschen einfacher machen lassen.