Smartglasses – die Brille der Zukunft

Bei Smartglasses oder Datenbrillen handelt es sich, kurz gesagt, um tragbare Computer, die Informationen im Sichtfeld des Trägers einblenden. Bedient werden die Brillen meist mittels Sprachsteuerung oder eines Touchpads.

Die Anwendungsmöglichkeiten der Smartglasses sind vielfältig. Statt im Reisebüro einen Katalog durchzublättern, kann dem Kunden mithilfe einer solchen Brille ermöglicht werden, schon vor Ort kurz in die Welt des gewünschten Reiseziels einzutauchen. Reiseführer werden überflüssig, wenn man sich, sobald man vor einer Sehenswürdigkeit steht, einfach alle Informationen und Daten dazu einblenden lassen kann. Das sind jedoch nur zwei von vielen Beispielen für den möglichen Einsatz der Datenbrillen.

Während Datenschützer Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre äußern, können sich laut einer Studie aus dem Jahr 2015 immerhin 38 Prozent der deutschen Bevölkerung vorstellen, eine solche Brille zu tragen.

Grund genug, sich die Hightech-Brillen noch einmal genauer anzusehen.

Virtual Reality vs. Augmented Reality

Spricht man über Datenbrillen, muss man zwischen sogenannten VR-Brillen und AR-Brillen unterscheiden. VR-Brillen, zum Beispiel die bekannte Oculus Rift, sind geschlossen. Man kann die reale Umgebung nicht mehr sehen, sondern taucht mittels Brille völlig in die virtuelle, computergenerierte Welt ein.

Unter Augmented Reality versteht man eine erweiterte Realität. Bei den AR-Brillen handelt es sich um „See through“-Devices – die tatsächliche Umgebung ist noch sichtbar, unsere Wahrnehmung wird jedoch um eingeblendete Informationen ergänzt.

Die Stärken beider Varianten vereinen sogenannte Spaceglasses. Mit ihnen sieht man zwar die physische Realität noch, jedoch können 3-D-Objekte dargestellt und per Gesten gesteuert werden.

Smartglasses am Arbeitsplatz

Zahlreiche Vorteile bieten die „Sehhilfen“ auch in der Industrie, und an einigen Arbeitsplätzen sind sie mittlerweile schon Teil des Alltags.

Fehlervermeidung und Steigerung der Effizienz – das verbuchen laut eigener Angaben zum Beispiel diverse Logistikunternehmen, nachdem Lagermitarbeiter mit Datenbrillen ausgestattet wurden. Handscanner wurden durch Brillen ersetzt. Auf den Bildschirmen der Brillen können Informationen eingeblendet werden, die die Mitarbeiter gesuchte Artikel in den Gängen der Lager schneller finden lassen.

Mit Smartglasses bleiben beide Hände frei, während man Checklisten, Leitlinien, Konstruktionspläne oder andere wichtige Informationen stets vor Augen hat – ein System, das vielen Berufsgruppen enorme Vorteile bietet. In Fabriken, Labors und Arztpraxen werden Datenbrillen bereits getestet oder sollen in naher Zukunft vermehrt Verwendung finden. Architekten und Designer könnten mithilfe von Smartglasses 3-D-Objekte noch in der Entwicklungsphase ganz problemlos von allen Seiten betrachten.

Ärzte und Katastrophenhelfer sollen zukünftig, vor allem bei Großeinsätzen, von intelligenten Brillen unterstützt werden. Zusätzlich zur Möglichkeit, Daten einzublenden, verfügen die meisten Datenbrillen, allen voran Google Glass, auch über Kamera, Mikrofon und Telefonfunktion. Alles, was der Träger der Brille sieht, könnte so in Echtzeit an Telemediziner übertragen werden, die die Einsatzkräfte vor Ort zusätzlich entlasten könnten. Die Versorgungsqualität würde durch Datenbrillen definitiv steigen – darin sind sich die Experten nach bisherigen Testeinsätzen einig.

Ein weiteres Anwendungsgebiet wäre die Nutzung einer intelligenten Brille als persönliches Assistenzsystem. Gestützt auf Neuroinformatik sollen dabei Vitalparameter – Blutdruck, Herzfrequenz usw. – gemessen und darauf basierend dem Träger Handlungsanweisungen gegeben werden. Bilder, Text, Videos oder ein Avatar könnten eingeblendet werden und individuelle Unterstützung bieten.

Skeptische Blicke

Da die meisten Smartglasses noch recht schnell als solche zu erkennen sind, kann es dem Träger auf der Straße mitunter passieren, dass er äußerst skeptische Blicke erntet. Tatsächlich werden, trotz all der positiven Möglichkeiten, die die neue Technologie bietet, auch immer wieder kritische Stimmen laut.

Besonders hinsichtlich des Datenschutzes gibt es Bedenken. Anders als bei einem Smartphone oder Tablet gibt es bei Smartglasses kein eindeutiges Signal, an dem man erkennen kann, das eine Foto- oder Videoaufnahme gemacht wird. Kritiker fürchten außerdem, dass die Hightech-Brillen es ermöglichen könnten, Fremde mittels Gesichtserkennung zu identifizieren. Umstritten ist auch die Anwendung einer Datenbrille beim Autofahren. Während Befürworter eine Revolutionierung des Navigationssystems sehen, fürchten andere eine zu große Ablenkung durch die Brille.

Unbestritten bleibt jedoch die Tatsache, dass die stetige Weiterentwicklung der Smartglasses auf unzähligen Ebenen großes Potenzial dafür bietet, unser Leben in Zukunft zu vereinfachen.