Sicherheit am Berg

Herbstzeit ist Wanderzeit. Neben einer gemütlichen Sonntagsrunde am Stadtrand oder einem Spaziergang durch den schönen herbstlichen Laubwald zieht es um diese Jahreszeit viele Menschen  höher hinauf ins Gebirge. Die brütende Sommerhitze ist vorbei, die Ferien samt Urlauberansturm sind auch vorüber und die Berge laden zu einer schönen, oft mehrtägigen Tour in höhere Gefilde ein. Oftmals lassen sich Erholungsuchende allerdings von den idealen Bedingungen etwas blenden, vergessen auf die in den Bergen unumgängliche Ausrüstung oder haben keinen Blick für die möglichen Gefahren, die sich trotz aller Beschaulichkeit und Schönheit im Handumdrehen entwickeln können. Neben adäquater Bekleidung, Schuhwerk und Ausrüstung wie Gehstöcke oder Sicherungsmaterial ist es unumgänglich, ständig die am Berg möglichen Risiken und Gefahren im Bewusstsein zu haben.

 

Planung ist die halbe Bergtour

Das beginnt bei der Planung, idealerweise bereits einige Tage vor der Tour: Wie wird sich das Wetter entwickeln? Welcher Tourenverlauf ist geplant? Wie sieht die Geländebeschaffenheit aus? Schaffe ich das Vorhaben mit meinen Kräften oder gehe ich dabei an meine Grenzen? Wo gibt es einen Ausstieg, also eine mögliche Abkürzung ins Tal, falls es Probleme gibt? Auf alle diese Fragen muss es bereits vor der Tour eine Antwort geben um dann im Entscheidungsfall schnell reagieren zu können. Als Sammelbegriff dahinter wird der Begriff "Alpine Gefahren" verwendet – die elementaren negativen Einflüsse die einem am Berg begegnen können und vor denen man sich am besten durch Wissen, gute Ausrüstung und durch richtige Verhaltensmuster schützt. 

Grob wird unterschieden zwischen Gefahren, die von der Natur ausgehen und Gefahren, die durch das Verhalten des Menschen selbst entstehen. 

 

Die wichtigsten Naturgefahren sind: 

• Wetter bzw. plötzliche Wetterumbrüche wie sie typisch für Gebirgslagen sind

• Steinschlag bzw. Eisschlag in Gletschergebieten

• Lawinen und Gletscherspalten

• Dunkelheit

 

Gefahren, die vom Menschen selbst ausgehen

• Unzureichende Ausrüstung

• Geringes Können (oft verbunden mit falscher Selbsteinschätzung)

• Mangelnde körperliche Voraussetzung, zu geringe Kondition

• Mentale Schwäche bis hin zu Panik bei schwierigen Tourenbedingungen

• Nicht zu unterschätzen die Gruppendynamik die gerade bei Extremsituationen fatal sein kann

 

 

Ist sich der Bergsportler all dieser Aspekte im Vorfeld bewusst und richtet die Tour entsprechend dieser Rahmenbedingungen aus, wird das Risiko am Berg signifikant minimiert und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass das erholsame alpine Erlebnis durch nichts gestört wird. Dabei geht es nicht immer um alpintechnisches Spezialwissen, wie etwa die Anwendung von Sicherungsgeräten oder dergleichen. Die wirklich grundlegenden Fragen erweisen sich bei näherer Betrachtung als sehr einfach: 

 

Wie lange dauert die Tour? 

Darüber geben Tourenführer in Büchern und Internet Auskunft. Wichtig: Keine Touren durchführen, die bis zum Sonnenuntergang dauern, besser bis zu 30 % der Zeit als Reserve einplanen. Wann geht eigentlich die Sonne unter? Gerade im Herbst werden die Tage rasant kürzer. Für den Notfall sollte immer eine Stirnlampe im Rucksack sein. Diese handlichen Lampen brauchen wenig Platz, sind in einfacher Ausführung schon ab 15,- Euro zu haben und gewährleisten einen sicheren Abstieg auch bei Dunkelheit. 

 

Wie orientiere ich mich? 

Trotz immer populärer werdender Handynavigation sollte immer eine Karte des Tourengebietes im Gepäck sein, falls das Handy kaputt geht, der Empfang nicht ausreichend oder der Akku leer ist. 

 

Welche Kleidung habe ich mit? 

Eine Regenjacke und eine zusätzliche wärmende Jacke und eine Haube sollten immer im Gepäck sein, auch wenn ungetrübtes Bergwetter prognostiziert worden ist. Gerade in Übergangszeiten kann das Wetter in den Bergen schnell umschlagen. Außerdem weiß man nie was passiert: Ein verstauchter Knöchel kann reichen, um Stunden später am Ziel anzukommen (Stichwort: Stirnlampe) oder gar bis in die Nacht auf Rettung warten zu müssen (Stichwort: warme Kleidung). 

 

Kann ich mit meinen Kräften gut haushalten? 

Neben der notwendigen Grundkondition ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit und kräftigende Nahrung bei sich zu haben. Einige Müsliriegel, Nüsse und etwas Obst benötigen nicht viel Platz, bringen aber die notwendige Kraft, die man auf Bergtouren unbedingt benötigt. Ebenso sollte für kleinere Verletzungen immer ein kleines Erste-Hilfe-Päckchen mit im Rucksack dabei sein und für den Fall der Fälle muss die Notrufnummer 140 der Bergrettung bekannt sein.

 

Und wenn Sie noch höher hinaus wollen...

Haben Sie den Wunsch, sich in hochalpine Lagen mit Gletschergebieten zu begeben, dann kommen neben all diesen grundlegenden Fragen noch die notwendige Erfahrung und das Können dazu. Sofern man nicht selbst über die Ausbildung und jahrelange Erfahrung im hochalpinen Gelände verfügt, sollte man sich jemanden anvertrauen, der dafür ausgebildet worden ist. In Österreich gibt es etwa 1200 professionelle Bergführer, deren Beruf es ist, Menschen sicher im alpinen Gelände zu begleiten. Zu finden sind diese Bergführer über entsprechende Verzeichnisse im Internet: Siehe weiterführenden Links ganz unten in diesem Artikel: 

Die wichtigste Eigenschaft am Berg ist jedoch jene stets defensiv zu sein, im Zweifelsfall umzudrehen oder die Tour abzubrechen. Der oft strapazierte Begriff "am Berg gelten andere Regeln" ist leider nicht so weit hergeholt, wie man meinen möchte. Beachtet man aber die grundlegenden Regeln zu Risiken und Sicherheit, dann steht einem schönen und erholsamen Erlebnis am Berg nichts im Wege.

 

Quellen:

Tourenplanung: 

http://www.outdooractive.com/de/

http://www.alpenvereinaktiv.com/de/

 

Bergführer: http://www.bergfuehrer.at/

Bergrettung: http://www.bergrettung.at/

 

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